Panorama
Held der Finanzkrise: Ein Deutscher ohne Furcht und Tadel mischt Island auf
Will sein Geld zurück: Karlheinz Bellmann.
Schweizer Kaupthing-Kunden
Waren Sie in der Schweiz vom Bankrott der Kaupthing-Bank betroffen? Schreiben Sie uns, wie die Bank mit Ihnen umgegangen ist: news@newsnetz.ch
Die Finanzkrise machte aus dem einfachen Bürger Karlheinz Bellmann einen Helden, der um sein sauer Erspartes kämpft. Das hat er nämlich verloren: 110'000 Euro waren von einem Tag auf den anderen weg, die isländische Kaupthing-Bank riss es bei ihrem Bankrott mit in den Abgrund –der isländische Einlagesicherungsfonds garantierte ihm nur 20'887 Euro. Dabei wollte der 49-jährige Deutsche mit dem Geld seinen vier Kindern die Ausbildung sichern, wie die «Frankfurter Rundschau» schreibt.
Bellmann ist nicht allein
Ganz unschuldig ist Bellmann allerdings nicht: Wegen 0,4 Prozent mehr Zins überwies er sein ganzes Guthaben nach Island – im Nachhinein eine etwas unglückliche Aktion. Dass es weiteren 30'000 deutschen Anlegern ebenso erging, konnte ihn nicht trösten. Er sann auf Rache. Einen Monat, nachdem Kaupthing Insolvenz anmelden musste, flog Bellmann auf die Vulkaninsel – sozusagen in eines der Epizentren der weltweiten Finanzkrise.
Dort reiht er sich in die Menschenkette vor dem Parlament und übergibt seinen Antrag auf Entschädigung. «Ich bin einfach ein Papa, der seinem Geld hinterher rennt, das er für seine Kinder gespart hat», sagt er. Über Nacht wird Bellmann auf der Insel zum Medienstar: Im isländischen Fernsehen erzählt er die Geschichte vom verlorenen Ausbildungsgroschen für seine Kinder; der Reporterin kommen die Tränen. Sogar einen Termin bei den Bankmanagern bekommt er. Und auf der Strasse entschuldigen sich wildfremde Isländer bei ihm.
Wann der kampfeslustige Deutsche sein Geld wieder sehen wird, ist unklar. Zwar hat er jetzt die Zusage der Banker, die Spargelder von deutschen Kunden zurückzuzahlen. Sein Wut bleibt jedoch. (cha)
Erstellt: 24.11.2008, 16:27 Uhr
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