Panorama
... 114 Jahren: Dreyfus verhaftet
Die Dreyfus-Affäre nimmt ihren Anfang im September 1894. Eine als Putzfrau verkleidete französische Agentin findet in der deutschen Botschaft in Paris einen Brief mit brisantem Inhalt: Er enthält eine Liste von geheimen französischen Dokumenten, die vom unbekannten Absender zur Herausgabe angeboten werden. Grösstenteils handelt es sich um Informationen zur französischen Artillerie.
Schuldig, bereits vor der Anklage
Bald schon verdächtigt man den Artilleristen-Hauptmann Alfred Dreyfus, ist er als Elsässer doch quasi deutschstämmig. Und im antisemitischen Klima ist der Jude als Verräter doppelt prädestiniert. Am 15. Oktober 1894 wird er nach einem halbbatzigen Verfahren wegen Hochverrats angeklagt, wenige Monate später öffentlich degradiert und dann auf die sogenannte «Teufelsinsel» vor der Küste Französisch-Guayanas deportiert.
Im März 1896 kommt der Geheimdienstchef Major Picquart mithilfe einer abgefangenen Nachricht zum Schluss, dass ein Major namens Ferdinand Walsin-Esterházy der wahre Verräter sein muss. Das Motiv: Der hoch Verschuldete versuchte seinen aufwendigen Lebensstil durch Spionage zu finanzieren.
Dreyfus-Affäre zieht weite Kreise
Trotz der schwerwiegenden Beweise gegen Walsin-Esterházy, wird dieser freigesprochen. In der Öffentlichkeit werden empörte Stimmen laut, die «Dreyfus-Affäre» polarisiert bis in die Familien hinein. Der renommierte Schriftsteller Émile Zola ruft im Januar 1898 in einem offenen Brief («J'accuse») an den französischen Präsidenten, der in der Zeitung «L'Aurore» veröffentlicht wird, zur Rehabilitierung von Dreyfus auf. Vorerst vergebens.
Nach dem Wahlsieg der Linken 1902 wird der Fall Dreyfus unter den veränderten politischen Umständen in Frankreich neu aufgerollt. Schliesslich kommt es zu einer Revision des Prozesses und zur Aufhebung des Urteils. Dreyfus wird am 12. Juli 1906 freigesprochen und rehabilitiert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.10.2008, 08:52 Uhr

