Panorama

2:0 für Thomas Borer gegen «Blick»-Chefredaktor

Aktualisiert am 11.05.2010

Ringier muss Thomas Borer wegen eines «Blick»-Artikels eine Entschädigung von 100'000 Franken zahlen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Ex-Botschafter erfolgreich gegen den Verlag vorgeht.

Sind schon einmal aneinander geraten: Thomas Borer (l.) und Ralph Grosse-Bley.

Sind schon einmal aneinander geraten: Thomas Borer (l.) und Ralph Grosse-Bley.
Bild: Keystone

Im Fall Thomas Borer haben sich die streitenden Parteien Ringier und Thomas Borer aussergerichtlich auf eine einmalige Schadenersatzzahlung von fast 100’000 Franken geeinigt. Von geheimen Treffen zwischen Ex-Botschafter Thomas Borer und Marc Walder, dem CEO von Ringier Schweiz, berichtet die «Zeit» in ihrer aktuellen Ausgabe. Die Wochenzeitung beruft sich auf «gut informierte Quellen». Die Medienstelle von Ringier habe die Einigung, nicht aber die Summe bestätigt.

Verlagsintern sei der Unmut über den neuen Chefredakteur des «Blicks», Ralph Grosse-Bley, in diesem Zusammenhang enorm. «Blick» hatte am 13. März 2010 einen Artikel, in dem er von einem angeblichen Polizeieinsatz im Hause des Ehepaares Borer-Fielding in Thalwil berichtete, veröffentlicht. Laut «Zeit»-Recherchen hatte Grosse-Bley diesen Artikel im Vorfeld weder mit seinem Vorgesetzten Marc Walder noch mit den Hausjuristen abgestimmt - angesichts der schon 2002 gerichtlich vereinbarten Schweigepflicht des «Blicks» zum Thema Borer ein absoluter Fauxpas von Grosse-Bley.

«Es sind wohl die teuersten fünfzig Textzeilen der Schweizer Pressegeschichte», kommentiert die «Zeit». Angesichts der Vorgeschichte im Fall Borer sei es «bemerkenswert, dass sich der «Blick» nochmals in dieses Minenfeld wagt.»

Auswirkungen der «Affäre Ringier-Borer»

Seine journalistische Karriere begann Grosse-Bley 1988 bei der «Rhein-Zeitung». Danach arbeitete er unter anderem für die «Bild Zeitung» und war Chefredaktor von Radio 100.6 in Berlin. In den Jahren 2001 und 2002 war er stellvertretender Chefredaktor des «SonntagsBlick».

Nach der «Affäre Ringier-Borer» musste Grosse-Bley 2002 den Ringier-Verlag verlassen. Seine Frau, die Berliner Korrespondentin Alexandra Würzbach, hatte im «SonntagsBlick» über eine angebliche Liebesbeziehung des damaligen Schweizer Botschafters Thomas Borer mit einer Visagistin geschrieben.

Grosse-Bley kehrte zur «Bild Zeitung» zurück

Borer kehrte in die Schweiz zurück, der Ringier-Verlag entschuldigte sich für die Berichterstattung und zahlte eine Entschädigungssumme. Grosse-Bley verliess darauf den «SonntagsBlick», weil die Vertrauensbasis nicht mehr gegeben war, wie es damals hiess. Er kehrte zur «Bild Zeitung» zurück, für die er ab 2004 als Redaktionsleiter Neue Bundesländer tätig war.

Anfang 2009 wurde Grosse-Bley Mitglied der «Blick»-Chefredaktion, Dort wirkte er zunächst als einer von drei Stellvertretern des damaligen Chefredaktors Bernhard Weissberg. Nach dessen Abgang übernahm er im Juli desselben Jahres die intermistische Leitung der Redaktion. (bru)

Erstellt: 11.05.2010, 11:15 Uhr

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