Ein Nacktwanderer fühlt sich allein

Von Ida Sandl. Aktualisiert am 12.03.2009 3 Kommentare

Die beiden Appenzell wollen Nacktwanderer zur Kasse bitten. Darüber ärgert sich ein Nudist aus dem Thurgau. Er fordert mehr Toleranz gegenüber Blüttlern.

Die beiden Appenzell wollen Nacktwanderer zur Kasse bitten. Darüber ärgert sich ein Nudist aus dem Thurgau.

Die beiden Appenzell wollen Nacktwanderer zur Kasse bitten. Darüber ärgert sich ein Nudist aus dem Thurgau. (Bild: Donato Caspari)

Artikel zum Thema

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Erwin Fuchs, der im unteren Thurtal lebt, tut sich schwer mit Regeln. Besonders dann, wenn er ihren Sinn nicht einsieht. Und er sieht nicht ein, wieso man angezogen sein muss, wenn man auf den schönen Schweizer Bergen herumspazieren will. Ein Nacktwanderer tue schliesslich keinem etwas zuleide, betont Fuchs.

Nur im Dunkeln ohne alles

Vor den Angezogenen müsse man sich mehr fürchten als vor Blüttlern. Wo sollte ein Nackter schliesslich eine Waffe verstecken? Dass man Kinder den Anblick hüllenloser Wandersleute nicht zumuten kann, hält er für ein scheinheiliges Argument. «Die sehen sich jeden Tag viel schlimmere Sachen im Internet an.» Nein, es sei die Gesellschaft, die den Nudisten gegenüber so verklemmt ist.

Fuchs weiss, wovon er redet. Vor bald 50 Jahren hat er entdeckt, wie viel Spass das Leben ohne Kleider macht. Damals war er zwölf Jahre alt. Erst mit 16 Jahren hatte er genug Mut beisammen, um sich nackt ins Freie zu wagen. Im Schutz der Dunkelheit ging er ohne Kleider spazieren und schwimmen.

Die meisten Nudisten wohnen im Ausland

Heute geht er nicht nur in der Nacht unbekleidet aus dem Haus. Er wolle aber niemanden provozieren. Wenn er ohne Textilien wandern will, sucht er sich dafür abgelegene Routen aus. Kreuzt jemand seinen Weg, zieht er sich schnell etwas über. Andere Nacktwanderer sind ihm auf seinen Touren noch nie begegnet. Schade, findet Fuchs. Er hätte gern mehr Kontakt zu Gleichgesinnten. Seit seine Frau gestorben ist, lebt er allein. Die meisten Nudisten, die er kennt, wohnen im Ausland.

«Nacktheit wird mit Sex gleichgesetzt»

Was Fuchs nicht begreifen kann, ist die Ablehnung, die ihm entgegenschlägt, sobald er sich zu seiner Vorliebe für nackte Tatsachen bekennt. Anderen Dingen gegenüber seien die Menschen doch sehr tolerant. Nacktheit werde aber immer mit Sex gleichgesetzt. Darüber kann er nur den Kopf schütteln: «Was für eine kranke Gesellschaft.»

Aber wäre es denn so schlimm, beim Wandern eine Badehose zu tragen? So eine Frage könne nur jemand stellen, der das Gefühl von Freiheit auf der Haut nicht kennt, sagt Fuchs. Eine Badehose sei ein verschwitztes, stinkendes Kleidungsstück. «Einfach ekelhaft.»

Nacktwanderer-Busse je nach Bezirk

Im Moment basteln beide Appenzell an gesetzlichen Vorschriften, um Nacktwanderer zu bestrafen. In Ausserrhoden wird über eine Busse von 100 Franken diskutiert, in Innerrhoden denkt man über 200 Franken nach. Wer im Thurgau oben und unten ohne erwischt wird, muss mit einer Busse rechnen. Das sei aber Sache der Bezirksämter, sagt der Leitende Staatsanwalt Hans-Ruedi Graf. Für ihn ist klar: «Wir machen kein grosses Aufheben um so
etwas.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.03.2009, 13:43 Uhr

3

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

3 Kommentare

Jürgen Teubner

12.03.2009, 22:28 Uhr
Melden

Sehr geehrte Damen und Herren, wie Sie sicher wissen,wanderte Hermann Hesse in der Schweiz nackt und Johann Wolfgang von Goethe badete schon 1775 ,zusammen mit dem Grafen von Stollbreg nackt im Zürichsee.Nach Goethe ist eigentlich der Mensch ohne Hülle erst der Mensch. Mit freundlichen Grüßen, ein Freund der Schweiz Jürgen Teubner (69 Jahre) Antworten


Josef Mörtenhuber

13.03.2009, 16:14 Uhr
Melden

Die meisten Nacktwanderer suchen ein Gefühl der Freiheit meist dort wo sie nicht auf vielen Menschen treffen . Typisch Beamten und Bänker wird das Geld nachgeworfen die bekommen noch eine Millionschwere Abfertigung wen sie geld Unterschlagen und dabei eine Weltwirtschaftskrise auslösen. aber diese Herren schmieren so gut das es besser ist harmlose Nacktwanderer zu verfolgen. Mfg. Sepp Antworten



Panorama

Populär auf Facebook Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Panorama

Telefonbuch

Marktplatz