Zürichs schwimmendem Restaurant droht das Aus

Von Denise Marquard . Aktualisiert am 09.02.2010
Auch an der Riviera will die Stadt ein Bootshaus im Einheitslook errichten. Dagegen werden Unterschriften gesammelt und Petitionen lanciert.
Aussicht beim Bellevue: Bootshäuschen und Restaurant Pier 7 liegen noch bis März im Winterschlaf. Nicola Pitaro

Pier 7, das ist ein kleines, schwimmendes Restaurant mit Bootshäuschen vor der Riviera beim Bellevue. Am 5. März wird es nach der Winterpause wieder eröffnet, vielleicht für die letzte Saison, denn so wie es aussieht, soll die beliebte Beiz bis Ende Jahr verschwinden. Stattdessen ist dort ein neues Bootshäuschen samt städtisch verordnetem Dächlikappen-Look geplant. Dagegen regt sich Widerstand. Ein Komitee pro Pier 7 will Unterschriften sammeln. FDP-Stadtratskandidat Urs Egger hat sogar eine Petition eingereicht.

Die Betreiber von Pier 7 können den Entscheid nicht verstehen. «Es ist gar nicht sanierungsbedürftig», sagt Urs Lienhard. Und es ist zudem mehr als eine beliebte Beiz mit einmaliger Postkartenidylle. Pier 7 ist auch eine Bootsvermietung auf der Limmat, eine Tankstelle, eine Fahrschule, der Fahrgastbetrieb der MS Riviera und die Vermietung von Bootsliegeplätzen. Die Betreiber, Urs Lienhard und Marc Lindenmann, haben in den letzten zehn Jahren ihren Betrieb kontinuierlich ausgebaut: «Ich habe mehrere Hunderttausend Franken in den Ausbau investiert. Auch die Stadt hat Geld reingesteckt», sagt Lienhard. «Jetzt, wo dieser Kleinbetrieb endlich rentiert, soll das Lokal geschlossen werden? Das verstehe ich nicht.»

Doppelt so gross wie die andern

Dass das Bootshäuschen einem Neubau weichen soll, wussten die beiden Betreiber schon länger. Aber erst im letzten Jahr erreichte sie die Hiobsbotschaft, dass es einen Neubau ohne Restaurant geben würde. Die Delegation für stadträumliche Fragen kam zum Schluss, dass das Bootshäuschen mit Restaurant zu gross geworden wäre und daher nicht mehr ins Stadtbild passen würde. Als weiteren Grund nennt Marc Huber von der städtischen Immobilienbewirtschaftung die Kosten: «Eine Refinanzierung der Investitionen für ein Restaurant wäre über die Miete nicht möglich gewesen», sagt er. Und schliesslich kommt die Stadt zum Schluss, dass es am Bellevue kein Bedarf für zusätzliche Gaststätten gibt. Das kann man freilich auch anders sehen: Als an der FussballEM im Quaibecken ein zusätzliches Restaurant auf einem Floss betrieben wurde, konnte es sich vor Besuchern kaum retten.

Das Pier 7 wird auch von den Profis sehr geschätzt. Frank Bumann, Direktor von Zürich Tourismus, schickt immer wieder Leute dorthin und lobt das kleine, aber feine Lokal in den höchsten Tönen. «Gerade als schwimmendes Restaurant ist es bei den Touristen äusserst beliebt», sagt er und fügt hinzu: «Ich würde das Fehlen dieses Standortes ausserordentlich bedauern.»

Ungeliebte Dächlikappen

Doch die Stadt besteht auf dem Einheitslook aus Stahl, Glas und Dächlikappe. Drei solcher Häuschen schwimmen am Utoquai, am Seefeldquai und in der Enge. Der Applaus des Zürcher Publikums hält sich in Grenzen. Die Dächlikappen-Häuschen gelten als sehr teuer und sehr hässlich. Immerhin bietet der Stadtrat Hand zu einem Kompromiss: Um einen Ganzjahresbetrieb für das Vergnügungsschiff MS Riviera zu ermöglichen, soll der Neubau mit einer Küche ausgestattet werden. Deshalb würde auch eine zusätzliche Toilette nötig. Weiter kommt der Einbau einer Heizung hinzu. Zum Vergleich: Das kleinere Bootshäuschen in der Enge kam auf 1,4 Millionen Franken zu stehen. Die Stadt rechnet mit rund 50 Prozent Mehrkosten gegenüber einem Standard-Bootshäuschen. Da der Anteil der neuen Kosten am Projekt wahrscheinlich mehr als zwei Millionen Franken beträgt, wird der Gemeinderat darüber befinden. Das erhöht die Lebenschance von Pier 7 gewaltig.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2010, 04:00 Uhr

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