Grotesk «verdünntes» Topmodel sorgt für Empörung

Von Simone Matthieu. Aktualisiert am 09.10.2009

In einer Werbung für Ralph Lauren wurde Model Filippa Hamiltons Figur dermassen retouchiert, dass ihre Taille dünner wirkt als ihr Kopf. Ein absurder Auswuchs des Magermodel-Trends.

Wenn eine schöne Frau nicht mehr genügt: Topmodel Filippa Hamilton wurde auf einem Inserat nachträglich «verdünnt».

wallpaperbase.com

Filippa Hamilton im Ralph-Lauren-Inserat.

Filippa Hamilton im Ralph-Lauren-Inserat. (Bild: Ralph Lauren)

Für sein Werbe-Sujet mit Filippa Hamilton griff das Mode-Label Ralph Lauren zu einem gängigen Trick: Das an sich schon dünne Model wurde per Photoshop noch dünner gemacht. Nur, dass die Grafiker in diesem Fall eindeutig zu weit gingen.

Wie ein Wesen aus einer anderen Welt sieht Hamilton auf dem bearbeiteten Foto aus: der Kopf überdimensional, der Körper völlig unnatürlich verschlankt. Grotesk ist das richtige Wort für diesen Auswuchs des Magermodel-Trends.

Kritik zuerst nicht hören wollen

Auf die Kritik einer Internet-Blog-Seite hin, reagierte man bei Ralph Lauren zunächst heftig: Die Site solle den Beitrag sofort entfernen, sonst würde man eine Klage wegen Copyright-Verletzungen gegen sie anstrengen.

Die Betreiber des Blogs weigerten sich. Die Begründung: Sie hätten das Bild in korrekter und fairer Weise wieder gegeben, um so auf die Missstände in der Modebranche und das widernatürliche Frauenbild, dem heutige Models entsprechen müssen, hinzuweisen. Ausserdem sei das Inserat bereits in mehreren Zeitschriften erschienen und deshalb von allgemeinem Interesse. Die Frauen, die sich selber unter Druck setzten und den Magermodels nacheiferten, hätten ein Recht zu erfahren, dass ihre Vorbilder oft gar nicht so schlank sind, wie auf Bilder suggeriert, sondern nachträglich künstlich verdünnt werden.

Plötzliche Einsicht

Der Kritik in besagtem Internetblog folgten viele weitere. Eine weltweite Diskussion entbrannte. Jetzt krebst Ralph Lauren zurück. Man habe die Angelegenheit untersucht und herausgefunden, dass der Fehler beim Label selber liege. «Wir sind verantwortlich für die schlechte Retouchier-Arbeit an diesem Inserat, die zu einem sehr verzerrten Bild eines weiblichen Körpers führte», wird ein Ralph-Lauren-Sprecher von der «Daily Mail» zitiert. «Wir haben das Problem erkannt und werden alle nötigen Schritte unternehmen, dass unser Arwork die Philosophie unseres Unternehmens korrekt wiedergibt: Seit 42 Jahren steht Ralph Lauren für Qualität und Integrität.»

Lieber eine späte Einsicht als keine. Allerdings fragt man sich beim Betrachten des Inserates, wie ein solches Bild überhaupt durch alle Instanzen hindurch laufen und abgedruckt werden konnte. Auch für Magermodel-Fans dürfte diese Darstellung von Filippa Hamilton schlicht zu viel des Wenigen sein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.10.2009, 16:17 Uhr

Panorama

Populär auf Facebook Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Panorama

Telefonbuch

Marktplatz