Panorama

... 160 Jahren: Bern wird Bundesstadt

Von Florian Lippuner. Aktualisiert am 01.12.2008

Am 28. November 1848 wird Bern zur Bundesstadt gewählt – die beiden anderen Anwärterstädte erhalten lukrative Trostpreise.

Eidgenössischer Sonderfall

Der Streit, ob die Schweiz eine Hauptstadt haben soll oder nicht, ist so alt wie der Bundesstaat selbst. Er endete in einem eidgenössischen Kompromiss: Die «Hauptstadt» der Schweiz wird nicht Haupt-, sondern Bundesstadt genannt. Bern ist also seit 1848 nur de facto, jedoch nicht de jure Hauptstadt der Schweiz.

Früh schon ist in der Schweiz die Idee einer zentralen Hauptstadt im Gespräch: Im Entwurf der Bundesurkunde von 1832 wird die Möglichkeit des Zusammenzugs von Bundesversammlung, Bundesrat und der wesentlichen Bundesbehörden angesprochen. Die Idee scheitert am Widerstand sowohl zentralistischer wie auch radikal föderalistischer Kreise, eine Einigung ist vorerst nicht in Sicht; die Hauptstadtfrage wird in der Bundesverfassung 1848 an den Gesetzgeber delegiert.

Im Wahlverfahren zur Hauptstadtfrage am 28. November 1848 lauten die Favoriten Luzern, Zürich und Bern. Bereits im ersten Wahlgang macht Bern das Rennen und ist fortan die Schweizerische Bundesstadt. Die beiden Verlierstädte gehen trotzdem nicht leer aus: Zürich erhält die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH), Luzern das Eidgenössische Versicherungsgericht.

Im Rahmen der Regionalisierung seit den Neunzigerjahren wurden die Bundesbehörden teilweise dezentralisiert und mehrere Bundesämter von Bern in andere Städte verlegt, etwa das Bundesamt für Statistik nach Neuenburg oder das Bundesamt für Kommunikation nach Biel. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)