Panorama
Die Erfolgsformel: sexy, fussballbegeistert und weiblich
Von Claudia Müller. Aktualisiert am 16.04.2010
Wer auf italienische Sender zappt, der findet meistens einen bunten Zirkus vor, in dem Ziermädchen in der Manege vorgeführt werden. Man könnte meinen, Fernsehen sei eine Live-Party, die niemals aufhört. Es wird geklatscht, gesungen und vor allem nicht mit den Reizen der Weiblichkeit gegeizt. Immer wieder hüpfen und tänzeln Augenweiden in knappen Outfits über den Bildschirm und strahlen in die Kameras.
Ganz schön kompetent
Doch von den tausend Tänzerinnen am italienischen Fernsehen schaffen es nur wenige zu einem richtigen Moderatorenjob. Dafür braucht es mehr als sexy Moves und Zahnpastalächeln. Nötig sind dazu vor allem gute Freunde, am besten männliche Kollegen, die einen für besonders kompetent und schön halten, damit man «raccomandata», also zu Deutsch empfohlen wird.
Ilaria D’Amico gehört zu den Privilegierten. Sie hat zwar auch einen beeindruckenden Body, hat ihn aber nicht als Erstes gleich zur Schau stellen müssen. Sie durfte sich den Zuschauern gleich als Gesamtpaket präsentieren und sogar etwas wirklich Gescheites sagen, nämlich Fussballresultate. Ihr Debüt gab die Römerin mit einer Fussballsendung im Jahre 1997, die den Namen «La giostra di goal» trug. Eine Fussballmoderatorin im Bel Paese? Ja, das geht gut bei unserem südlichen Nachbarn, denn so haben die Männer gleich zwei gute Gründe einzuschalten.
Die Redaktions-Nanny
Ein Freund der Familie machte den Staatssender auf die schöne Juristin aufmerksam und landete einen Volltreffer. Nach ihrem Debüt folgten weitere TV-Engagements, etwa für die Fussball-Weltmeisterschaften 1998, 2002 und 2006. Dazwischen moderierte sie Sendungen wie die Morgenshow «Cominciamo bene estate» oder führte Interviews mit Muammar Ghadhafi, wenn sie nicht gerade für ihre Rubrik «Vista da lei» (Aus ihrer Sicht) in der «Gazzetta dello Sport» schrieb.
Nachdem sie für den Staatssender «Rai» tätig war, ist Ilaria D’Amico heute auf dem Privatsender «La7» und «Sky» zu sehen. Seit 2009 hat sie ihre eigene Sendung mit dem Namen «Exit- Uscita di Sicurezza». Im Zentrum steht nicht der Fussball, sondern Bürger und ihre alltäglichen Probleme. Nicht einmal ihre Schwangerschaft konnte die talentierte Römerin aus dem harten TV-Buisness werfen – nach einer einmonatigen Babypause ist die Schöne schon wieder am Bildschirm zu sehen.
«Ich bin privilegiert», sagt die Moderatorin, denn sie darf von zu Hause aus arbeiten. «Viele Frauen können das nicht. Wenn du in Italien ein Kind in die Welt setzt, musst du dich fast rechtfertigen.» Mehr noch. Während die schwangere Kollegin des Staatssenders von ihrer Kochshow verbannt wurde, wird beim Privatsender «Sky» für die Mama Ilaria gesorgt: Damit sie über die Fussball-Weltmeisterschaft im Juni berichten kann, wird sich auf der Redaktion eine Nanny um ihren Nachwuchs kümmern. So haben die fussballbegeisterten Männer wieder genügend Gründe, den Fernseher einzuschalten: Neben den Traumgoals steht dann gleich die Traumfrau. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.04.2010, 14:57 Uhr
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