«Ich bin stolz darauf, schwul zu sein»

Coming-out von Tim Cook: Erstmals bekennt sich der Apple-Boss öffentlich zu seiner Homosexualität. Wie er sein Outing in einem Gastbeitrag für das Magazin «Business Week» begründet.

Seine Homosexualität sei eines der grössten Geschenke für ihn: Apple-CEO Tim Cook. (27. Oktober 2014)

Seine Homosexualität sei eines der grössten Geschenke für ihn: Apple-CEO Tim Cook. (27. Oktober 2014) Bild: Lucy Nicholson/Reuters

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Spitzenbosse, die sich als schwul outen, sucht man bis heute fast vergeblich. Mit John Browne von British Petroleum hat sich erst ein einziger Chef einer Firma auf der Fortune-500-Liste der grössten US-Firmen oder des britischen Börsenindexes FTSE 100 öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt – und auch das erst nach seiner Pensionierung.

Nun zieht ein weiterer Top-CEO nach: Apple-Chef Tim Cook outet sich in einem Gastbeitrag im Magazin «BusinessWeek» als schwul. «Lasst es mich klar sagen: Ich bin stolz darauf, schwul zu sein», schreibt er. Er betrachte seine Homosexualität als eines der grössten Geschenke, das ihm Gott gemacht habe.

Schwul zu sein, sei zwar manchmal ungemütlich und anstrengend, doch es habe ihn Selbstvertrauen gelehrt und ihm die «Haut eines Nashorns» verschafft, was als CEO von Apple durchaus nützlich sei. Die Erfahrung, Teil einer Minderheit zu sein, habe sein Leben bereichert. Er habe das Glück, für ein Unternehmen zu arbeiten, das «Kreativität und Innovation liebt und weiss, dass es nur gedeihen kann, wenn man die Unterschiede der Menschen akzeptiert».

Unfreiwilliges Outing

Bei Apple war seine Homosexualität nach Cooks Worten kein Geheimnis, viele Kollegen hätten seit Jahren davon gewusst. Auch die Öffentlichkeit erfuhr kürzlich davon – wenn auch eher ungewollt: Ende Juni diskutierten auf dem US-Wirtschaftssender CNBC mehrere Moderatoren mit dem «New York Times»-Kolumnisten James Stewart über das Phänomen, dass die Topvertreter von Firmen offenbar nach wie vor Mühe haben, sich zu outen – auch wenn ihr eigenes Unternehmen eine schwulenfreundliche Politik führt.

Moderator Simon Hobbs sagte in dieser Runde: «Ich glaube, Tim Cook an der Spitze von Apple steht offen zu seiner Homosexualität, oder nicht?» Die anderen vier Anwesenden quittierten die Frage zunächst mit betretenem Schweigen. Erst da dämmerte es Hobbs, dass er Cook unfreiwillig geoutet hatte. «Oh, du meine Güte. War das ein Fehler? Ich dachte nicht ...» Offensichtlich hatte er gedacht, dass Cooks Homosexualität bereits zu jenem Zeitpunkt öffentlich bekannt war.

Sein Privatleben geht Tim Cook eigentlich über alles. Wieso spricht er nun öffentlich über seine sexuelle Orientierung? Cook schreibt, obwohl sich die Gesellschaft gewandelt habe, würden Homosexuelle in den USA vielerorts noch immer benachteiligt. Wenn sein Outing als Apple-CEO nun jemandem helfe, mit sich selber ins Reine zu kommen oder für seine Gleichberechtigung zu kämpfen, habe es sich gelohnt, ein Stück seiner Privatsphäre aufzugeben. «Ich gebe aber zu», fügt er hinzu, «es war kein einfacher Entscheid.» (thu)

(Erstellt: 30.10.2014, 12:48 Uhr)

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