Panorama

Heute vor 20 Jahren: Serge Gainsbourg stirbt

Von Lucienne-Camille Vaudan. Aktualisiert am 02.03.2011

Am 2. März 1991 ist der Chansonnier, Komponist und unverbesserliche Gitanes-Raucher Serge Gainsbourg in Paris einem Herzinfarkt erlegen.

Serge Gainsbourg während eines Konzertes 1988 (Quelle: Youtube).


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Serge Gainsbourg

Serge Gainsbourg
Vor 20 Jahren starb der Musiker mit 63 Jahren an einem Herzinfarkt. Sein Gitanes- und Whiskeykonsum war so legendär wie sein im Duett mit Jane Birkin gestöhntes Lied «Je t'aime ... moi non plus».

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Lucien Ginsburg, wie der Liedermacher mit bürgerlichem Namen hiess, wurde als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer am 2. April 1928 in Paris geboren. Gainsbourgs Vater, ein Klavierspieler in Nachtclubs, flüchtete mit seiner Frau 1919 vor den Bolschewisten nach Frankreich. Er brachte seinem Sohn das Klavierspielen und die Liebe zur Malerei bei. Tatsächlich sieht Gainsbourg seine künstlerische Berufung zunächst in der Malerei und schreibt sich an der Académie Montmartre ein. Als die deutschen Truppen in Frankreich einmarschieren, muss Gainsbourg den gelben Judenstern tragen. Er unterbricht sein Kunststudium und versteckt sich mit seiner Familie im Wald vor der SS.

Nach dem Krieg bestreitet der junge Künstler seinen Lebensunterhalt durch Gesangs- und Zeichenunterricht. Seine erste Ehefrau, Elisabeth Levitsky, die als Sekretärin bei dem Dichter George Hugnet arbeitet, stellt ihm Künstler wie Salvador Dalì vor. Diese Freundschaften bestärken Gainsbourgs Willen zu malen. Durch Boris Vian, Jazzmusiker, Schriftsteller und Leiter der Jazzplattenabteilung bei Philips, findet Gainsbourg schliesslich definitiv zur Musik. 1957 beginnt er, die Sängerin Michèle Arnaud bei ihren Auftritten am Klavier zu begleiten und komponiert erste Lieder für sie. Die Songs kommen in den Nachtclubs gut an und Gainsbourg beginnt, ernsthaft an seiner musikalischen Karriere zu arbeiten.

Gainsbourg, der Punk des Chansons

1965 gelingt ihm der grosse Durchbruch als Komponist: France Gall gewinnt mit dem von ihm komponierten Lied «Poupée de cire, poupée de son» den Eurovision Song Contest. In der Folge schreibt Gainsbourg Lieder für Petula Clark, Nana Mouskouri, Marianne Faithfull, Juliette Gréco, Vanessa Paradis und viele mehr. Zunehmend tritt Gainsbourg aber auch als Sänger in Erscheinung.

Neben seinem unzweifelhaften Talent, mit dem er Elemente sämtlicher musikalischer Richtungen vermischt, und seinem aussergewöhnlichen Gespür für Wortspielereien machen ihn auch sein unumwundener Umgang mit damaligen Tabuthemen und skandalträchtige Auftritte zu einem der grössten Musiker seiner Zeit. 1969 reagiert die katholische Welt mit grösster Empörung auf Gainsbourgs Welthit «Je t’aime ...moi non plus», eine Art akustischer Porno mit seiner Geliebten Jane Birkin.

1979 nimmt Gainsbourg mit Bob Marleys Band in Jamaika eine Reggae-Version der französischen Nationalhymne auf. Bei einem Konzert versuchen Fallschirmjäger der französischen Armee die ungewöhnliche Interpretation der «Marseillaise» zu verhindern. Das Album «Love on the Beat» ist 1984 das erste Werk eines bedeutenden französischen Künstlers, das sich mit der Homosexualität befasst.

«L'étonnant Serge Gainsbourg»

In den 70er- und 80er-Jahren steht Gainsbourg für die unterschiedlichsten Filmprojekte vor und hinter der Kamera und feiert grosse Erfolge als Filmmusik-Komponist. Gainsbourgs Regiearbeiten werden zwar nicht zu grossen Kassenschlagern, gelten jedoch aus ästhetischer Perspektive als Perlen des französischen Kunstkinos.

Nach der kurzen Ehe mit seiner ersten Frau von 1951 bis 1957 heiratet Gainsbourg 1964 Françoise-Antoinette Pancrazzi. Aus dieser Ehe, die nur zwei Jahre hält, gehen zwei Kinder hervor. Serge Gainsbourg, der sich selbst als schüchtern und zurückgezogen bezeichnet, werden etliche Affären nachgesagt. Seine berühmteste und beständigste Geliebte ist die englische Schauspielerin Jane Birkin, mit der er eine Tochter, Charlotte Gainsbourg, hat. 1986 bringt Caroline von Paulus sein viertes Kind, Lucien Gainsbourg, genannt Lulu, zur Welt.

Wirklich treu war Gainsbourg wohl nur seiner Gitane, der filterlosen Zigarette, ohne die er nicht sein konnte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.03.2011, 10:04 Uhr