Boris-Becker-TV: Unerträgliche Selbstbeweihräucherung
Becker-TV
Boris Becker TV
Boris Becker und Lilly Kerssenberg beim Shopping in Kopenhagen
www.boris-becker.tv
Boris Beckers bisherige Gehversuche im Medium TV scheiterten allesamt. Ob Talk oder Sport-Sendung, Bobele glänzte eher durch seine berühmt-berüchtigten «Ähs» und «Öhs» denn durch eloquente Gesprächsführung.
Wenn die normalen TV-Sender nicht wollen – oder nicht können, da sie ja auch aufs Portemonnaie und damit auf die Quote schauen müssen – machts Becker halt selber. Seit heute um 16 Uhr darf sich Becker wieder Fernseh-Schaffender nennen. Und diesmal kommt keiner und setzt seine Sendung ab. Denn der Ex-Tennis-Star hat, zusammen mit der Bild-Zeitung, sein eigenes «Boris-Becker-TV» im Internet lanciert.
Eine Schweizer Firma namens «Bewegtbildagentur» begleitet Becker und seine Ehefrau in spe, Lilly Kerssenberg, mit der Kamera zu allen möglichen und unmöglichen privaten Anlässen. Das Material wird dann zu 1- bis 2-minütigen Filmchen verquantet – Werbespots für die Person Becker.
Jetzt gibt es kein Halten mehr für den Selbstdarsteller
Wir sehen Boris und seine Zukünftige an einer Modeschau, das Paar am «TV total»-Pokerturnier mit Stefan Raab, Boris und Lilly auf dem roten Teppich einer Filmpremiere in Las Vegas, Beckers beim Shopping in Kopenhagen. Boris und Lilly überall und in allen Lebenssituationen, von einem Sprecher aus dem Off kommentiert und bei Bedarf mit Beckers eigenem Senf garniert. In der Rubrik «60 Seconds» lässt es sich Bobele nicht nehmen, über tiefgründige Themen wie «Urlaub» zu philosophieren. Muss erwähnt werden, dass ihm dazu hauptsächlich eine Auflistung der wohlklingenden Ferienziele für seine Einkommensklasse einfallen?
Auch die Verlobte soll nicht zu kurz kommen. Becker geht – zumindest für den Moment – keinen Schritt ohne die schwarzlockige Schönheit. Sie darf sich laut Bild-Zeitung auch zu Wort melden und vor der Kamera «ihre ganz persönliche Sicht auf den berühmten Mann an ihrer Seite» (sic!) wiedergeben.
Natürlich wird auch die Becker-Hochzeit – unlängst in Thomas Gottschalks «Wetten, dass...?» kundgetan für jeden, der es mitbekommen wollte oder auch nicht – auf boris-becker.tv übertragen.
Sich so darstellen wie er wirklich ist
Ach ja, der Grund, warum Becker einen eigenen Kanal will: Es werde soviel über ihn und sein Privatleben geschrieben und geredet – er könne einfach nicht alles kontrollieren und dabei würden eben aus kleinen Gerüchten oft grosse Stories, die gar nicht stimmten, lamentiert Becker auf seinem eigenen TV-Kanal. Und der Bild-Zeitung sagt er: «Ob ich will oder nicht, ich bin eine öffentliche Person. Es wird ohnehin permanent über mein Privatleben berichtet. Wer ich aber wirklich bin, wie wichtig mir meine Familie ist, wie stark ich mich karitativ engagiere, dass ich Geschäftsmann bin, der vielen Menschen attraktive Jobs bietet – all das kann ich durch Boris-Becker.tv jetzt so darstellen, wie es wirklich ist.»
Genau, das haben wir beinahe vergessen: Boris-becker.tv ist natürlich auch Werbeplattform für seine Sponsoren, Stiftungen und alles was er sonst noch vermarkten und verkaufen will.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.05.2009, 16:56 Uhr















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