Panorama

Hirschmann geistert durch die Stadt

Von Simone Matthieu. Aktualisiert am 18.11.2009

Seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft ist Clubbesitzer Carl Hirschmann untergetaucht. Trotzdem wird er immer wieder im Zürcher Nachtleben gesichtet. Wie geht das?

Als ob von Erscheinungen der dritten Art die Rede wäre, berichteten eine Pendlerzeitung und ein Boulevardblatt letzte Woche von Carl-Hirschmann-Sichtungen.

Im einen Fall wollte ein Unbekannter Carl Hirschmann am Tag seiner Haftentlassung im Zürcher In-Lokal «Kaufleuten» beobachtet haben.

Im zweiten Fall behauptet ein selbsternannter Erotikdarsteller, er habe Hirschmann am Tag nach der Haftentlassung an «einer geilen Disco-Party in einem Zürcher Grand Hotel» getroffen.

Es war kein Gespenst, aber es war auch nicht Hirschmann

Hirschmann mag vielleicht Dinge tun oder getan haben, die nicht jeder nachvollziehen kann. Was aber auch er weiss: In seiner aktuellen Situation zeigt man sich nicht feiernd an den Hotspots des Zürcher Nachtlebens.

Auf Anraten seines Anwalts bleibt der Millionenerbe seit dem Wirbel um mehrere gegen ihn eingereichte Anzeigen auf Tauchstation. Hirschmann redet nicht mit den Medien, zeigt sich nicht in seinem eigenen Club «Saint Germain» und er feiert auch nicht in anderen Clubs.

Natürlich wäre es für jedes Medium ein Coup, eine Stellungnahme von Hirschman persönlich zum Skandal um seine Person zu haben. Aber weil dies nicht möglich ist, möchte man zumindest berichten können, was er in dieser unangenehmen Situation so treibt. Hirschmann-News bedeuten Quote.

So konnte es dazu kommen, dass Hirschmann im Zürcher Nachtleben gesehen wurde, ohne dass er überhaupt vor Ort gewesen war. Denn: Die gesichtete Person war nicht der «Saint Germain»-Besitzer, sondern ein anderer Zürcher, der ihm aufs Haar gleicht.

Des Rätsels Lösung

Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat mit dem Hirschmann-Double gesprochen. «Ja, das war ich, der da an diesem Tag im ‹Kaufleuten› gewesen ist», sagt Markus P.* «Ich musste lachen, als es am nächsten Tag in der Presse hiess, das sei Carl Hirschmann gewesen.»

Erstaunt ist P. allerdings nicht. «Ich bin es gewohnt, mit Hirschmann verwechselt zu werden – obwohl ich rund zehn Jahre älter bin als er. Das war nie wirklich lustig, aber zurzeit ist es besonders mühsam.» Das ist auch der Grund, warum P. sich nicht abbilden lassen will. Er möchte vermeiden, noch mehr von der Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, die eigentlich seinem prominenten Doppelgänger gebührt.

*Name der Redaktion bekannt (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.11.2009, 12:35 Uhr

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