Uni-Besetzer schalten sich selbst stumm

Von Christoph Landolt . Aktualisiert am 20.11.2009
Die Studierenden, die an der Uni Zürich einen Raum besetzt halten, wollen auch am Wochenende ausharren. Neu übertragen sie ihre Sitzungen per Livestream im Internet – allerdings mit einem Haken.

Um 0.55 Uhr war es zu Ende. Das abendliche Plenum, das die protestierenden Studenten im Raum KOH-B-10 veranstaltet haben, begann am Donnerstag Abend um 18 Uhr und zog sich über mehrere Stunden hin. «Mehrere Dutzend Studierende» sind gemäss der «Zürcher Studierendenzeitung» bis zum Schluss geblieben.

Die Besetzer haben offenbar beschlossen, die Plenumssitzungen per Livestream öffentlich zu machen. Nachdem die Veranstaltung zu Beginn noch in Bild und Ton zu empfangen war, befürchteten die Studenten, dass das Rektorat und die Medien mithören könnten. Sie beschlossen deshalb, den Ton abzudrehen und nur noch Bilder zu übertragen. Der Livestream sei vor allem dazu da, «von dem besetzten Hörsaal einen bildlichen Eindruck zu bekommen», meldeten die Besetzer.

In den Kommentarspalten des Livestreams war der Unmut gross. Ein Zuschauer fragte sich, was es da zu verstecken gebe und kündigte den Besetzern gleich die Unterstützung auf. Ein anderer beschimpfte die Protestierenden als «feige Säcke».

Besetzer bleiben übers Wochenende – Räumung nicht ausgeschlossen

Der Kampfgeist der Besetzer scheint allerdings ungebrochen. Über das Wochenende soll der wegen seiner Farbe «Haribo»-Raum genannte Hörsaal blockiert bleiben. Die Studenten haben einen Aufruf an Künstler gerichtet, die sich «mit den Protesten solidarisieren und sich gerne aktiv in ein kulturelles Rahmenprogramm einbringen wollen.» Wer Lust habe, ein Konzert, eine Lesung oder einen Workshop zu veranstalten, sei im KOH-B-10 am richtigen Ort.

Nachdem die Besetzer ein Gesprächsangebot von Uni-Rektor Andreas Fischer ausgeschlagen haben, ist dieser an das Plenum von heute Abend eingeladen. Ob Fischer sich in den besetzten Hörsaal begeben will, ist zur Zeit noch nicht entschieden. «Wir werden alles tun, damit die Sicherheit gewährleistet ist», erklärte Uni-Sprecherin Christina Hofmann auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch. Personenschutz sei allerdings nicht nötig. Auch über eine Räumung hat die Uni-Leitung noch nicht entschieden.

( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )

Erstellt: 20.11.2009, 10:55 Uhr

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