Beznau I bleibt weiter vom Netz – bis mindestens Frühling 2017

Die Axpo kann den Meiler nicht – wie von ihr erhofft – Ende Jahr wieder in Betrieb nehmen. Die Sicherheitsprüfung der Atomaufsicht des Bundes dauert länger als angenommen.

Beznau I steht seit März 2015 still.

Beznau I steht seit März 2015 still. Bild: Keystone

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Beznau I produziert auch 2017 bis auf weiteres keinen Strom. Die Betreiberin Axpo hat ursprünglich damit gerechnet, dass das dienstälteste Atomkraftwerk der Welt Ende Jahr wieder ans Netz gehen kann. Doch daraus wird nichts, wie die Atomaufsicht des Bundes (Ensi) auf Anfrage bestätigt. «Wir gehen davon aus, dass wir die Prüfung im Frühling 2017 abschliessen können», sagt ein Sprecher. Das Ensi werde den Entscheid öffentlich kommunizieren.

Beznau I steht seit März 2015 still. Die Axpo musste die Wiederaufnahme des Betriebs mehrmals verschieben. Grund sind 925 Materialfehler, die im Sommer 2015 im Stahl des Reaktordruckbehälters, dem Herzstück der Anlage, entdeckt wurden. Es handelt sich um fehlerhafte Materialstellen mit einer Grösse von wenigen Millimetern. Am 14. November dieses Jahres hat die Axpo dem Ensi den Sicherheitsnachweis für Beznau I eingereicht, den sogenannten Safety Case. Darin weist der Stromkonzern eigenen Angaben gemäss nach, dass die Sicherheit der Anlage gewährleistet ist. Aus Sicht der Axpo «gibt es keine sicherheitstechnischen Vorbehalte für den sicheren Weiterbetrieb der Anlage bis 2030», teilte der Stromkonzern damals mit.

Axpo rechnet weiter mit Wiederanfahren

Doch die Prüfung und Validierung des Safety Case beansprucht mehr Zeit als bisher angenommen, wie die Axpo aufgrund erster Rückmeldungen des Ensi erklärt. Als neuen Planungs- und Zieltermin nennt der Stromkonzern den 31. März 2017. Dannzumal wird Beznau 1 zwei Jahre keinen Strom produziert haben. Seit Beginn der Untersuchungen am Reaktordruckbehälter sind dem Stromkonzern, der den Nordostschweizer Kantonen gehört, Kosten von rund 200 Millionen Franken entstanden. Wie viel nun dazukommt, hängt von der Dauer der neuen Verschiebung ab. Die Kosten werden laut Axpo aber «weiterhin in der genannten Grössenordnung liegen». Die Axpo geht weiterhin davon aus, dass Beznau I den Betrieb wieder aufnehmen kann.

Die Umweltorganisation Greenpeace kommentiert die abermalige Verzögerung vorsichtig. Es fehle jede Grundlage für eine seriöse Beurteilung, da die Details zum Safety Case nicht öffentlich bekannt seien, sagt Atomexperte Stefan Füglister. Dieser Zustand sei «unbefriedigend».

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.12.2016, 17:48 Uhr

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