«Rot-Grün diskriminiert autofahrende Minderheit»
Interview: Lucienne-Camille Vaudan. Aktualisiert am 08.02.2012 117 Kommentare
SVP-Vertreter in der Spezialkommission für Stadtentwicklung des Gemeinderates: Daniel Regli.
Vertreterin der Grünen in der Spezialkommission für Stadtentwicklung des Gemeinderates: Gabriele Kisker.
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Die Baugenossenschaft «Mehr als Wohnen» plant in Zürich-Nord Wohnungen für Mieter ohne Autos. Ist es diskriminierend, wenn eine Genossenschaft ihre Wohnungen nur an Mieter vergibt, die kein Auto besitzen?
Daniel Regli: Grundsätzlich soll die Marktnachfrage entscheiden, wie gebaut wird. Wenn die Baugenossenschaft glaubt, es bestehe kein Bedarf an Autoparkplätzen, mag sie dementsprechend bauen. Wenn eine Genossenschaft jedoch von Steuergeldern mitfinanziert wird, dann diskriminiert eine rot-grüne Mehrheit tatsächlich eine autofahrende Minderheit. Zudem glaube ich nicht, dass die Kontrolle der Genossenschaften funktionieren wird. Irgendwann schaffen sich Bewohner dennoch ein Auto an und stellen es auf öffentlichen Parkplätzen ab.
Gabriele Kisker: Diese Bestimmung schliesst zwar einen gewissen Mieterkreis aus, aber man muss ja nicht dort einziehen. In Anbetracht der herrschenden Wohnungsnot könnten solche Bestimmungen allerdings durchaus indirekt lenkend wirken, nämlich die Umsetzung der 2000-Watt-Gesellschaft fördern.
Müsste man in der Parkplatzverordnung auch gänzlich autofreies Wohnen erlauben?
Regli: Falls dies gewünscht ist, sollen solche Projekte eingereicht werden dürfen. Aber die Baubewilligungsbehörde muss immer von Fall zu Fall über notwendige Pflichtparkplätze entscheiden.
Kisker: Es wäre schön, wenn das möglich wäre. Rechtlich ist dies aber schwierig. Dabei wäre parkplatzfreies Bauen kostengünstiger und platzsparend. Solche Projekte müssen allerdings von gut durchdachten Konzepten begleitet sein: Beispielsweise würde ein Mobility-Standplatz in der Nähe einer autofreien Überbauung Sinn machen.
Zürich will eine 2000-Watt-Gesellschaft werden. Sollten autofreie Wohnprojekte subventioniert werden, weil sie auf dieses Ziel hinarbeiten?
Regli: Ich glaube grundsätzlich nicht, dass Zürich jemals eine 2000-Watt-Gesellschaft werden wird. Darum unterstütze ich es nicht, dass grosse Bauvorhaben darauf ausgerichtet und dadurch verteuert werden.
Kisker: Das wäre natürlich sehr unterstützend. Es gibt aber auch viele indirekte Arten, umweltfreundliches Wohnen zu fördern, von denen alle profitieren: Wenn beispielsweise das Netz des öffentlichen Verkehrs verdichtet wird und solche Bauprojekte in unmittelbarer Nähe zu Tram- und Bushaltestellen gebaut werden.
Die SP und die Grünen wollen parkplatzfreies Wohnen, die Bürgerlichen haben Einwände und wehren sich ihrerseits gegen Zwangsveloplätze in der neuen Parkplatzverordnung. Wo ist da der Unterschied?
Regli: Es werden übermässig viele Veloparkplätze gebaut, das erzeugt Kosten zu Ungunsten der Bauherren. Versiegt der Velohype – und davon gehe ich aus –, stehen die Parkplätze leer und können nicht umfunktioniert werden. Das ist für Immobilienbesitzer ein finanzieller und räumlicher Verlust.
Kisker: Es gibt offenbar einen gesteigerten Bedarf an Fahrradparkplätzen. Dieser Platz muss geschaffen werden. Velos brauchen zudem viel weniger Platz und sind weniger kostenintensiv.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.02.2012, 13:14 Uhr
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117 Kommentare
Wie kommt Herr Regli dazu zu behaupten, irgendwann würden sich Mieter in autoarmen oder -freien Siedlungen dann doch ein Auto anschaffen? Er projiziert seinen Way of life und seine Ideologie einfach auf andere Menschen und schlägt das Faktum in den Wind, dass es Menschen gibt, die wirklich ohne Auto leben wollen und können. Antworten
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