Städtische Wohnpolitik: «Das ist eine Schmalspuranalyse»

Von Felix Schindler . Aktualisiert am 23.11.2009
Der Wohnraum wird knapper, die Mieten steigen – dieses Problem will die Stadt mit einem Positionspapier bekämpfen. Doch laut der SP-Gemeinderätin Jacqueline Badran hat der Stadtrat dabei das Wichtigste vergessen.
Sind sich uneins, wo die Ursachen für den angespannten Wohnungsmarkt liegen: Stadtpräsidentin Corine Mauch und SP-Gemeinderätin Jacqueline Badran. Bild: WireImage

Immer mehr Menschen wollen in Zürich wohnen, gleichzeitig sind die Landreserven für Neubauten erschöpft. Die Folge: Der Wohnungsmarkt in Zürich ist ausgetrocknet und die Mieten werden immer teurer. Heute Montagvormittag präsentierte der Stadtrat acht «Handlungsleitlinien», mit denen er diesem Problem Herr werden will.

Um zu demonstrieren, wie ernst die Stadt das Thema nimmt, stellte sich Stadtpräsidentin Corine Mauch mit einem Grossaufgebot vor die Medien. Flankiert von drei weiteren Stadträten stellte Mauch die Rezepte gegen Wohnungsnot und Ghettobildung vor – allerdings ohne wirklich konkret zu werden.

Anteil gemeinnütziger Wohnungen erhalten

So wolle man etwa die «Vergabe von Baurechten an Belegungsbedingungen knüpfen». Wie genau diese Belegungsbedingungen lauten, sei Gegenstand künftiger Auseinandersetzungen. Um die soziale Durchmischung künftig zu gewährleisten, werde die Stadt «im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch in teureren Quartieren wohnpolitisch aktiv». Ferner müsse die Stadt auch «dem Thema Kostentreiber im Wohnungsbau mehr Beachtung schenken». Und schliesslich wolle die Stadt den Anteil von gemeinnützigen Wohnungen bei 25 Prozent «erhalten».

Zweitwohnungsbesitzer nehmen den Bewohnern Raum weg

«Das Papier ist eine Schmalspuranalyse», sagt die SP-Gemeinderätin Jaqueline Badran. Zwei schwerwiegende Ursachen für den angespannten Wohnungsmarkt blende das stadträtliche Papier vollständig aus. «Die Struktur der Immobilieneigentümer hat sich in diesem Jahrtausend massiv verändert. Heute mischen börsenkotierte Immobilienunternehmer und Immobilienfonds auf dem Markt mit, die mehr als doppelt so viel Rendite anstreben als früher», sagt Badran. So lange der Immobilienmarkt von privaten Investoren beherrscht werde, sei keine Entspannung in Sicht.

«Auch das Problem der Zweitwohnungen ist im Papier mit keinem Ton erwähnt.» Schätzungen zufolge seien sieben bis neun Prozent der Wohnungen in Zürich als Zweitwohnungen vermietet oder verkauft. «Die Mieter oder Eigentümer nehmen den Bewohnern Wohnraum weg, zahlen aber keine Einkommensteuer. Das ist Geld, das dem Fiskus fehlt.»

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 23.11.2009, 14:47 Uhr

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