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«Jeder Mann, der sie traf, wollte sie haben»
Von Nina Merli. Aktualisiert am 22.02.2012 20 Kommentare
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«Secrets & Lies»: Christine Keeler wird am 22.2.2012 siebzig Jahre alt. Pünktlich zum Anlass erscheint ihre Autobiographie (die sie gemeinsam mit dem Promi-Biographen Douglas Thompson geschrieben hat). Mit diesem Buch will Keeler «endlich die Wahrheit über den schockierendsten Politskandal Grossbritanniens aufdecken».
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Es war lange ruhig um sie. Keine Homestorys, keine TV-Auftritte. Doch seit einigen Tagen ist das britische Skandal-Callgirl der 60er-Jahre wieder im Gespräch – und das hat zwei Gründe: Die Frau, die als Sex-Ikone der Swinging Sixties in die Geschichte einging, wird morgen siebzig Jahre alt und sie bricht endlich ihr Schweigen. Denn Christine Keeler hat gemeinsam mit dem Promi-Biographen Douglas Thompson (Madonna, Clint Eastwood, Michelle Pfeiffer, John Travolta und Leonardo DiCaprio) ihre Version der «Profumo-Affäre» geschrieben. «Secrets and Lies» – Geheimnisse und Lügen, so der Titel der soeben erschienenen Autobiographie, der den Inhalt der 288 Seiten zusammenfasst.
«In diesem Buch werde ich reden»
Es sei viel über sie geredet und erzählt worden. Man habe sie als eine moderne Version der Mata Hari gesehen, schreibt Christine Keeler im Vorwort ihres Buchs. «Sie glauben vielleicht mein Leben zu kennen, weil Sie den Film ‹Scandal›, der angeblich meine Geschichte erzählt, gesehen haben». Doch «Scandal» zeige nur einen kleinen Schnappschuss der gesamten Geschichte und habe relativ wenig mit der Realität zu tun. Mit ihrem Leben. Darum sei jetzt der Moment gekommen, um reinen Tisch zu machen.
Doch wer eine «bittere Abrechnung» erwartet, wird enttäuscht werden, schreibt Co-Autor Douglas Thompson zu Beginn des Buchs. Dies hätte Keeler schon viel früher tun können, als John Profumo 2006 im Alter von 91 Jahren starb. Damals hätten viele Verlagshäuser und Medien Christine Keeler, die zurückgezogen mit ihren zwei Katzen in London lebt, kontaktiert. Ohne Erfolg. Dabei hätte sie Brisantes zu berichten gehabt. Denn Keeler war Anfang der 60er-Jahre in einen der grössten Polit- und Sexskandale in der Geschichte Grossbritanniens verwickelt.
Die Profumo-Affäre erschüttert England
Keeler, ein junges Mädchen aus der Unterschicht, war knapp 17 Jahre alt, als sie nach London zog, wo sie schon bald im damals angesagten Lokal Murray's Cabaret Club in Soho als Stripperin zu arbeiten begann. Hier lernte die junge Keeler den Arzt Stephen Ward kennen, der ihr zwei Jahre später den damaligen britischen Kriegsminister John Profumo vorstellte. Wobei diese erste Bekanntmachung wenig Formales an sich hatte: Ward orderte Keeler am 8. Juli 1961 zu einer Gartenparty im edlen Landsitz von Lord Astor, wo sie im Pool einige Runden schwamm – nackt. John Profumo war hingerissen.
Doch der verheiratete Kriegsminister war nur einer der Männer, zu denen Christine Keeler Kontakt pflegte. Stephen Ward entpuppte sich als fleissiger Verkuppler. So hatte Keeler gleichzeitig zur Affäre mit Profumo ein Techtelmechtel mit einem russischen KGB-Agenten. Dieser – so hiess es im Nachhinein – soll Keeler dazu gebracht haben, Profumo für die Sowjetunion auszuspionieren. Ein Vorwurf, den Keeler immer abgestritten hat.
Keine Verräterin
1962, als Keeler und Profumo ihre Affäre bereits abgebrochen hatten, wurden die Gerüchte öffentlich. Nicht nur ihre Beziehung zu John Profumo, sondern auch weitere Sex-Skandale wurden aufgerollt, die die Londoner Upper-Class wie ein Erdbeben erschütterten. «Von Orgien, von bizarren Sexspielen war die Rede», schreibt Keeler. Sogar eine Krankenschwester-Nummer mit Präsident John F. Kennedy wurde ihr nachgesagt. Vieles davon sei kompletter Blödsinn gewesen, andere Episoden entsprachen den Tatsachen. «Ich bin immer freizügig gewesen – das liegt in meinem Naturell», so Keeler. Doch sie habe ihr Land nie verraten.
Als sich Profumo Anfang März 1963 schliesslich im Common House, dem Unterhaus des britischen Parlaments, wegen der Sex-Affäre mit Christine Keeler verantworten musste, dementierte er alles. Diese Lüge kostete ihn wenige Monate später seinen Posten als Kriegsminister: Profumo trat am 5. Juni 1963 zurück. Doch während sich Profumo schon bald wieder in der Gesellschaft rehabilitieren konnte und später sogar für seine karitativen Verdienste im Londoner East End zum Commander of the British Empire ernannt wurde, fiel Keeler in Ungnade.
Das Revolverblatt«News of the World» bezahlte ihr für ein Exklusiv-Interview 21 000 Pfund, eine hohe Summe damals und einige Jahre machte sie noch als Model von sich reden. Doch Ende der 60er Jahre verschwand die einst so umschwärmte junge Frau komplett aus der Society-Szene. Mitte der 80er Jahre tauchte Keeler wieder kurz in der Öffentlichkeit auf: Sie hatte an der Seite von Mandy Smith einen kurzen Auftritt in einem Video für Bryan Ferrys Single «Kiss and Tell». Ansonsten war ihr Leben geprägt von Einsamkeit und Rückzug. Auch zu ihren zwei Söhnen, die bei Keelers Mutter Julie aufwuchsen, hat das Ex-Callgirl keinen Kontakt mehr.
«Jeder Mann, der sie traf, wollte sie haben und jene, die sie nicht haben konnten, wollten sie bestrafen», sagte einst die Künstlerin Caroline Coon über das Callgirl. Jetzt hat Christine Keeler wohl genug vom bestraft werden. «Du musst zurückschlagen», schreibt Keeler, «und genau darum erzähle ich Ihnen nun alles.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 21.02.2012, 14:42 Uhr
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20 Kommentare
Und heute? Es ist zwar zum Glück kein Problem mehr, wenn ein Politiker mit einem Kerl ins Bett hüpft, aber ein aussereheliches Intermezzo gilt immer noch als abartig, und das obwohl mittlerweile mehr als die Hälfte der Ehen geschieden werden.
Politiker, die Affären haben sind mir sympatisch, weil es ihnen ein gewisses Mass an Menschlichkeit bescheinigt.
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"Heute lebt sie zurückgezogen mit ihren zwei Katzen..." Das sagt ja schon praktisch alles. Ihre Eskapaden scheinen sich "ausbezahlt" zu haben in Einsamkeit. Natürlich kann ich das nicht genau wissen da ich vorher noch nie von ihr gehört habe, das gebe ich zu. Aber ich nehme es jetzt einfach mal an. Und ich würde es ihr gönnen, solche skrupellosen Machtmenschen büssen irgendwann immer für ihr Tun.. Antworten
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