Die Nachricht liess Wohnungssuchende aufhorchen: 1,1 Millionen Quadratmeter neue Wohnfläche entstanden 2007 im Kanton Zürich – so viel wie seit 35 Jahren nicht mehr. Insgesamt wurden 8966 Wohnungen gebaut. Das sind rund 1000 mehr als im Vorjahr.
Macht dieser Bauboom die Wohnungssuche einfacher? «Nein», sagt Urs Rey vom Statistischen Amt. Trotz der starken Bautätigkeit übersteige die Nachfrage das Angebot noch immer bei weitem. Dafür gibt es laut Rey zwei Gründe: Einerseits hat die Zuwanderung im Kanton Zürich neue Rekordwerte erreicht. Um 26'000 Personen ist die Bevölkerung im letzten Jahr angewachsen. Andererseits wollen immer mehr Menschen ihr Domizil wechseln, weil sie sich grössere Wohnungen wünschen. Rey: «Beide Faktoren führen dazu, dass der Rückstau auf dem Wohnungsmarkt anhält.» So gehe der Leerwohnungsbestand derzeit trotz der regen Bautätigkeit zurück. «Die vielen neuen Wohnungen finden ihre Abnehmer, und es werden gleichzeitig Liegenschaften bezogen, die länger leer standen.»
Die Baubranche kommt nicht nach
Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Wegen der Finanzkrise sind die Investoren verunsichert. Es wird darum wieder weniger gebaut. Rey erwartet, dass 2008 rund 7000 neue Wohnungen entstehen – 1000 weniger als im Vorjahr. Doch das Bevölkerungswachstum sei weiterhin hoch. Die Prognose des Statistikers lautet deshalb: «Die Nachfrage steigt, die Baubranche kommt nicht nach.» Mehr leere Wohnungen gibt es erst dann wieder, wenn eine Rezession den Bevölkerungszuwachs stoppt oder die Wohnungspreise stark steigen, sagt der Statistiker.
Bis dahin bleibt es vor allem in der Stadt Zürich sehr schwierig, eine freie Wohnung zu finden. Rey rät: «Wer in Zürich nicht fündig wird, sollte es lieber in Schlieren, Winterthur oder im Glattal versuchen.» Diese Orte seien daran, durch verdichtetes Bauen mehr Wohnraum im Zentrum zu schaffen. Seit 2003 wurde aber vor allem im Unterland, rund um den Flugplatz Dübendorf und im Knonauer Amt entlang der A 4 am meisten gebaut.
(Tages-Anzeiger)