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Die es allen recht machen will

Von Bettina Weber. Aktualisiert am 19.04.2011 9 Kommentare

Mode kann eine Waffe sein. Das hat niemand so gekonnt demonstriert wie Prinzessin Diana. Auch Kate Middleton macht sich das zunutze, aber eine Stilikone wird sie nicht.

Immer und in jeder Situation korrekt: Kate Middleton lächelt brav und zeigt nie zu viel Haut

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Es soll bloss keiner sagen, Kleider spielten keine Rolle. Das tun sie sehr wohl. Nicht nur, weil der Träger oder die Trägerin damit eine nonverbale Botschaft vermittelt. Textiles kann auch eine sehr konkrete Wirkung entfalten. Dass nämlich Miss Catherine Middleton (29) am 29. April in der Londoner Westminster Abbey Prinz William von Wales (28) heiratet, liegt an einem Kleid. Einem sehr durchsichtigen Kleid, das eigentlich nichts anderes war als «eine Art Spinnennetz gekreuzt mit einem Bikini», wie das Magazin «Newsweek» treffend schrieb. Miss Middleton trug eben dieses Kleid vor zehn Jahren anlässlich einer Modeschau an der schottischen Uni St. Andrews, wo sie zusammen mit dem Prinzen Kunstgeschichte studierte.

Die beiden kannten sich damals bereits seit acht Monaten, aber erst nachdem der Prinz seine bürgerliche Kommilitonin in diesem zarten Nichts und der darunter deutlich zu erkennenden Unterwäsche erblickt hatte, soll er für sie entflammt sein. Der blaublütige Mann ist diesbezüglich offenbar nicht vornehmer gestrickt als der gemeine Mann, einerseits. Andererseits war also eine kleine Menge Stoff verantwortlich für den Beginn einer Liebe, die nun dazu führt, dass aus Miss Middleton die Prinzessin von Wales wird. Man kann dahinter durchaus eine Strategie vermuten, denn nie wieder sah man Miss Middleton auch nur annähernd so viel Haut zeigen. Da weiss also eine ziemlich genau, wie Kleider wirken können. Als Lady Diana Spencer Prinz Charles 1977 zum ersten Mal begegnete, trug sie Gummistiefel, ihr Vater veranstaltete ein Jagdfest auf seinem Landsitz. Sie wusste damals noch nichts über den gezielten Einsatz von Mode als Taktik. Zu Beginn ihrer Ehe mit dem Prinzen sah sie immer noch aus wie die kreuzbrave Kindergärtnerin, die sie einst gewesen war: Sie trug lange Faltenröcke, Schluppenblusen oder biedere Kostüme und hielt sich überhaupt im Hintergrund, wie es sich gehörte – bis sie irgendwann realisierte, dass ihr Mann eine andere Frau bevorzugte, diese aber nicht hatte heiraten dürfen und sie selbst eigentlich nur zweite Wahl gewesen war.

Einstiger strahlender Mittelpunkt

Diana holte zum Gegenschlag aus. Zog gegen die königliche Familie in den Krieg, und ihre Waffe war die Mode. Sie liess sich von der damaligen stellvertretenden Chefredaktorin der britischen «Vogue», Anna Harvey, beraten und sah mit einem Mal nicht mehr madamig und harmlos, sondern sehr chic und verdammt sexy aus. Sie war nicht länger das herzige Anhängsel, sondern sie übernahm die Hauptrolle, weil sie Charles in jeder Hinsicht in den Schatten stellte. Neben ihr wirkte er mit dem schütteren Haar und den Segelohren noch ältlicher, fader und verklemmter als sonst schon, überall, wo die beiden auftauchten, war sie der strahlende Mittelpunkt.

Die Welt dachte: Was hat diese junge, schöne Frau bloss für einen schrecklichen Langweiler als Gatten – und das war Kalkül. Diana demütigte Charles mit dem Mittel, das ihr zur Verfügung stand und das sie dank professioneller Hilfe virtuos zu nutzen verstand: der Mode. So avancierte sie dank eines äusserst klugen Stylings zu einer Art royalem Popstar und damit auch zur meistfotografierten Frau der Welt. Das nahm man ihr im Buckingham-Palast sehr übel.

Kate, das Mobbing-Opfer

Von Kate Middleton geht in dieser Beziehung keinerlei Gefahr aus. Dafür ist sie zu brav, das Rebellische ist ihr gänzlich fremd – sie ist im Unterschied zu Diana in dieser Gesellschaftsschicht sozusagen artfremd und hat früh gelernt, sich anzupassen. Sie stammt zwar aus einer gutbürgerlichen Familie, ihre Eltern haben ein florierendes Party-Service-Unternehmen, dennoch zählte man nicht zur Oberschicht. Ihrer Mutter Carole, selbst aus ärmlichen Verhältnissen stammend, aber mit einer zünftigen Portion Ehrgeiz ausgestattet, hatte für ihre Töchter Catherine und Pippa daher nur eines im Sinn: den gesellschaftlichen Aufstieg. Und so wurden die beiden auf die besten Schulen des Landes geschickt – wo sie allerdings zunächst am englischen Standesdünkel scheiterten. Kate war schüchtern und unsicher, als sie als 13-Jährige ins Elite-Internat Downe House eintrat, man machte sich über sie lustig, plagte sie; die Buben taxierten das Aussehen der neuen Schülerinnen mit Noten und reichten diese beim Essen auf ihren Servietten herum. Kate soll schlecht weggekommen sein: Im Schnitt gab es für sie zwei Punkte – bei einem Maximum von zehn. Dass das Brautpaar entgegen den Gepflogenheiten auf Hochzeitsgeschenke verzichtet und stattdessen unter anderem um Spenden an die Mobbing-Beratungsstelle Beatbullying bittet, ist kein Zufall.

Carole Middleton gab indes nicht auf. Nachdem sie in Erfahrung gebracht hatte, an welcher Universität Prinz William sein Studium aufnehmen würde, liess sie ihre ältere Tochter ebenfalls dort immatrikulieren. Es dauerte acht Monate, und dann passierte die Sache mit dem Kleid. Die zukünftige Prinzessin von Wales weiss also, was von ihr erwartet wird, und ist bereit, sich den Regeln zu unterwerfen, das kommt ihr bei ihrer neuen Rolle entgegen. Unmittelbar nach dem Abschluss des Studiums engagierte sie deshalb eine Stylistin; sie wusste, dass man ihr nun modische Nachlässigkeit nicht länger nachsehen würde, und auch, dass sie sich keine Fehler leisten konnte, nicht einmal stilistische. Weil sie ebenfalls wusste: Frauen werden in der Öffentlichkeit noch immer in erster Linie über ihr Aussehen wahrgenommen. Über ihre Kleidung, ihre Frisur, ihre Figur, ob die Absätze der Schuhe einen Tick zu hoch sind, die Hose zu eng, der Rock zu kurz, das Décolleté zu tief, das Make-up zu dick ist – alles würde von den Medien gnadenlos festgehalten, kommentiert und taxiert werden.

Stets schön im Hintergrund

Kate ging also auf Nummer sicher, entsprechend solide waren die Tipps ihrer Stylistin. So solide, dass alles immer passte. Zu jedem Wetter, zu jeder Situation, zu jedem Anlass. Middleton erschien immer korrekt, gab keinen Anlass zur Klage, ausser dem einen Mal, wo sie an einem Pferderennen mit einem grossen, fellbesetzten Hut aufkreuzte und sich der Pelz als Nerz herausstellte – es gab einen halblauten Aufschrei, die Tierschutzorganisationen reagierten empört. Ansonsten aber umschiffte sie sämtliche Klippen und Fettnäpfchen erfolgreich, trug Kostüme mitsamt Hut zu offiziellen Anlässen, adäquates Schuhwerk zum Wandern, knielange Jupes im Alltag und sah stets adrett und nett und vor allem auch sehr ungefährlich aus. Middleton signalisierte damit: Ich will meinem Zukünftigen nicht die Show stehlen. Auch 2011 muss eine Prinzessin wissen, wo ihr Platz ist: stets zwei Schritte hinter dem Herrn Gemahl.

Sie macht, so gesehen, ihre Sache also gut, neben ihr verblasst der bereits mit deutlich sich lichtendem Haar kämpfende William nicht. Bloss macht sie das noch nicht zur Stilikone, als welche sie bereits bejubelt wird. Der Begriff wird ohnehin inflationär verwendet; jeder dahergelaufene Popstar wird mittlerweile als solche bezeichnet, weil man in einer Welt, in der Fussballergattinnen als Stilikonen gelten, schon froh ist, wenn eine Frau den Ausschnitt nicht bis zum Bauchnabel trägt und auf Plastiknägel und Haarverlängerungen verzichtet.

Zauberwort Authentizität

Für eine Stilikone genügt es indes nicht, einfach prominent zu sein oder eben einen Blaublütigen zu heiraten. Eine Stilikone ist jemand, der über eine Persönlichkeit verfügt, und zwar über eine modische Persönlichkeit. Das Zauberwort lautet: Authentizität. Wer Kleider so selbstverständlich trägt, dass sie als Nebensächlichkeit erscheinen, obschon alle Welt genau dorthin schaut, der ist authentisch. Diana hatte das drauf. Michelle Obama ebenfalls. Die trägt an offiziellen Anlässen in aller Selbstverständlichkeit ärmellose Kleider – und zeigt dabei nicht nur ihre beeindruckend trainierten Oberarme, sondern auch, dass sie (beziehungsweise natürlich: ihre Stylistin) sehr genau weiss, was ihr steht, und das sehr bewusst in den Vordergrund rückt.

Von Persönlichkeit keine Spur

Und dann muss eine Stilikone auch in irgendeiner Weise prägend sein. Wie zum Beispiel Audrey Hepburn. Die trug Schwarz, und zwar von Kopf bis Fuss, Rollkragenpullover, Dreiviertelhosen, Ballerinas, das war damals absolut neu und hatte entsprechend Stilikonenpotenzial. Bei Miss Middleton gibt es angefangen bei den Haaren, die den Namen Frisur nicht verdienen, über ihre Kostüme, die man freundlich als damenhaft bezeichnen kann, bis hin zu diesen Wildlederstiefeln, die sie den ganzen Winter über trug und die bis allerhöchstens vor drei Jahren als modern galten, nichts, das sich zum Kopieren eignen würde. Es ist ganz einfach zu banal, da spricht keine Persönlichkeit, sondern eine, die es allen recht machen will.

Dass Giorgio Armani vor Monaten hatte verlauten lassen, er bewundere Middletons Stil, sie sei sehr trendbewusst, hat dennoch nichts zu bedeuten. Das war nicht nur eine gewaltige Übertreibung, da spekulierte einer in erster Linie darauf, das Hochzeitskleid schneidern zu dürfen, das ab 29. April millionenfach abgebildet und um die Welt gehen wird. Vivienne Westwood, die Grand Old Lady des Punk, war ehrlicher als ihr Berufskollege aus Italien. Sie habe keine Lust, das Hochzeitskleid für Kate Middleton zu entwerfen, die Dame müsse zuerst so etwas wie einen eigenen Stil entwickeln, sagte sie in einem Interview. Für eine royale Hochzeit wäre ein Westwood-Entwurf ohnehin zu frivol. Und auch wenn sich die englischen Zeitungen überbieten mit dem Werweissen darüber, wie das Kleid wohl aussehen und wer es schneidern wird, steht eines fest: Es wird schlicht sein. Dezent. Man wird kaum Décolleté sehen, dafür vielleicht etwas von den zarten Schultern der Braut. Schliesslich soll sich nicht nur das Warten, sondern auch das Runterhungern gelohnt haben. Und überhaupt soll ja der Prinz in seiner Uniform so richtig schön zur Geltung kommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.04.2011, 21:03 Uhr

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9 Kommentare

Johanna Toxo

19.04.2011, 09:20 Uhr
Melden 24 Empfehlung

'Frauen werden in der Öffentlichkeit noch immer in erster Linie über ihr Aussehen wahrgenommen' - und dann folgt ein ellenlanger Artikel, in dem alle Frauen nur über ihre Aussehen kommentiert werden.Geschrieben von einer Frau - vielleicht müsste diese mal irgendetwas denken. Antworten


Stefan Weise

19.04.2011, 09:11 Uhr
Melden 21 Empfehlung

Ich habe absolut kein Verstaendnis fuer diesen Hype. Da heiraten zwei Personen die absolut nichts geleistet haben sondern nur priviligiert sind auf Staatskosten! Ich verstehe den Verstand der Menschen nicht! Antworten



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