Panorama
... 102 Jahren: Das lockige Leiden beginnt
«Man möchte immer das haben, was man nicht hat.» Dies hat sich wohl auch Karl Ludwig Nessler, auch bekannt unter dem Namen Charles Nestle, gedacht und überlegte sich, wie man am besten aus glattem Haar lockiges bekommen könnte.
Über mehrere Jahre hinweg entwickelte der deutsche Friseur Nessler eine Dauerwellen–Apparatur, um die Damenwelt mit Engelslocken zu beglücken. Doch bis das Gerät der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, musste er einige Versuche machen, für diese er seine Frau, Katharina Laible, gewinnen konnte. Dazu trennte Nessler drei Strähnen ihres Haares und band jede von ihnen dicht an der Kopfhaut ab, benetzte sie mit einem von ihm erfundenen Gemenge und wickelte die Haare schraubenförmig auf Metallstäbe. Mit einer selbstkonstruierten, elektrisch beheizten Zange, erhitzte er die hornförmig abstehenden Gebilde. Während des Erhitzens musste Nessler die Zange ständig halten, wodurch er seiner Frau, seinem Opfer, schlimme Brandblasen auf der Kopfhaut zufügte. Zunächst gelang es ihm nicht Katharina Laible Locken auf den Kopf zu zaubern. Erst nach mehreren Versuchen wellte sich die Haarsträhne. Die «Dauerwelle» war geboren.
Die Öffentlichkeit bekam jedoch erst später, am 8. Oktober 1906, von dem Schönheitsrevolutionärem–Apparat mit. Nessler war mit seiner Frau nach London gegangen und hatte in der exklusiven Oxford Street einen Laden eröffnet. Als er sein Dauerwellenverfahren für ausgereift genug hielt, stellte er es den besten Friseuren Londons vor, die die Apparatur weniger wegen ihres Unwillen, als wegen der drohenden Konkurrenz ablehnten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.10.2008, 16:01 Uhr

