Panorama
Alle reissen sich um Julia Saner
Von Sarah Pfäffli. Aktualisiert am 26.10.2009 2 Kommentare
Lukrativer Sieg
Julia Saner hat sich am Weltfinale des «Elite Model Look»-Contests in China gegen 66 Konkurrentinnen durchgesetzt. Der Sieg bringt ihr einen Modelvertrag mit einem garantierten Einkommen von 150'000 US-Dollar. Der renommierte Wettbewerb gilt als Karrieresprungbrett ins Modelbusiness.
Eigentlich sollte Julia Saner in ihrem Zimmer am Computer sitzen. Bis Mitte November muss sie ihre Maturaarbeit abgeben, und mit den zwei Wochen in China, wo die Gymnasiastin den «Elite Model Look»-Contest gewonnen hat, ist viel Zeit verloren gegangen. «Aber ich muss nur noch ein paar Seiten schreiben», sagt die 17-Jährige. Ihre Arbeit, die sie im Fach Bildnerisches Gestalten einreicht, besteht aus einer Fotoreportage – bei der Fernsehsendung «Glanz&Gloria» hat sie mit ihrer Kamera hinter die Kulissen geblickt. Ausgerechnet in dieser Sendung wurde sie nach ihrem Sieg beim Modelcontest selbst zur Protagonistin.
Statt am PC sitzt Julia nun auf der Terrasse ihres Elternhauses im Murifeld in der milden Herbstsonne. Und während sie interviewt wird, bereitet sich ihr Vater, Berufsschullehrer und Sportjournalist Albert «Albi» Saner, im Wohnzimmer auf ein Interview mit Boxer Witali Klitschko vor. Seit Tagen jagen sich die Medientermine bei Julia. «Es geht alles Schlag auf Schlag. Ich habe gar keine Zeit, mir zu viele Gedanken zu machen», sagt sie. Im Kirchenfeldgymnasium wurde sie von ihrer Klasse mit einem Apéro überrascht. Schon am Tag nach ihrer Rückkehr drückte sie wieder die Schulbank. Und spürte die Blicke von Schülern, deren Namen sie nicht weiss, die aber alle Julia auf einmal kennen.
Über 100 SMS und 600 Freundschaftsanfragen auf Facebook hat sie in den letzten Tagen gekriegt, «die meisten von Männern». Zig Jungs am Gymer, die «Jule» oder «Tschuls» jetzt kennen lernen wollen. Es ist eine seltsame Zeit für die Schülerin: Sie ist plötzlich berühmt, macht Schlagzeilen in der Boulevardpresse. Doch soll ihre richtige Karriere erst nächsten Sommer starten, wenn sie die Matura abgeschlossen hat. Das hat sie mit ihren Eltern so abgemacht. Bis dahin hat sie Aufträge in der Schweiz, etwa am 12.November bei den «Stella Fashion Awards».
Die Sorgen der Mutter
Eine Mischung aus Vorfreude, Ungewissheit und Respekt empfinde sie beim Gedanken an die Zeit nach dem Gymnasium. Wahrscheinlich wird sie wegziehen in eine Modemetropole. Mailand, London, Paris, vielleicht New York. Sie freue sich aufs Leben in einer Grossstadt, das wäre «Hammer», glaubt Julia.
Bei diesem Thema schaltet sich Julias Mutter ein, die schon die ganze Zeit daneben sitzt und in der Sonne Kaffee trinkt. «Das hört eine Mutter natürlich nicht gern», sagt Kathrin Rentsch Saner. «Es ‹duuret› mich einfach, dass sie dann nicht mehr bei uns ist.» Und dann seien da die Sorgen einer jeden Mutter: «Ob es ihr wohl ist. Ob sie gut untergebracht ist. Ob sie von Leuten umgeben ist, denen sie vertrauen kann, und nicht nur von solchen, die ein Stück Ruhm wollen.» Da müsse sich Julia einen Schutzpanzer zulegen, sagt Kathrin Rentsch Saner mit einem liebevollen, aber besorgten Blick auf ihre Tochter.
Julia mag sich darüber noch nicht den Kopf zerbrechen. «Ich habe grossen Rückhalt bei meiner Familie und eine gute Agentur.» Darauf vertraue sie.
Beim Essen «nicht heikel»
Sie kennt die Antworten auf viele Fragen längst auswendig, gibt aber trotzdem geduldig Auskunft. Manchmal verdreht sie die Augen, wenn sie über etwas spricht, das sie nervt. Eigentlich eine normale 17-Jährige, die gern «Desperate Housewives» schaut und ins Kino geht, ihre Kleider bei Vero Moda und im H&M kauft, beim Essen «gar nicht heikel» sei und als grösste Macke ihre Ungeduld angibt.
Eigentlich eben alles ziemlich normal. Wären da nicht ihr unheimlich hübsches Gesicht, die ebenmässige Haut, die Parademasse: 1,81 Meter gross, 80-61-90. Das seien halt ihre Gene, schon die Mutter und der Grossvater seien so schlank. Noch bis vor einem Jahr ass sie «masslos». Erst seit einem Jahr schaue sie ein wenig auf ihre Ernährung und habe damit sofort «ein paar Kilos» abgenommen. Aber sie sei gesund. Und nicht ständig Süssigkeiten zu essen, sei ein Preis, den sie für das Modeln zu zahlen bereit sei.
Dazu treibt sie Sport, «als Ausgleich zum kopflastigen Schulstoff». Sie war 2006 Stepptanz-Juniorenweltmeisterin, jetzt würde sie gern wieder «etwas Tänzerisches» machen. Sie ist kunstinteressiert, spielt Klavier, malt, fotografiert. Auch das Modeln hat für sie eine musische Komponente, es sei ein wenig wie Theater spielen. «Ich mag es, vor der Kamera verschiedene Rollen einzunehmen.»
Zurück im Alltag
Die Oktobersonne ist schwächer geworden. Papa Saner jätet jetzt Unkraut im Garten. Julia Saner hat noch einen Fototermin, dann setzt sie sich wieder in ihr Zimmer, wo ein Siebdruck von Audrey Hepburn neben einer Collage aus Fotos und Bildern aus Zeitschriften hängt.
Noch ein paar Seiten, dann ist die Maturaarbeit fertig. Noch ein Dreivierteljahr Schule, dann soll Julia Saners Modelkarriere richtig starten. (Berner Zeitung)
Erstellt: 26.10.2009, 09:59 Uhr
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