Trauer in der Schweiz und in Belgien

Im belgischen Lommel und in Siders fanden nach dem tragischen Car-Unglück gestern Gedenkmessen statt. In Belgien rief Premier Di Rupo für heute Staatstrauer aus.

  • 21.58 Uhr  

    Zusammenfassung

    Nach dem Busunglück bei Siders VS mit 28 Toten hat Belgien für den Freitag Staatstrauer ausgerufen. Um 11 Uhr soll das Land in einer Schweigeminute der 22 Kinder und sechs Erwachsenen gedenken. Ihre Särge werden am Freitag in die Heimat geflogen.

    Alle Opfer konnten bis heute Abend von Spezialisten aus der Schweiz und Belgien formell identifiziert werden, wie die Walliser Polizei heute Abend vor rund 140 Journalisten an einer Medienkonferenz im Unfalltunnel erklärte.

    Belgien bot drei Flugzeuge auf, die noch heute Abend in Sitten landeten. Sie sollen die ersten Todesopfer des Busunglücks morgen nach Belgien zurückfliegen.

    Acht Kinder konnten Spital verlassen

    Beim Unfall waren auch 24 Kinder verletzt worden. Drei davon befanden sich heute immer noch in einem kritischen Zustand. Sie werden im Lausanner Universitätsspital behandelt.

    Acht verletzte Kinder konnten dagegen heute die Spitäler in Visp und Sitten verlassen. Bevor sie jedoch zurück in ihre Heimat flogen, wollten sie ihre verletzten Kameraden im Spital Sitten besuchen. Gemäss der Mediensprecherin der Walliser Spitäler wurden über 50 Operationen an 16 Kindern durchgeführt.

    Eltern haben Kinder identifiziert

    Einige Angehörige der Unfallopfer besuchten am heute morgen den Unfalltunnel bei Siders. Dort legten sie Blumen und Botschaften nieder. Von einer Autobahnbrücke aus filmten sie TV-Teams dabei. Allerdings wurden sie von Polizisten abgeschirmt.

    Danach traten die Familien ihren schwersten Gang an: Sie wurden in die Kapelle des Zentralfriedhofs in Sitten geführt, in der ihre Kinder aufgebahrt waren. Die Mütter und Väter mussten dort ihre Kinder identifizieren.

    Beim Verlassen des Hotels hatten einige Eltern Blumen und Botschaften in den Händen gehalten. Am Mittwoch waren 116 Angehörige sowie Psychologen und Spezialisten für die Identifizierung der Opfer in die Schweiz geflogen.

    Ebenfalls am Mittwoch hatten Bundespräsidentin Eveline Widmer- Schlumpf und der belgische Premier Elio Di Rupo im Tunnel einen Kranz niedergelegt.

    Gedenken in Belgien und Siders

    Im belgische Lommel nahmen heute Abend 2500 Menschen bei einer Gedenkmesse teil. 15 getötete Kinder und zwei getötete Begleiter stammten aus der örtlichen Schule. Nach der Messe zündeten Menschen Kerzen vor der Grundschule an, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete.

    Auch in Siders fand heute Abend ein ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Kirche Heiligkreuz statt, an dem auch Vertreter der Walliser Regierung und die Botschafter Belgiens und der Niederlande teilnahmen. Unter den Unfallopfern waren auch Niederländer.

    Während des Gottesdienstes trugen 22 Kinder und sechs Erwachsene 28 Kerzen in die Kirche - eine Kerze für jedes Todesopfer - und entzündeten sie am Fusse des Altars.

    Staatstrauer in Belgien

    In Belgien rief Premier Di Rupo für den Freitag Staatstrauer und eine Schweigeminute aus. Er verlangte von den Medien, die Privatsphäre der Opfer und der Angehörigen zu respektieren.

    Am Freitag werden auch in Bern auf dem Bundeshaus West und in den Walliser Gemeinden die Flaggen auf Halbmast gesetzt. In Belgien trafen auch weitere Beileidstelegramme aus aller Welt ein, unter anderem von Papst Benedikt XVI..

    Die Walliser Regierungsrätin Esther Waeber-Kalbermatten wies Vorwürfe aus Belgien wegen der späten Benachrichtigung zurück. Die Rettung der Verletzten habe Vorrang gehabt. Zudem habe es Probleme mit der Passagierliste gegeben. Es sei nur eine Liste für alle drei Busse vorhanden gewesen.

    DVD-Wechsel dementiert

    Die Unfallursache blieb auch heute ungeklärt. Medienberichte, wonach der Chauffeur eine DVD gewechselt habe, wurden von der belgischen Busvereinigung FBAA und der Unglücksbusbesitzerin Toptours zurückgewiesen. Die höher sitzenden Passagiere hätten keine Sicht auf den Fahrer gehabt. Die Walliser Kantonspolizei wies die Meldungen als Spekulation zurück.

    Die Behörden gehen bislang von drei Thesen aus: technische Panne, menschliches Versagen oder ein akutes Gesundheitsproblem des Fahrers. Die genaue technische Untersuchung des Buswracks beginnt morgen.

    Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) nimmt zudem die Tunnel- Baunormen unter die Lupe, wie ein Sprecher auf Anfrage der sda sagte. In die Kritik geraten sind die rechtwinkligen Mauern der Nothaltebuchten.

    Heimfahrt in den Tod

    Bei dem tragischen Busunfall war ein Reisecar am Dienstagabend um 21.15 Uhr in einem Tunnel der A9 bei Siders in eine Nothaltebucht geprallt.

    Unter den Toten sind 22 Schülerinnen und Schüler zweier Schulen in den belgischen Städten Lommel und Heverlee sowie alle 6 Erwachsenen an Bord. Die 12-jährigen Kinder waren auf der Rückfahrt aus den Skiferien im Wallis.

  • 21.53 Uhr  

    Video



    Trauergottesdienst im belgischen Lommel.

  • 20.30 Uhr  

    Todesopfer sollen morgen zurückgeflogen werden

    Die Todesopfer sollen voraussichtlich morgen in ihre Heimat zurückgeflogen werden. Belgien bot drei Flugzeuge der spanischen Luftwaffe auf, die heute Abend in Sitten landeten, das vermeldete das Schweizer Fernsehen in der Tagesschau.

    Die Maschinen brauchten für die Landung eine Spezialbewilligung, wie die Walliser Kantonspolizei mitteilte.

    Acht Kinder konnten das Spital verlassen

    Acht Kinder konnten bereits heute das Spital verlassen. Es handelt sich dabei um sechs Kinder aus dem Spital Visp und zwei aus Sitten. Bevor sie jedoch heute zurück in ihre Heimat flogen, wollten sie ihre verletzten Kameraden im Spital Sitten besuchen. Das haben sie heute Nachmittag gemacht, sie befinden sich jetzt auf dem Rückflug nach Hause.

    Laut Florence Renggli, Mediensprecherin vom Spital Wallis, wurden über 50 Operationen an 16 Kindern durchgeführt. Insgesamt waren für die Betreuung der Kinder in den Spitälern im Wallis rund 150 Personen aufgeboten worden.

  • 20.20 Uhr  

    Heute Abend waren alle 28 Todesopfer des Busunglücks identifiziert. Dies gab die Walliser Kantonspolizei bekannt.
    (sda)

  • 20.06 Uhr  

    Fahnen auf Halbmast am Freitag

    Das Bundeshaus West und die Walliser Gemeinden setzen die Fahnen morgen Freitag auf Halbmast. Sie zeigen damit die tiefe Anteilnahme der Bundesbehörden und der Schweizer Bevölkerung. Belgien hat den Freitag im Gedenken an die Opfer zum nationalen Trauertag ausgerufen.

    In Belgien wird es morgen um 11 Uhr im ganzen Land eine Schweigeminute geben. In der Schweiz hat der Bund auf seiner Internetseite ein Dossier zum Busunglück im Wallis aufgeschaltet, wie die Bundeskanzlei mitteilte.

    Die Schweizer Bevölkerung kann dort auch ihre Anteilnahme ausdrücken. Sie ist sind eingeladen, im Internet Kondolenzschreiben zu platzieren.
    (sda)

  • 20 Uhr  

    Sechs Opfer aus den Niederlanden

    Das Busunglück im Wallis hat sechs niederländische Todesopfer gefordert. Dies teilte das niederländische Aussenministerium heute Abend mit. Bisher war von sieben Holländern die Rede.

    Vier weitere Kinder aus den Niederlanden wurden verletzt, deren zwei befinden sich in kritischem Zustand.

    (sda)

  • 19.30 Uhr  

    Trauergottesdienst

    In Siders wurde in der Kirche Heiligkreuz ein ökumenischer Trauergottesdienst abgehalten. «Nach einer solchen Katastrophe muss man sich der Präsenz Gottes bewusst sein», sagte Pfarrer Robert Zuber, der den Gottesdienst halten wird, im Interview.

    Am Gottesdienst nahmen auch Vertreter der Walliser Regierung und die Botschafter Belgiens und der Niederlande teil.

    Während des Gottesdienstes trugen 22 Kinder und sechs Erwachsene 28 Kerzen in die Kirche - eine Kerze für jedes Todesopfer. Am Fusse des Altars entzündeten die Träger die Kerzen und reihten diese auf.

    Botschaft der Hoffnung und der Solidarität

    «Meine Gedanken sind bei den Familien der Opfer, bei den überlebenden Kindern und ihren Familien und bei all jenen Menschen, die sich um sie kümmern», sagte der Bischof von Sion, Norbert Brunner. Er wolle den Familien, die sich dem «Unaushaltbaren» stellen müssten, eine Botschaft der Hoffnung und der Solidarität überbringen.

    Der reformierte Pfarrer René Nyffeler sagte, er hoffe, die Familien der Opfer fänden die nötige Kraft, um «den schwierigen Weg zu gehen, das Inakzeptable akzeptieren zu können». Bischof Brunner lud weiter die Gläubigen ein, sich in das Kondolenzbuch von Siders einzutragen. Die Stadt hatte es heute aufgelegt.

    Der Andrang zum Gottesdienst war gross: die Kirche war kaum gross genug, um die Trauernden aufzunehmen. Durch den Gottesdienst führte Brunner, der auch von einem Dutzend Priester begleitet wurde. Der Bischof von Sion bezeichnete den Gottesdienst als «Dienst der Nächstenliebe».

    (lü/sda)

  • 19.05 Uhr  

    DVD-These: Polizeisprecher warnt vor Gerüchten

    Polizeisprecher Renato Kalbermatten sagt in der Sendung Schweiz Aktuell, er könne die DVD-These weder bestätigen, noch dementieren. Er warnte jedoch, dass bei solchen grossen Ereignissen oftmals Gerüchte gestreut würden, die mit der Sache selber nichts zu tun hätten.


    (rub)

  • 18.48 Uhr  

    Polizei befragt Augenzeugen

    Die Informationsveranstaltung im Unglückstunnel bei Siders geht zu Ende. Zur Hypothese der Ablenkung des Fahrers durch einen DVD-Wechsel wurde nichts gesagt. Nur soviel: Es gebe noch keine erhärteten Erkenntnisse. Die Abklärungen liefen auf Hochtouren. Die Polizei befragt auch Augenzeugen, also die Kinder, deren Gesundheitszustand eine Befragung zulässt.

    Insgesamt seien 400 Mitarbeiter in der Schweiz und in Belgien mit dem Busunglück beschäftigt, sagte Polizeikommandant Christian Varone. (lü)

  • 18.47 Uhr  

    Kranz niedergelegt

    Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf und der belgische Premierminister Elio Di Rupo haben gestern im Anschluss an die Medienkonferenz im Unglückstunnel einen Kranz niedergelegt, gibt die Kantonspolizei bekannt.

  • 18.45 Uhr  

    Schwerverletzte in kritischem Zustand

    Von den 28 Todesopfern des Busunglücks im Wallis sind 19 formell identifiziert. Acht der Verletzten sind in einem Zustand, der es ihnen erlaubt, nach Hause zurückzukehren. Das sollte schon am Wochenende der Fall sein. Die 20 im Wallis hospitalisierten Kinder hätten vorwiegend Arm- und Beinbrüche.

    Die drei Kinder, die schwerverletzt im Unispital Lausanne liegen, seien in kritischem Zustand. «Leider sieht es sehr schlecht aus», sagte Florence Renggli vom Spital Wallis. Den meisten weniger schwer verletzten «Kindern geht es psychisch sehr schlecht», sagte Renggli.

    In den Walliser Spitälern seien am Dienstag und Mittwoch jeweils den ganzen Tag lang an 16 Patienten 50 Operationen durchgeführt worden.
    (lü)

  • 18.33 Uhr  

    Schon mehrere Unfälle

    Laut dem Walliser Polizeikommandanten Christian Varone ist ist es in dem Tunnelabschnitt schon zu mehreren Unfällen gekommen. (lü)

  • 18.30 Uhr  

    Die Polizei hat die Spuren, die der Bus zurückgelassen hat, mit gelber Farbe markiert. Demnach muss der Car auf der rechten Seite den Randstein touchiert haben. Spuren an der Tunnelwand sind vor der Rettungsbucht nicht erkennbar. An der ersten Ecke der Bucht gibt es eine deutliche Lack-Spur. Hier muss der Wagen die Mauer touchiert haben, bevor er dann in die weiter entfernte Ecke raste.

    Auf der andern Seite der Tunnelwand sind keinerlei Spuren zu sehen. Der Bus scheint immer auf der rechten Tunnelseite gefahren zu sein. (lü)

  • 18.20 Uhr  

    Drei Kinder in Lebensgefahr

    Florence Renggli, Kommunikationsleiterin beim Spital Wallis, informiert über den Gesundheitszustand der verletzten Kinder. Drei schweben noch in Lebensgefahr und sind im Unispital Lausanne. Das schwerverletzte Kind, das im Inselspital in Bern liegt, konnte stabilisiert werden. (lü)

  • 18.15 Uhr  

    Blumen und Kerzen am Unglücksort

    Die Gruppe von rund 50 Medienvertretern befindet sich beim Unglücksort: Der Rettungsbucht, wo der Bus in die Betonwand gefahren ist. In der Einbuchtung stehen viele Blumen und Kerzen. Jemand hat ein Herz ist mit weisser Kreide auf die grüne Wand gemalt.

  • 18.05 Uhr  

    Die Medienkonferenz beginnt

    Die Journalistengruppe ist jetzt im Tunnel und nähert sich der Unglücksstelle. (lü)

  • 17.40 Uhr  

    Ein Journalist aus China zeigt sich gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet erstaunt, dass ein solcher Unfall in der Schweiz möglich sei. Das Interesse an dem Unglück sei gross in seinem Land.

    Ein Medienvertreter aus Spanien sagte hingegen, bei ihnen werde nicht so prominent über den Unfall berichtet. Sie hätten zur Zeit selber so viele Probleme im Land. (lü)

    Bild: Medienvertreter warten bei ihren Autos auf die Fahrt in den Unglückstunnel. (Jan Derrer / Newsnet)

  • 17.37 Uhr  

    Busunternehmen weist DVD-Hypothese zurück

    Die Firma Toptours, Besitzerin des verunglückten Reisecars, und die belgische Autobusvereinigung FBAA nahmen in einer Medienkonferenz zum Gerücht Stellung, der Unfall könnte aufgrund einer Unachtsamkeit geschehen sein. Mehrere Kinder hätten gesagt, der Fahrer habe eine CD oder DVD wechseln wollen.

    Es sei aber unmöglich, dass die Kinder hätten sehen können, wie der Fahrer eine DVD auswechseln wollte. Der Bus sei so konzipiert, dass die Kinder keine Einsicht in die Fahrerkabine gehabt hätten. (sda)

  • 17.35 Uhr  

    Die Walliser Polizei führt im Unglückstunnel bei Siders eine Medienkonferenz durch. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet live.

    Kurz nach 17.30 warteten rund 50 Journalisten aus aller Welt auf der gesperrten Autobahn A9 darauf, in den Tunnel fahren zu dürfen. Dort sollen sie während rund 15 Minuten einen Augenschein nehmen und Fragen stellen. (lü)

  • 17.17 Uhr  

    Fahrer hatte nicht getrunken

    Im Körper des Fahrers des belgischen Unfallbusses sind keine Alkoholspuren festgestellt worden. Das sei ihnen von der «Schweizer Polizei» mitgeteilt worden, sagten Vertreter des Busunternehmens Toptours heute bei einer Pressekonferenz in Belgien.

    Tom Coremans, Präsident der Busgesellschaft, schliesst auch Müdigkeit der Fahrer aus. Beide Chauffeure hätten die Nacht auf Dienstag im Wallis verbracht und sich während des Tages ausgeruht. Das Unglück ereignete sich am Dienstagabend, als der Bus mit 52 Insassen in einem Tunnel bei Siders verunfallte. 28 Menschen starben, 24 wurden verletzt.

    Erfahrene Chauffeure

    Die beiden Fahrer, welche ebenfalls ums Leben kamen, seien erfahrene Chauffeure gewesen. Der eine arbeitete seit sieben Jahren für die Gesellschaft und war zuvor bereits für eine andere Busfirma tätig gewesen. Der zweite Fahrer arbeitete seit zwei Jahren für Toptours und war zuvor für öffentliche Verkehrsbetriebe gefahren.

    «Es handelt sich also nicht um pensionierte Chauffeure, wie es teils kolportiert wurde», erklärte Yves Mannaerts, Direktor der belgischen Autobus Vereinigung (FBAA). (sda)

  • 16.07 Uhr  

    Medien zu mehr Respekt aufgefordert

    Der belgische Premier Di Rupo und der flämische Ministerpräsident riefen die Medien «eindringlich» dazu auf, den nötigen Respekt vor der Privatsphäre der Familien, Angehörigen und Opfer des Busunfalls zu wahren. Beim Treffen mit den Angehörigen in der Schweiz hätten diese «explizit gefordert», dass die Medien – auch im Hinblick auf die Repatriierung – ihr Privatleben achteten.

    Die Polizei in Löwen erhielt heute zahlreiche Klagen wegen des Verhaltens der Medienschaffenden vor der Schule Sint- Lambertus in Heverlee. «Die Journalisten belästigen die Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen», sagte Polizeisprecher Marc Vranckx. Sie würden auf Schulmauern klettern und die Kinder fotografieren. Vranckx erklärte, falls sich die Situation nicht verbessere, müssten zusätzliche Massnahmen getroffen werden, um die Medien auf Distanz zu halten. (sda)

    Bild: Dirk De Gendt, ein Pastor Sint-Lambertus in Heverlee spricht zu Journalisten. (15. März 2012)

  • 15.45 Uhr  

    Medienkonferenz im Unglückstunnel

    Die Walliser Polizei führt im Unglückstunnel bei Siders ab 17.30 Uhr eine Medienkonferenz zum Gesundheitszustand der verletzten Kinder und zu weiteren Massnahmen durch. (sda)

  • 15 Uhr  

    Noch keine Rückführung der Toten

    Entgegen den Aussagen des belgischen Premierministers Elio Di Rupo können die ersten Todesopfer des Busunfalls im Wallis nicht heute Abend heimgeflogen werden. Damit werden die Toten voraussichtlich morgen, dem nationalen Trauertag, repatriiert.

    Herkules kann nachts nicht starten

    Ein Sprecher des Premiers erklärte nach der Medienkonferenz in Brüssel, zwar werde sehr wohl eine Herkules Transportmaschine um 17 Uhr vom Militärflugplatz Melsbroek nach Sitten fliegen. Das Flugzeug könne dann aber nicht am Donnerstagabend den Heimflug antreten, weil es nach Einbruch der Nacht in Sitten nicht mehr starten dürfe.

    Einige der 24 verletzten Kinder werden aber schon am Donnerstag nach Belgien heimkehren. Einige von ihnen mit Privatautos, andere mit einem Linienflug, wie die Gesundheitsministerin Laurette Onkelinx am Donnerstag erklärte. Auch der Airbus, der die 116 Angehörigen am Mittwoch in die Schweiz brachte, steht in Genf bereit für den Rückflug. (sda)

    Bild: Eine Hercules C-130 der belgischen Luftwaffe am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul.

  • 14.40 Uhr  

    Fataler DVD-Wechsel?

    Mehrere überlebende Kinder hätten ihren Angehörigen und dem Spitalpersonal gesagt, der Buschauffeur habe gerade eine «Kassette» wechseln wollen. Ein Begleiter habe dem Fahrer eine CD oder DVD gebracht – kurz darauf sei es zum Unfall gekommen. Das wollen die «Aargauer Zeitung» und die belgische Zeitung «Het Laatste Nieuws» gemeinsam bei zuverlässigen Quellen aus dem Oberwallis erfahren haben.

    Demnach könnte der Bus den Randstein berührt haben, als der Fahrer mit dem Einlegen der «Kassette» (das flämische Wort kann CD oder DVD bedeuten) abgelenkt war.

    «Spekulation»

    Gegenüber der «Aargauer Zeitung» sagte der Walliser Polizeisprecher Renato Kalbermatten, davon höre er zum ersten Mal. Das sei «zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation». Kalbermatten zweifelte auch, ob ein Handgriff des Fahrers zum CD-Fach auf den Überwachungsvideos sichtbar wäre. (rub)

  • 13.55 Uhr  

    Morgen ist nationaler Trauertag

    Belgien begeht morgen Freitag einen nationalen Trauertag. Um elf Uhr solle im ganzen Land eine Schweigeminute abgehalten werden, kündigte die Regierung von Ministerpräsident Elio Di Rupo in Brüssel an. Dies gelte besonders für alle Schulen und anderen öffentlichen Institutionen. Zudem werden die Flaggen bis Samstag auf Halbmast gesetzt, wie Innenministerin Joëlle Milquet im belgischen Fernsehen sagte. Die ersten sterblichen Überreste sollten noch heute Abend aus der Schweiz nach Belgien geflogen werden. (AFP)

    Bild: Angehörige trauern vor der betroffenen Schule in Lommel. (AFP)

  • 12.42 Uhr  

    «Kinder sind in der Kapelle»

    Tagesanzeiger.ch/Newsnet sprach mit dem Walliser Polizeisprecher Renato Kalbermatten.

    Gestern Abend konnte die Familie eines verunglückten Kindes noch nicht kontaktiert werden. Ist das nun gelungen?
    Ja, alle Familien der verunglückten Kinder sind informiert.

    Die Angehörigen, die ins Wallis gereist sind, müssen heute zum Teil ihre Kinder identifizieren und Abschied nehmen. Wie läuft das ab?
    Seit heute um 8 Uhr reisen die Angehörigen in kleinen Gruppen nach Sitten in die Leichenhalle, wo sie die Kinder in der Aufbahrungskapelle identifizieren und von Ihnen Abschied nehmen. Dann fahren wir sie zum Unglücksort, damit sie auch dort Abschied nehmen können. Sie werden von Psychologen begleitet und auch von Seelsorgern, wenn das gewünscht wird.

    Der Tunnel wurde dafür gesperrt?
    Ja, wir haben den Tunnel, der seit gestern Morgen offen war, heute Morgen für die Angehörigen wieder gesperrt.

    Wie lange dauert der Besuch der Eltern im Tunnel?
    So lange, wie sie dafür benötigen. (rub)

  • 12.31 Uhr  

    Mehrere Knochenbrüche

    Keines der 24 Kinder konnte bis jetzt das Spital verlassen. Dies bestätigte Florence Renggli, Kommunikationsleiterin beim Spital Wallis. Alle 20 Kinder, die in einem Walliser Spital betreut werden, seien ausser Lebensgefahr, sagte Renggli. Viele hätten jedoch mehrere Knochenbrüche erlitten, deren Heilung Zeit brauche. «Wir gehen aber davon aus, dass einige Kinder bereits heute oder morgen das Spital verlassen können.» Dem ins Berner Inselspital eingelieferten Kind gehe es «den Umständen entsprechend gut», sagte dessen Mediensprecherin Monika Kugemann. Hingegen ist der Zustand der drei Kinder, die sich im Universitätsspital Lausanne (CHUV) befinden, kritisch, teilt das CHUV auf Anfrage mit. (sda)

  • Video  

    In Lommel geht das Leben weiter


    In Lommel und Heverlee ist der Schulbetrieb wieder aufgenommen worden. Die tägliche Routine soll den Kindern helfen. (Video: Reuters)

  • 12.03 Uhr  

    Familien begeben sich an Unfallort

    Einige Familien der im Wallis verunfallten Kinder haben sich am Morgen in den Unfalltunnel bei Siders begeben. Eine Gruppe von Angehörigen ging ihrerseits zur Kapelle, in der die toten Kinder aufgebahrt sind.

    Die Eltern würden die ganze Zeit von der Polizei begleitet, sagte Vincent Favre, Mediensprecher der Walliser Kantonspolizei, zur Nachrichtenagentur SDA. Beim Verlassen des Hotels hielten einige Eltern Rosen mit Botschaften in den Händen. (sda)

  • 11.18 Uhr  

    Drei Kinder in kritischem Zustand

    Der Zustand von drei verletzten Kindern, die nach dem Busunglück im Wallis in das Lausanner Universitätsspital (CHUV) gebracht wurden, ist weiterhin besorgniserregend. Das nach Bern eingelieferte Kind ist hingegen auf dem Weg zur Besserung. Alle Eltern konnten ihre Kinder sehen.

    Zurzeit können zum Gesundheitszustand der Kinder keine Prognosen abgeben werden, hiess es seitens des CHUV auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Bessere Nachrichten kommen hingegen aus Bern: Laut Monika Kugemann, Mediensprecherin beim Inselspital, geht es dem Kind den Umständen entsprechend gut. Es befindet sich ausser Lebensgefahr. (sda)

  • Video  

    Die Strecke des Unfallbusses


    Das Video zeigt die Strecke, welche der belgische Bus gefahren ist. (Video: Marc-Henry Jobin)

  • 11.07 Uhr  

    Rücktransport der Leichen

    Die belgische Regierung befasst sich heute mit der Organisation der Rückführung der Toten. Die Körper könnten nach Angaben des belgischen Premiers möglicherweise schon ab dem Abend zurückgeschafft werden. Die Regierung möchte die 22 toten Kinder und die 6 toten Erwachsenen möglichst in einer Aktion mit zwei Herkules-Transportmaschinen C-130 repatriieren, sagte Verteidigungsminister Pieter De Crem. Für die Rückführung der 24 verletzten Kinder gebe es zwei Möglichkeiten, sagte Gesundheitsministerin Laurette Onkelinx gegenüber dem belgischen Radio RTBF: Entweder könnten mehrere Verletzte in einem Militärkonvoi nach Belgien gebracht werden oder dann «so bald als möglich» durch ein Sanitätsflugzeug der Versicherten.

    Die Regierung will sich noch heute mit diesen Fragen auseinandersetzen. Eine Sitzung unter Leitung von Premier Di Rupo begann bereits am Morgen. Thematisiert wird dabei auch «die am besten geeignete Weise», auf welche der Toten gedacht werden solle, sagte Di Rupo nach seiner Rückkehr aus der Schweiz. (sda)

  • Presseschau  

    «Le Choc»

    Auf den Titelseiten der Zeitungen ist nach dem Busunglück tiefe Trauer zu sehen. Die Tragödie bewegt die ganze Welt.

  • 9.48 Uhr  

    Angehörige beginnen mit Identifizierung

    Die in die Schweiz eingeflogenen Angehörigen haben mit der Identifizierung der 28 Toten begonnen. Die Familien seien in einer Leichenhalle vor Ort eingetroffen, um die Körper zu identifizieren.

    Einige Leichen sollten bereits im Laufe des Tages nach Belgien überführt werden. Die sterblichen Überreste des Busfahrers sollten in der Schweiz untersucht werden, um zu klären, ob gesundheitliche Gründe für den tragischen Unfall verantwortlich waren. Der Autobahntunnel in Siders im Kanton Wallis bleibt weiter für den Verkehr gesperrt, die Ermittlungen an der Unfallstelle dauern an. Gestern Abend fand ein Gedenkgottesdienst für die Toten und Verletzten statt. (AFP)

  • Video  


    Alle Verletzten sind gemäss einem behandelnden Arzt ausser Lebensgefahr. (Reuters)

  • 9.19 Uhr  

    Kontroverse These

    Jean-Pierre Stroobants, der Korrespondent der französischen Tageszeitung «Le Monde», hat einen kontroversen Artikel zum Busunglück geschrieben: Er stellt die These auf, dass die belgische Öffentlichkeit besonders betroffen reagiere, wenn in eine Tragödie Kinder involviert seien.

    Der Grund: Ein derartiges Ereignis wecke Erinnerungen an den Fall des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux, der in den 1990er-Jahren Mädchen entführt hatte, sowie an den Skandal um pädophile Priester im Land. Besonders die Affäre Dutroux habe ein anhaltendes, kollektives Trauma ausgelöst, so Stroobants. (rbi)

  • 8.53 Uhr  

    Auch Obama kondoliert

    US-Präsident Barack Obama äusserte gestern am Abend sein Beileid. Im Originallaut liess er ausrichten: «The president sends his deepest condolences to the victims and their families of last night's bus accident in Switzerland. The loss of so many young lives is especially heartbreaking.Our thoughts and prayers are with the Belgian communities of Lommel and Heverlee and all the people of Belgium at this difficult time. As a close friend of both Belgium and Switzerland, the United States stands ready to provide whatever assistance may be helpful.» (AFP)

  • Hintergrund  

    Interview mit dem Leiter der Rettungsdienste

    Für den Leiter der Rettungsdienste des Walliser Val d'Anniviers, Claude Peter, ist es im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet schwierig, Worte für die «sehr bedrückenden» Szenen, die er gesehen hat, zu finden.

  • 6.15 Uhr – Ausgangslage am Tag danach  

    Alle Kinder identifiziert

    Die 24 bei dem schweren Busunglück im Wallis verletzten Kinder aus Belgien sind alle identifiziert. Das teilte das belgische Gesundheitsministerium gestern Abend in Brüssel mit. Damit konnte die Identität auch der zwei letzten am Abend zunächst noch nicht identifizierten Kinder geklärt werden.

    Sieben verletzte Kinder stammen demnach aus dem nordostbelgischen Lommel, zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr. 17 Verletzte kommen aus Heverlee, von ihnen schweben ebenfalls noch zwei in Lebensgefahr.

    Bus nicht zu schnell unterwegs

    Die Ursache des schweren Busunglücks mit 28 Toten in einem Schweizer Autobahntunnel ist weiterhin ein Rätsel. Der belgische Bus war nach gestrigen Angaben der Staatsanwaltschaft im Kanton Wallis nicht zu schnell unterwegs, als er frontal gegen eine Betonmauer prallte. Das ergab die Auswertung des Fahrtenschreibers.

    Die Strasse sei trocken gewesen, einer ersten Auswertung der Videoüberwachung zufolge war kein anderes Fahrzeug in den Unfall verwickelt. Bei dem Fahrer wurde eine Autopsie vorgenommen, um abzuklären, ob er gesundheitliche Probleme hatte.

    Die Kinder waren angegurtet, die Sitze wurden von der Wucht des Aufpralls aber aus der Verankerung gerissen, teilte Staatsanwalt Olivier Elsig mit.

    Schwerster Unfall seit 30 Jahren

    Der Bus war auf der Rückfahrt aus den Wintersportferien, als er am Dienstagabend im Autobahntunnel der A 9 bei Siders nach rechts abkam, die Fahrbahnbegrenzung überfuhr und frontal gegen die Betonmauer einer Nothaltebucht prallte.

    Bei dem schwersten Verkehrsunfall in der Schweiz seit rund 30 Jahren wurden 28 Menschen getötet, darunter 22 Kinder im Alter um zwölf Jahre. Was gestern geschah, lesen Sie hier.

  • Hintergrund  

    Eine lange Tradition

    Belgier zählen zu den treusten Touristen der Schweiz. Viele verbinden ihre Reise in die Berge mit Erinnerungen an Klassenlager.

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(Erstellt: 15.03.2012, 06:47 Uhr)

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