Diese Neuen haben es in sich
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 26.10.2011 43 Kommentare
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Nachtrag
In der ersten Publikation dieses Beitrags ist Cedric Wermuth vergessen gegangen. Natürlich gehört der frühere Juso-Präsident und neugewählte Aargauer Nationalrat zu den Politikern, denen in Bern künftig einiges zugetraut wird.
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Karin Keller-Sutter überragt sie alle, die Politikerinnen und Politiker, die in der Dezembersession erstmals unter der Bundeshauskuppel debattieren. Von der St. Galler Justizdirektorin darf man einiges erwarten. Sie hat sich schon als kantonale Justizdirektorin profiliert. «Dieser steile Aufstieg wird nicht enden», sagt Norbert Neininger, Chefredaktor der «Schaffhauser Nachrichten» über Keller-Sutter. Nicht ganz so neu ist Christoph Blocher. Über ihn braucht es nicht viele Worte, seine Ambitionen sind klar. Im Gegensatz zur St. Gallerin neigt sich seine Karriere aber dem Ende zu.
Fragt sich nun, wer neben den beiden Vollblutpolitikern künftig ebenfalls von sich reden macht. Wir haben bei Chefredaktoren und Kennern der jeweiligen Regionen nachgefragt.
Graubünden: Gleich vier neue Mitglieder – von insgesamt fünf – zählt die Nationalratsdelegation aus dem Ferienkanton. Einiges erwartet David Sieber, Chefredaktor der «Südostschweiz», von Josias Gasser. «Er hat das Zeug zum Wortführer im eidgenössischen Parlament. Zumindest bei seinem Thema Cleantech.» Der Unternehmer – er verkauft u. a. Baustoffe für energietechnische Häuserrenovationen – verfolgt seine Ziele mit Nachdruck. Oder wie Sieber es sagt: «Er hat missionarische Züge.» Der Journalist glaubt aber auch, dass es Gasser in der Grünliberalen Fraktion nicht leicht haben wird: «Er ist eine ‹unguided missile›. Einer, der sich nur schwer führen lässt.» Im Bündnerland fällt er mitunter als Twike-Fahrer auf.
Ostschweiz: Die Kantone St. Gallen, Thurgau und die beiden Appenzell schicken zusammen sieben neue Abgesandte nach Bern. Neben Keller-Sutter ragt auch der ehemalige Regierungsrat und frühere Bundesratskandidat Roland Eberle (SVP, TG) heraus. Zwar hat er eine erneute Bundesratskandidatur abgesagt. Trotzdem darf man von ihm einiges erwarten. «Er ist ein Vertreter einer föderalistischen Schweiz», sagt Neininger. Eberle also als Garant dafür, dass nicht alles in Bern zentralisiert wird. Der Leistungsausweis des Thurgauers ist imposant, sein Themenspektrum breit. Er war Finanzdirektor und Vorsteher des Justizdepartements, später Geschäftsführer des börsenkotierten Industrieunternehmens Sia Abrasives. Interessant zu verfolgen wird auch der Werdegang von Andrea Caroni. Der neue Hoffnungsträger der FDP ist jung und hat das, was vielen Freisinnigen abhanden gekommen ist: den Kontakt zum Volk. Er habe politisches Flair und ein Gespür für Themen, wird ihm nachgesagt. Als langjähriger Mitarbeiter von Bundesrat Hans-Rudolf Merz verfügt er bereits über ein Kontaktnetz in Bundesbern.
Zürich: Neben Blocher ragen Balthasar Glättli (Grüne) und Jacqueline Badran (SP) heraus. Der Grüne ist ein Vollblutpolitiker, hat sich im Ständeratswahlkampf gegen die Bisherigen und Alt-Bundesrat Blocher behauptet. Auch in Bern wird Glättli nicht aufs Maul sitzen. Badran hat den Sprung nach Bern im zweiten Anlauf geschafft. Auch sie fiel in der Zürcher Politszene auf. Sie gilt als Kämpferin, eckt an und ist sich für keine Auseinandersetzung zu schade. Aufgefallen ist sie auch mit ihrer Kritik an der Personenfreizügigkeit. Innerhalb der SP ein schwieriges Thema. Badran ist Ökonomin, und gilt als ausgewiesene Boden- und Immobilienpolitikerin.
Zentralschweiz: Neue Kräfte gibt es einige. Von sich reden machen werden nur wenige. Am ehesten noch Peter Keller (SVP, NW), der «Weltwoche»-Journalist. Als Kantonsrat habe er allerdings noch keine grossen Stricke zerrissen, heisst es in der Zentralschweiz.
Basel: Die beiden Halbkantone schicken zusammen drei neue Abgeordnete nach Bern. Urs Buess, Chefredaktor der morgen erstmals erscheinenden «Tageswoche» sind zwei aufgefallen, Thomas de Courten (SVP, BL) und Markus Lehmann (CVP). «De Courten ist guter Debattierer, der pointiert auftritt», so der Journalist. Der SVP-Politiker hatte vor viereinhalb Jahren für den Regierungsrat kandidiert, war aber im letzten Moment von einem Parteikollegen der alten Garde abgefangen worden. De Courten ist stark in Wirtschaftsfragen und vertritt die KMU. Zu Lehmann sagt Buess: «Ein jugendlich wirkender Politiker, der sich auch in Bern nicht zurückhalten wird.» Lehmann hat sich als Kritiker der populären Regierungsrätin Eva Herzog (SP) hervorgetan. Zudem: «Lehmann ist stark verankert in Basels gesellschaftlichem Leben», so Buess.
Bern und Solothurn: Zwei Namen hat der «Bernerzeitung»-Chefredaktor Michael Hug auf dem Radar, Exekutivpolitikerin Regula Rytz (Grüne) und Alt-Regierungsrat Urs Gasche (BDP). «Regula Rytz hat sicher das Potenzial, in der eidgenössischen Politik eine wichtige Rolle zu spielen. Die Berner Gemeinderätin ist Dossier-fest, kann Allianzen schmieden und hat sich in der Verkehrspolitik einen Namen gemacht.» Bei Urs Gasche ergibt sich der Anspruch von allein. Als amtierender Verwaltungsratspräsident der Berner Kraftwerke, der Betreiberin des AKW Mühleberg, wird er beim Atomausstieg respektive beim Energieumstieg ein gewichtiges Wort mitreden wollen. Als früherer Finanzdirektor weiss Gasche auch, was das Riesenprojekt der nächsten Legislatur aus finanzpolitischer Sicht bedeutet.
Westschweiz und Wallis: Ebenfalls zwei Persönlichkeiten stechen in der Westschweiz heraus. Zumindest, wenn man Peter Rothenbühler fragt. Der publizistische Leiter der Edipresse Gruppe nennt Fathi Derder (FDP, VD), einen populären Radiojournalisten. «Er hat all die wichtigen Politiker interviewt und ist so schon bestens vernetzt», sagt Rothenbühler. Fathi war Leiter des Westschweizer Pendants zum «Echo der Zeit». Der Jungpolitiker stehe für eine Erneuerung der FDP, sagt Rothenbühler: «Er ist wirtschaftsfreundlich, aber mit einer sozialen Linie.» Daneben erwähnt Rothenbühler auch Isabelle Chevalley (GLP, VD). «Sie führte einen äusserst starken Wahlkampf und könnte noch von sich reden machen», sagt der Journalist. Auch sie stehe für eine neue Welle von Jungpolitikern.
Tessin: Laut Umfrage sticht bis anhin keines der neugewählten Parlamentsmitglieder heraus. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.10.2011, 16:29 Uhr
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