Elmar Ledergerber, Zürich ist in Sachen Lebensqualität nicht mehr die beste Stadt der Welt, Wien hat Zürich auf Platz 2 verdrängt, ein herber Rückschlag. Was machen die Wiener besser?
Es ist immer bedauerlich, wenn man den ersten Platz verliert. Ein achtes Jahr an der Spitze wäre schön gewesen. Aber objektiv betrachtet ist auch der zweite Platz ein herausragendes Ergebnis und spricht für die ausgezeichnete Lebensqualität in der Stadt. Was die Wiener besser machen, gilt es noch zu analysieren. In der Spitzengruppe liegen die Städte ja sehr eng beieinander. Da können Details den Ausschlag geben. Auf jeden Fall gratulieren wir der Stadt Wien zum ersten Platz.
Bei den Gründen für die Ranking-Verschlechterung wurde unter anderem die Finanzkrise angegeben. Die hat Österreich aber auch. Wie erklären Sie sich das?
Es ist richtig, auch Wien und Österreich wurden von der Finanzkrise schwer getroffen. Aber wurde die Finanzkrise wirklich als Grund genannt? In der Mitteilung ist von «improvements in Austria's political and social environment» die Rede. Was damit genau gemeint ist, wird sich zeigen. Die Studie wird ja erst am Dienstag offiziell publiziert.
Waren Sie schon selber schon in Wien, wie sieht Ihr persönlicher Vergleich zwischen den beiden Städten aus?
Zürich pflegt enge Kontakte zur Stadt Wien. Anlässlich der Euro 2008 haben wir zum Beispiel eng mit Wien zusammengearbeitet. Bürgermeister Michael Häupl ist immer wieder in Zürich zu Gast. Wien ist zweifellos eine attraktive Stadt. Man spürt die Tradition und die monarchistische Vergangenheit, gerade in der Architektur. Wien und Zürich haben auch Gemeinsamkeiten: In beiden Städten wird zum Beispiel dem gemeinnützigen Wohnungsbau hohe Bedeutung zugemessen.
Sieben Jahre lang war Zürich auf Platz 1 – das deckt sich genau mit Ihrer Amtszeit als Zürcher Stadtpräsident. Ist das purer Zufall oder ist Zürich ohne Ledergerber einfach nicht mehr top?
Da besteht meiner Meinung nach kein kausaler Zusammenhang. Zu Zürichs Lebensqualität tragen eine ganze Reihe von Faktoren bei. Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung und dem Engagement unzähliger Zürcherinnen und Zürcher in den verschiedensten Bereichen hat aber sicher auch die kluge Politik des Stadtrats zu Zürichs Erfolg beigetragen.
Diese Woche geben Sie das Amt des Stadtpräsidenten ab. Zürich muss aber auch künftig nicht ganz auf Sie verzichten, Sie wurden zum Präsidenten von Zürich Tourismus gewählt. Wie möchten Sie in dieser neuen Funktion Zürich wieder an die Spitze bringen?
Die Stadt Zürich ist die grösste Tourismus-Destination der Schweiz. Im Tourismus liegt noch unausgeschöpftes Potenzial für die Stadt. Die Aufgabe von Zürich Tourismus ist es, die Lebensqualität und die Attraktivität von Zürich - von der einmaligen Lage am See bis zum herausragenden kulturellen Angebot - bekannt zu machen. Dafür werde ich mich in Zukunft engagieren.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )