30 Jahre später und ein bisschen flatterhafter

1981 waren es Diana und Charles, diesen Freitag sind es ihr Sohn William und Kate – Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Autorin Bea Emmenegger wird bei zwei Hochzeiten des Jahres dabei gewesen sein.

Sorgten am 29. Juli 1981 für eine Traumhochzeit: Prinz Charles und Diana.

Sorgten am 29. Juli 1981 für eine Traumhochzeit: Prinz Charles und Diana. Bild: Keystone

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Notizblock und Kugelschreiber, Turnschuhe, um sich im Getümmel schnell bewegen zu können, die Hoffnung, dass es nicht regnen würde – mehr brauchte ich nicht vor knapp 30 Jahren, als Prinz Charles und Lady Diana Spencer in der St. Paul’s Cathedral den vermeintlichen Bund fürs Leben schlossen.

Ich war für den «SonntagsBlick» an der Hochzeit des Jahres, anno 1981, zusammen mit Ebi Müller, dem damaligen Nachrichtenchef, und Hansruedi Oettiker, dem Fotochef. Müller sollte die Hauptgeschichte schreiben, Oettiker die besten Fotos zusammensuchen und ich war abkommandiert, Volkes Stimme aufzunehmen, das heisst, Müller mit Informationen über das Geschehen entlang der Hochzeitsroute und mit Statements der königstreuen Briten zu versorgen. Und andere gabs damals nicht.

Fotochefs verhielten sich wie Spione

Oder mindestens hörte man sie nicht in jenen Wochen vor dem Freitag im Juni, an dem der Kronprinz endlich heiratete und zwar eine Frau, die anfangs scheu und verlegen wirkte, Lady Shy, kaum war sie Lady Di und bevor sie Prinzessin Diana wurde. Die Frau, die das britische Königshaus an den Rand des Abgrunds brachte. Die Welt stand Kopf, auch die Schweiz, die Hochzeit war die grösste Story des Jahres, und Ringier sandte eine halbe Hundertschaft nach London.

Neben dem «SonntagsBlick» waren der «Blick», die «Schweizer Illustrierte» und die «Glückspost» mit Teams in London, und zu jedem gehörte auch der Fotochef. Und obwohl wir mehr oder weniger alle im selben Hotel wohnten, organisiert vom Büro London, das damals auch noch aus mehreren Journalisten bestand, wechselten wir kaum ein Wort.

Wir waren Konkurrenten, und vor allem die Fotochefs verhielten sich wie Spione in einem LeCarré-Thriller: Hatte einer eine Verabredung mit dem Vertreter einer Fotoagentur, verliess er das Hotel und sprach draussen mit ihm, damit der Kollege vom Konkurrenzblatt nicht mitbekam, mit welcher Agentur er verhandelte. Dass die «Glückspost» einen Platz in der Kirche hatte, entlockte uns ein müdes Lächeln – dort innert nützlicher Frist wieder rauszukommen, war unmöglich, zudem sah man am Fernsehen viel mehr.

Am Ende hatten wir alle gute Bilder

Vor dem Fernseher im Hotelzimmer sass denn auch Müller und notierte, was er erwähnenswert fand. Zurück in der Redaktion am nächsten Tag verwob er das mit meinen Impressionen von der Strasse, Oettiker hatte gute Fotos besorgt, und der «SonntagsBlick» erschien mit mehreren Seiten zur Hochzeit des britischen Thronfolgers. Der «Blick» als Tageszeitung hatte die wichtigsten Dinge natürlich schon gemeldet, beispielsweise, dass sich Diana bei den vielen Vornamen ihres Mannes verhaspelt hatte und dass ihr Kleid arg zerknittert war, als sie aus der Kutsche stieg.

Die «Schweizer Illustrierte» erschien einen Tag nach uns, mit mehr Bildern, und die «Glückspost» hatte als Einzige Eindrücke aus der Kirche. Aber die hatten wir alle ja auch schon, dank der BBC, die mit der mehrstündigen Livesendung mehr Menschen weltweit erreichte als je zuvor. Und auch diesmal wird die Live-Übertragung aus der Westminster Abbey wohl Rekorde schlagen, werden am Freitag mehr Menschen vor dem Fernseher sitzen als je zuvor, ausser vielleicht bei Dianas Begräbnis.

Royal Wedding auf allen Kanälen, mit neuen Rekorden

In den Strassen von London werden statt der 600'000 Menschen, die 1981 live dabei sein wollten, mehr als eine Million Schaulustige erwartet, neben den zwei Grossleinwänden am Trafalgar Square und im Hyde Park wird die Trauung auch via Lautsprecher entlang der Hochzeitsroute nach aussen übertragen, und erstmals kann die Zeremonie via Livestream auf dem Royal Channel von Youtube mitverfolgt werden.

Das Internetzeitalter hat die Royals fest im Griff: Clarence House, Residenz und Büro des Prinzen von Wales, twittert den ganzen Tag, The British Monarchy, die offizielle Website des Königshauses, wird kontinuierlich aktualisiert, dank einer App kann virtuell jedermann in der Westminster Abbey anwesend sein, und der Presseoffizier des Household Cavalry Mounted Regiment reitet nicht nur als Eskorte hinter der Kutsche der Queen, sondern bloggt auch auf der Facebook-Seite des Regiments.

Klar, dass die Medien da nicht zurückstehen können. Der Royal Correspondent der BBC, Peter Hunt, twittert seit Wochen über den Anlass, und auch ich brauche heutzutage mehr als einen Notizblock. Twitter vom Smartphone, Videointerviews, digitale Fotos – die Fotochefs werden heute kaum mehr in Scharen in London einfallen. Eins aber bleibt gleich: Das Jawort von Kate und William ist ein TV-Ereignis. Auch im Onlinemedium. Newsnetz wird ab BBC tickern. Live am Freitag ab 11.30 Uhr. Und mein Kollege Jan Derrer und ich werden die Stimmung auf den Strassen der Stadt einfangen. Mit Tweats und Videokamera. Und wir werden Turnschuhe tragen. Denn schnell auf den Füssen sein, das muss man auch heute noch. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 27.04.2011, 16:38 Uhr)

Bildstrecke

Die Hoffotografen der Royals

Die Hoffotografen der Royals Hugo Burnand ist offizieller Hochzeitsfotograf von Kate und William; Mario Testino und Lord Snowdon haben die Familie über viele Jahre fotografiert.

Für Tagesanzeiger.ch/Newsnet in London: Bea Emmenegger.

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