Aus dem Zellenfenster: Die Häftlinge sollen den Demonstranten zugerufen haben, dass sie sich seit Mittwoch im Hungerstreik befinden. (Bild: Verein Refugees Welcome) Bild: WireImage
Der 29-Jährige war offenbar vor seinem Tod - anders als die Behörden in einer Mitteilung schrieben - nicht erst seit ein paar Tagen im Hungerstreik gewesen: «Wir wissen, dass das Opfer mehrere Wochen im Hungerstreik war, nicht wie von offizieller Seite behauptet, erst ein paar Tage. Wir wissen, dass er gefesselt wurde und sich gewehrt hat, das Flugzeug zu besteigen. Wir gehen davon aus, dass das Opfer in der Folge der Zwangsmassnahme erstickt ist», ist auf der Homepage des Vereins Refugees Welcome zu lesen.
Rainer Angst, Sprecher der untersuchenden Staatsanwaltschaft Winterthur-Unterland kann diese Angaben nicht bestätigen: «Wir wissen, dass er sicher einige Tage die Nahrungsaufnahme verweigerte. Die Dauer des Hungerstreiks und die genaue Todesursache werden untersucht.» Der Nigerianer verstarb am 17. März am Flughafen Zürich während der Ausschaffung durch die Polizei. Er hatte sich der Rückführung widersetzt und war gewaltsam gefesselt worden.
Fünf bis zehn essen nichts
Um den Häftlingen ihre Solidarität zu bekunden, versammelten sich rund 150 Menschen gestern Sonntagnachmittag zu einem spontanen Protestmarsch, der vor dem Flughafengefängnis endete. Dabei riefen gemäss einer Medienmitteilung der Menschenrechtsorganisation Augenauf verschiedene Häftlinge aus den Zellenfenstern, viele von ihnen befänden sich seit vergangenen Mittwoch im Hungerstreik – aus Protest gegen Zwangsausschaffungen.
Auch der Verein Refugees Welcome hat von der Solidaritätsaktion erfahren, sagt Sprecher Michael Stegmaier: «Wir haben die Information erhalten, ein grosser Teil der Ausschaffungshäftlinge des Flughafengefängnisses sei im Hungerstreik.»
Beim Amt für Justizvollzug beobachte man die Situation genau: «Fünf bis 10 Ausschaffungshäftlinge schicken die angebotenen Mahlzeiten zurück», sagt Rebecca de Silva, Mediensprecherin des Amts für Justizvollzug Kanton Zürich auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch. Von einem flächendeckenden Hungerstreik könne jedoch nicht die Rede sein.
( Tagesanzeiger.ch/Newsnet )