Teurer China-Chic

Von Michael Lütscher . Aktualisiert am 14.02.2012
«Chinesische Gerichte auf höchstem Niveau» verspricht das neue Toplokal des dreiteiligen Restaurants Ly’s Asia neben dem Prime Tower. Top sind vor allem die Preise.
Wirt Leap Choeun Ly in der ehemaligen Industriehalle – hinten oben das Prime Dine.

Das hat Klasse: Hausherr Leap Choeun Ly persönlich nimmt einem den Mantel ab und geleitet einen in sein Prime Dine, das in der Empore seines Lokals Ly’s Asia in der ehemaligen Maag-Industriehalle situiert ist. Da sitzt man dann in bequemen Sesseln und blickt durch eine Glasscheibe in die Halle hinab, wo der Plebs, in diesem Falle Frauen und Männer in Geschäftskleidung, speist wie in einer Kantine.

Der Weinkühler voller teurer Flaschen berühmter Weingüter wie Château Margaux, Château Mouton-Rothschild oder Domaine Romanée Conti beim Eingangsbereich des Prime Dine markiert den Status-Unterschied. Buddha-Statuen sorgen für fernöstlichen Touch, dunkles Parkett und bordeauxrote Lamellen, die den Raum unterteilen, für ein gewisses Etwas. Abends hier zu speisen, kostet viel. Mittags ists etwas günstiger: 45 Franken kostet das zweigängige Menü, das man aus drei Haupt- und fünf Vorspeisen auswählt.

Krabbenfleisch, Jakobsmuschel und Scampi in der Meeresfrüchtesuppe sind perfekt gegart. Die Suppe aber, honigfarben und dickflüssig, nach indifferenter Bouillon riechend, irritiert. Doch, die müsse so sein, beteuert später am Telefon der Hausherr, die Schweinsbouillon werde selbst zubereitet und mit Kartoffelstärke gebunden. Die Wantan, gefüllt mit Pak-Choi, Glasnudeln, Pilzen, Ei und Zwiebeln sind fade, nur der schwarze Essig dazu verleiht ihnen eine gewisse Rasse. Spektakulär ist der extra bestellte Scampisalat (30 Fr.): zwei im Tempurateig ausgebackene und aufgespiesste Scampi auf einer Art Curry-Mayonnaise, in der ein paar Mango-Stücke liegen. Kinder lieben solche Sachen – und zum Glück meldet sich gelegentlich das Kind im Erwachsenen. Süsses findet sich auch in den Hauptgerichten: in der mit Sternanis gewürzten Sauce zum zarten Rindsfilet. Und in Form von Mangoscheiben zwischen den Tranchen einer gebratenen Entenbrust.

Das Mahl bei unserem anonymen Testbesuch gefällt besser als das VIP-Dinner bei der Eröffnung ein paar Tage zuvor. Aber so raffiniert wie die A-la-Carte-Preise auf Sterne-Niveau vorgeben, ist es nicht. Am meisten überzeugt uns noch der Wein, ein Gagliole Bianco aus der Toskana (12 Fr. / dl). Wirt Ly sagt aber: «Wir sind mit der Leistung unserer Küche zufrieden.»

(Zueritipp)

Erstellt: 14.02.2012, 09:49 Uhr

tr_fbConnectError

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...


Weitere Artikel Züritipp