Panorama
... 98 Jahren: «Ade, Grüne Fee»
«Take your time, there’s no hurry»: Eine schlüpfrig-meditative Anleitung zur korrekten Zubereitung des Absinth. Wem da keine grünen Männchen erscheinen.
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Nicht wenige berühmte Künstler waren dem Absinth zugeneigt: Charles Baudelaire bekämpfte mit ihm seine Syphilis, Pablo Picasso wählte mehrmals Absinthtrinker als Motiv und Ernest Hemingway stimmte sich in Spanien mit ihm auf Stierkämpfe ein. Oscar Wilde verfasste gar ein Protokoll zu seinen Selbstversuchen: «Das erste Stadium ist wie normales Trinken, im Zweiten fängt man an, ungeheuerliche, grausame Dinge zu sehen, aber wenn man es schafft nicht aufzugeben, kommt man in das dritte Stadium in dem man Dinge sieht die man sehen möchte – wundervolle, sonderbare Dinge.»
In der Antike als Heilmittel verwendet, entwickelt sich der Absinth in der Mitte des 19. Jahrhunderts von der Schweiz ausgehend zu einer mitteleuropäischen Volksdroge. Gleichzeitig ist die aus dem bitter schmeckenden Wermutkraut hergestellte Spirituose vielen Menschen ungeheuer: Thujon, der psychoaktive Bestandteil des Absinth, scheint manch einen übermässigen Trinker in den Wahnsinn zu treiben.
Ein brutaler Mord und seine Folgen
Ein Mord im Jahre 1905 in der Waadtländer Gemeinde Commugny bringt die Öffentlichkeit endgültig dazu, dem unberechenbaren Trank einen Riegel zu schieben. Ein Weinbauer und Alkoholiker hatte in einem Wutanfall seine schwangere Frau sowie seine beiden kleinen Töchter umgebracht. Neben Wein und Branntwein hatte er auch zwei Gläser Absinth getrunken.
In den meisten europäischen Ländern und in den USA werden thujonhaltige Getränke in der Folge verboten. In der Schweiz wird eine Volksinitiative mit grosser Mehrheit angenommen. Am 7. Oktober 1910 tritt das Gesetz in Kraft.
Die damals dem Konsum des Absinth zugeschriebenen gesundheitlichen Schäden führt man heute auf die schlechte Qualität des verwendeten Alkohols und den übermässigen Konsum zurück. In der Schweiz sind Herstellung und Verkauf von Absinth seit 2005 wieder erlaubt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.10.2008, 09:05 Uhr

