Panorama
Das Phantom in der Kachelmann-Oper
Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 16.05.2011 21 Kommentare
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Kommt eine Kamera in seine Nähe, hält Lars-Torben Oltrogge sich die Hand vors Gesicht, oder er verschwindet. Der junge Staatsanwalt tut viel, damit kein Foto und keine biografischen Angaben von ihm in den Medien erscheinen – lange erfolgreich. Bis zum Prozessauftakt gegen Jörg Kachelmann blieb Opernliebhaber Oltrogge ein Phantom. Mittlerweile existieren immerhin Porträts.
Wobei das mit dem Opernliebhaber auf einer alten Angabe beruht. Wer vertieft sucht, findet nicht nur heraus, dass der Staatsanwalt als Skifahrer manchmal Bündner Pisten unsicher macht. Er stösst auch auf eine einzige Publikation von Lars-Torben Oltrogge: einen kurzen Bericht in einer juristischen Fachzeitschrift über sein Praktikum bei der UNO-Kommission für Internationales Handelsrecht in Wien. Dem Autor hats gefallen in Österreichs Hauptstadt. Er verrät, dass es ihm «nie langweilig» war, dass er «die unvergleichliche Atmosphäre der Stehplätze in der Staatsoper» genossen habe und ebenso die «Besuche der gemütlichen Heurigen». Die Informationen stammen aus dem Jahr 2000.
Schlagfertig und juristisch beschlagen
Kurz darauf muss Lars-Torben Oltrogge, gerade 25-jährig, bei der Staatsanwaltschaft Mannheim angeheuert haben. Seither arbeitet er dort – mit Unterbrüchen: Zwischenzeitlich war er ebenfalls in Baden-Württemberg als Richter tätig. Als Staatsanwalt beschäftigte er sich die meiste Zeit mit Sexualdelikten an Kindern und Jugendlichen. Mit seiner Haarpracht und in der schwarzen Robe wirkt Oltrogge auch in der Rolle des Anklägers wie ein viktorianischer Richter – allerdings nur optisch. Die Reaktionen des Schnelldenkers und -sprechers wären dafür zu eifrig und manchmal zu aggressiv. Den zurückhaltenderen Part übernimmt neben ihm im Landgericht der väterliche Oberstaatsanwalt Oskar Gattner. Während der Ermittlungen schlüpften die beiden manchmal in die Rollen des «good cop» und des «bad cop» – zwar nicht so klischeehaft wie im Krimi, aber doch irgendwie. Gattner gab sich einfühlsam, Oltrogge hartnäckig. Auf die Anzeigeerstatterin gegen Jörg Kachelmann hinterliess er jedenfalls einen fordernden Eindruck. «Böse» sei Oltrogge gewesen in ihrer Einvernahme, hat sie, das mutmassliche Opfer, sogar gesagt.
Der Staatsanwalt hatte ihr gedroht, sie komme «in des Teufels Küche», wenn sie weiterhin nicht die Wahrheit sage. Prompt gestand sie wenig später eine Lüge ein. Schlagfertig und juristisch beschlagen, macht Oltrogge auch Kachelmanns Verteidigern oft zu schaffen. Er kann kontern: Als die Verteidigung einen ihrer Gutachter den «Beckenbauer der Rechtsmedizin» nannte, bezeichnete er einen anderen, ihm genehmeren, als «Uwe Seeler der Rechtsmedizin». Als sie behauptete, das Gericht sei «dem Ziel der Rehabilitierung Kachelmanns sehr viel näher» gekommen, schüttelt Oltrogge seinen schmalen Kopf: «Ich halte das für Wunschdenken.» Nun, am 41. Verhandlungstag, hat Oltrogge seinen grossen Auftritt. Er muss begründen, weshalb er nach wie vor findet, dass Jörg Kachelmann vergewaltigt hat. Oltrogge könnte sich zwar theoretisch der Überzeugung der Verteidigung anschliessen, dass der Schweizer Wettermann unschuldig ist. Doch alles deutet darauf hin, dass er am Mittwoch in seinem Plädoyer eine mehrjährige Haftstrafe für den Angeklagten fordert. Das Urteil geben die Richter am 31. Mai bekannt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.05.2011, 19:52 Uhr
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21 Kommentare
Das ganze Kachelmann-Theater hat doch mit einen Prozess überhaupt nichts mehr zu tun. das Ganze erinnert sehr an ein billiges Boulevard-Theaterstück mit unbegabten, aber profilierungssüchtigen Schauspielern. U.a. allen voran A.Schwarzer, Antworten
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