Panorama

Eva Herman will zurück zur «Tagesschau»

Aktualisiert am 06.02.2009

Der Rechtsstreit um ihre Wiederbeschäftigung bei der «Tagesschau» ist für die ehemalige Sprecherin Eva Herman bisher gut verlaufen. Doch noch sind nicht alle Zeugen vernommen worden.

Umstrittene Aussagen zur NS-Zeit hatten ihre Kündigung beim NDR zur Folge: Eva Herman.

Umstrittene Aussagen zur NS-Zeit hatten ihre Kündigung beim NDR zur Folge: Eva Herman. (Bild: Keystone)

Das Hamburger Landesarbeitsgericht erklärte nach der Beweisaufnahme am Freitag, es sehe starke Indizien für ein Arbeitsverhältnis. So habe der Norddeutsche Rundfunk (NDR) von seinem Sprecherteam «eine ständige Dienstbereitschaft erwartet». Vor einer endgültigen Entscheidung soll am 1. April aber noch der ehemalige Chefsprecher Jo Brauner als Zeuge vernommen werden.

Arbeitsverhältnis klären

Die Richter haben darüber zu entscheiden, ob zwischen Herman und dem NDR ein Arbeitsverhältnis bestanden hat und damit eine ausgesprochene Kündigung unwirksam ist. Zunächst muss geklärt werden, ob Herman wie eine freie Mitarbeiterin oder wie eine Festangestellte behandelt wurde. Dabei geht es unter anderem darum, inwieweit sie weisungsgebunden und in die betriebliche Organisation eingebunden war. Dazu wurden am Freitag Chefsprecher Jan Hofer und Sprecher Jens Riewa als Zeugen vernommen.

Aus diesen Aussagen entnahm das Gericht nach eigenen Angaben, dass der Chefsprecher bei der Einsatzplanung vor allem die dienstliche Notwendigkeit berücksichtige. «Dies ist mit einem freien-Mitarbeiter-Verhältnis nicht vereinbar», führte der Vorsitzende Richter aus. Bei einem freien Mitarbeiter wäre es auch natürlich, dass die einzelnen Einsätze mit ihm abgesprochen würden.

NDR will Rechtsstreit ausfechten

Die Anwälte des NDR betonten hingegen, die Dienstpläne seien abgestimmt worden und die Sprecher hätten nur dann zur Verfügung stehen müssen, wenn sie eingeteilt gewesen seien. Die Anwälte kündigten auch an, kein weiteres Angebot zu einem Vergleich zu machen, sondern den Rechtsstreit auszufechten.

Hermans Anwalt zeigte sich am Rande der Verhandlung sehr optimistisch und betonte, das Ziel seiner Mandantin sei eine Wiederbeschäftigung bei der «Tagesschau». «Im Vordergrund streiten derzeit die Juristen, im Hintergrund wird die Leistung von Frau Herman weiter geschätzt», sagte Anwalt Dirk Feldmann. Dies habe auch die Geste von «Tagesschau»-Chefredakteur Kai Gniffke gezeigt.

Dieser musste zwar nicht als Zeuge aussagen, wollte die Gelegenheit aber nutzen, Herman zu begrüssen. Er schüttelte ihr die Hand und sagte, es sei schön, sie nach so langer Zeit einmal wiederzusehen.

Umstrittene Äusserungen über die NS-Zeit

Herman war 2007 wegen umstrittener Äusserungen über die NS-Zeit in die Schlagzeilen geraten. Der NDR, für den sie 20 Jahre gearbeitet und neben der «Tagesschau» auch die Talk-Sendung «Herman und Tietjen» moderiert hatte, kündigte ihr im September 2007. Die von Herman eingereichte Klage wies das Hamburger Arbeitsgericht im April 2008 mit der Begründung ab, es habe kein Arbeitsverhältnis gegeben. Herman sei freie Mitarbeiterin gewesen. Daraufhin legte sie Berufung ein. (mbr/ap)

Erstellt: 06.02.2009, 13:46 Uhr

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