«Kein Kavaliersdelikt»: Widmer-Schlumpf verteidigt Festnahme von Polanski
Aktualisiert am 28.09.2009 61 Kommentare
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Widmer-Schlumpf im TV-Interview
(Quelle: Schweizer Fernsehen)
Kunstschaffende fordern Freilassung
Filmschaffende und Künstler aus aller Welt verlangen die sofortige Freilassung des in der Schweiz inhaftierten Regisseurs Roman Polanski. Sie unterzeichneten eine Petition, die am Sonntagabend der Nachrichtenagentur AFP übermittelt wurde. Unter den Erstunterzeichnern sind zahlreiche Filmemacher wie Costa-Gavras, Wong Kar-Wai, Ettore Scola und Marco Bellocchio sowie Schauspielerinnen wie Fanny Ardant und Monica Bellucci. Die Unterzeichner sind entrüstet, dass eine internationale kulturelle Veranstaltung missbraucht worden sei für eine polizeiliche Aktion. Unannehmbar sei zudem, dass Polanski in einem neutralen Land verhaftet worden sei, in dem er bis dahin glaubte, sich frei bewegen zu können.
Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hat die Festnahme des Starregisseurs Roman Polanski bei der Einreise in die Schweiz verteidigt. Rechtsstaatlich sei dies der einzig gangbare Weg gewesen, sagte die Justizministerin am Sonntagabend in Bern. Für die Empörung der Filmbranche zeigte sie nur bedingt Verständnis.
Widmer-Schlumpf unterstrich vor den Medien, dass seitens der USA kein Druck auf die Schweiz ausgeübt worden sei. Polanski werde seit 2005 von Interpol ausgeschrieben und mit den USA bestehe wie mit anderen Ländern auch ein Vertrag, der die Schweiz verpflichte, Personen festzunehmen, gegen die ein Haftbefehl vorliege. «Es war klar, dass wir dem Gesuch entsprechen», sagte Widmer-Schlumpf. Rechtsstaatlich sei dies der einzige Weg gewesen, den man habe gehen können.
«Es geht nicht um ein Kavaliersdelikt»
Widmer-Schlumpf würdigte zwar Polanskis Filmschaffen: «Ich kenne seine Filme. Sie haben mich sehr beeindruckt.» Sie machte aber auch deutlich, dass es keinen Grund gebe, ihn aufgrund seiner Stellung anders zu behandeln. «Zudem geht es nicht um ein Kavaliersdelikt», sondern um den schweren Straftatbestand einer Vergewaltigung. In diesem Zusammenhang zeigte die Justizministerin auch wenig Verständnis für die Empörung der Schweizer Filmemacher, die die Festnahme scharf kritisiert hatten. «Ich verstehe die Filmer aus ihrer Optik als Künstler, aber nicht als Staatsbürger», sagte Widmer-Schlumpf. Schliesslich würden gerade sie sich auch immer wieder für Ethik, Moral und Gleichbehandlung einsetzen.
Auf die Frage, weshalb Polanski nicht bereits bei früheren Besuchen in der Schweiz festgehalten wurde, erklärte die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD), die Behörden seien damals nicht im Vornherein informiert gewesen. Diesmal sei sein Besuch aber angekündigt worden, und Polanski müsse sich der Risiken bewusst gewesen sein.
Laut Widmer-Schlumpf bleibt der 76-jährige Regisseur bis zum Abschluss des Verfahrens in Zürich. Die USA hätten 60 Tage Zeit, ein formelles Auslieferungsgesuch nachzureichen. Und man sei natürlich daran interessiert, die Situation möglichst rasch zu klären.
Reaktionen der Parteien
FDP-Präsident Fulvio Pelli sagte auf Schweizer Radio DRS, die Festnahme überrasche ihn. Aus der Vergangenheit von Polanski gebe es aber eben nicht nur schöne Filme, sondern auch «ungeheuer schlechte Informationen». Polanski habe sein Vergehen gestanden und sei deswegen aus den USA geflohen.
SVP-Präsident Toni Brunner sah Hinweise, wonach die «Schweiz als verlängerter Arm der US-Justiz» gehandelt haben könnte. Versuche, fremden Herren zu dienen, seien gefährlich. CVP-Präsident Christophe Darbellay bezeichnete die Vergewaltigung eines Kindes als «die schlimmste Sache». Er würde Polanski sofort in die USA ausschaffen, sagte er.
Für Ueli Leuenberger, den Präsidenten der Grünen, war die Festnahme des Ehrengastes des Zurich Film Festival völlig unverständlich. Der Filmemacher sei in der Vergangenheit mehrmals unbehelligt in die Schweiz eingereist. SP-Präsident Christian Levrat schliesslich mochte den Vorfall nicht kommentieren. Es handle sich um eine Angelegenheit der Justiz, und er kenne die Ausgangslage nicht. (vin/ap/sda)
Erstellt: 28.09.2009, 08:50 Uhr
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61 Kommentare
Warum ist er denn abgehauen? Weil ihn in den 70er Jahren kein fairer Prozess erwartet hätte. Dies hat auch das Opfer so gesehen. Die damaligen Richter haben mit einem Strafmass gedroht, das wohl so hoch gewesen wäre wie die Strafe für die bestialischen Mörder seiner Frau Sharon Tate. Rechtsstaat?? Antworten
polanski muss für seine taten rechenschaft ablegen, das recht gilt auch für ihn, er steht nicht über dem gesetz, ich verstehe länder nicht die ihn über das gesetz stellen, dass er bisher überall ungehindert einreisen konnte ist ein anderes lied... Antworten
















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