«Doctor God» tritt kürzer

Der Schweizer Kinderarzt Beat Richner ist schwer krank.

Behandelte während zehn Jahren gemeinsam mit seinen Mitarbeitern zwölf Millionen kambodschanische Kinder: Beat Richner

Behandelte während zehn Jahren gemeinsam mit seinen Mitarbeitern zwölf Millionen kambodschanische Kinder: Beat Richner Bild: Dominique Meienberg

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Der Gründer der Kantha-Bopha-Spitäler in Kambodscha, der Schweizer Kinderarzt und Cellist Beat Richner, ist schwer erkrankt. Deshalb gibt der wohl berühmteste Kinderarzt der Schweiz die Leitung der Spitäler in Kambodscha ab . Auch seine öffentlichen Auftritte hat Richner bis auf weiteres abgesagt. Erst diesen Monat ist er 70 Jahre alt geworden.

«Beat Richner ist als ‹Beatocello› einmalig und als genialer Fundraiser nicht ersetzbar», teilt die Kinderspital-Stiftung mit. Das verwundert nicht, denn der Mann aus Zürich hat Grosses geleistet, stellt sich seit über 25 Jahren in den Dienst der ärmsten Kinder Kambodschas. Dafür gab Richner seine Cellistenkarriere im Orchestergraben und auch die Praxis in Zürich auf.

Als die kambodschanische Regierung ihn im Dezember 1991 anfragte, ob er das Kinderspital Kantha Bopha in Phnom Penh, das während der Herrschaft der Roten Khmer zerstört worden war, wieder aufbauen und leiten wolle, zögerte Richner nicht. Es verging kein ganzes Jahr, und das Spital nahm seinen Betrieb unter Richners Leitung wieder auf. Nicht gewohnt, an Ort und Stelle zu treten, baute er das Krankenhaus ständig aus, passte es den dringendsten Bedürfnissen der Kinder an. Daneben baute Richner noch vier weitere Spitäler auf, drei in Phnom Penh, eines in Siem Reap.

85 bis 90 Prozent von Kambodschas kranken Kindern landeten bei «Doctor God» in einem seiner fünf Krankenhäuser.

In den ersten zehn Jahren behandelten Richner und seine Mitarbeitenden rund zwölf Millionen Kinder, eine Million wurde im gleichen Zeitraum hospitalisiert. Unglaubliche 85 bis 90 Prozent von Kambodschas kranken Kindern landeten bei «Doctor God» in einem seiner fünf Krankenhäuser. Jährlich konnte 90'000 Kindern das Leben gerettet werden.

Schon Richners Eltern hatten ihrem Spross auf den Lebensweg etwas Wichtiges mitgegeben: das Interesse und den Verantwortungssinn für Dinge, die sich jenseits des Gartenzauns abspielen. Immer wieder kehrte Richner in die Schweiz zurück, wo er mit seinem Cello unermüdlich Franken um Franken für sein Lebenswerk in der neuen Heimat sammelte. Sechs Dokumentarfilme drehte der französisch-schweizerische Filmer Georges Gachot über den musizierenden Arzt. Drei Bücher hat Richner selber geschrieben. Den Ehrendoktor-Titel verliehen ihm die Universitäten Zürich und Lausanne, und 2002 wählte ihn das Land zum «Schweizer des Jahres».

Auch wenn die Erkrankung unerwartet kam, trifft sie den Stiftungsrat nicht unvorbereitet. Beat Richner war nicht nur innovativ, er war auch vorausschauend. Bereits vor Jahren arbeitete der Cello spielende Wohltäter eine Strategie aus, die den Fortbestand seines Werkes sichert. Welcher Art die Krankheit Beat Richners ist und ob mit einer Rückkehr des Spitalleiters gerechnet werden darf, gab die Stiftung Kinderspital Kantha Bopha nicht bekannt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.03.2017, 22:06 Uhr

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