Der «harte Würgegriff einer Hochleistungsstrasse» schneide Zürich vom See ab und verhindere jede städtebauliche Entwicklung entlang der Uferfront. Das schreibt der ehemalige SP-Gemeinderat Bruno Kammerer in seiner Einzelinitiative, mit der er eine unterirdische Führung des Utoquais ab Frascati und des General-Guisan-Quais bis zum Arboretum verlangt. Der Stadtrat hat die Initiative am vorletzten Mittwoch abgelehnt (TA vom 11. März), jetzt liegt auch die ausführliche Begründung vor, die sich auf eine «bautechnische Einschätzung» des Büros Basler & Hoffmann stützt.
Zwei Kreisel in 30 Meter Tiefe
Um den heutigen Verkehr im Raum Bellevue abwickeln zu können, müsste der Tunnel vierspurig sein. Die heutigen Kreuzungen müssten unterirdisch als Kreisel gebaut werden, da Kreuzungen mit Lichtsignalen in Tunnels nicht gesetzeskonform seien. Unter dem Bürkliplatz wäre ein Kreisel nötig, ebenfalls unter dem Bellevue, der einen Durchmesser von 40 Metern hätte. Diese Kreisel befänden sich in mindestens 30 Metern Tiefe, weil der Tunnel die Quaibrücke unterfährt, die auf etwa 800 12 bis 15 Meter langen Holzpfählen ruht.
Wegen dieser Tiefe würden die Zufahrtsrampen laut Stadtrat 500 bis 600 Meter lang, da Tunnels nicht mehr als 5 Prozent Neigung haben dürfen. In der Rämistrasse, die am Berg liegt, würde die Rampe noch länger und weit über den Heimplatz hinausreichen. Die Rampe Talstrasse reicht über den Bleicherweg hinaus. Da die Talstrasse teilweise nur 12 Meter breit ist, die Tunnelrampe wegen seitlich angeordneter Belüftungskanäle und Fluchtwege aber mindestens 16 Meter breit ist, müssten Häuser abgebrochen oder müsste auf die Bahnhofstrasse bis Paradeplatz ausgewichen werden, was die Verlegung von Tramlinien zur Folge hätte. Kurz: «Eine unterirdische Führung unter Beibehaltung aller heute wichtigen Verkehrsbeziehungen ist nicht realisierbar.»
Enorme Kosten
Gegen die Idee sprechen laut Stadtrat auch die Kosten. Weit über 700 Millionen Franken ohne die Anschlüsse Bellevue und Bürkliplatz, was die Stadt wohl selber zahlen müsste. «Vordergründig bestechend», sei das Ziel der Einzelinitiative aber kaum realisierbar und mit einem «sehr schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnis behaftet. Lieber setzt der Stadtrat mittelfristig auf punktuelle, realisierbare Verbesserungen der Zugänglichkeit zum Seeufer, insbesondere mit besseren Fussgängerübergängen am Uto-, am General-Guisan- und am Mythenquai.
(Tages-Anzeiger)