Panorama

Missen-Land Schweiz im Krönchen-Überdruss

Von Simone Matthieu. Aktualisiert am 24.09.2009 22 Kommentare

Die Zuschauer-Quote sinkt, die Einnahmen der Schönheitskönigin ebenfalls. Liegt es an der Krise wie die Miss-Schweiz-Organisation behauptet? Oder hat der Missen-Kult hierzulande seinen Zenit erreicht?

1/5 toyloy.JPG
Der Verdienst der amtierende Miss Schweiz, Whitney Toyloy, ist tiefer als der ihrer Vorgängerin. Ein Novum: Bisher toppte jede neue Miss die Einnahmen der letzten.
Bild: Keystone

   

Artikel zum Thema

TV-Übertragung der Miss-Wahl

Am Samstag, 26. September 2009, übertragen SF, TSR 1 und TSI 1 die «Miss Schweiz Wahl 2009» live aus der Arena Genève. 20 Uhr.

Die Schweiz – ein Missen-Paradies. In kaum einer anderen westlichen Industrienation gibt es dermassen viele Schönheitswahlen. Es sind inzwischen so viele, dass niemand mehr den Überblick hat. Ausserdem hat die Königin der Schönheitsköniginnen, die Miss Schweiz, während ihres Amtsjahrs einen Prominentenstatus wie ihn anderswo nur Adlige und internationale Superstars haben. Wenn sie es ein bisschen geschickt anstellt, kann eine Miss Schweiz sogar als Ex-Miss noch Jahre nach ihrer Wahl von dem Titel zehren. Auch das ein Schweizer Phänomen.

Die Schweizer lieben ihre Beauties so sehr, dass die TV-Übertragung der Miss-Schweiz-Wahl regelmässig Rekordquoten von nahezu einer Million Zuschauer holte. Die Nachfrage nach den Schönen nahm immer weiter zu, jede neue Miss verdiente mehr als ihre Vorgängerin. In den letzten Jahren tat sich zudem ein weiteres Feld auf, das sich wunderbar beackern liess: Vize-Missen wie Xenia Tchoumitcheva standen plötzlich ebenso die Türen zu einer Karriere im Showbiz offen wie den Missen selber.

Miss-Wahlen am Wendepunkt

Doch langsam scheint der Missen-Kult seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Seit 2006 schauen rund 300'000 weniger zu, wenn das Krönchen die Besitzerin wechselt. 2008 erreichte die Quote einen historischen Tiefstand von 649'000 Zuschauern. Kritiker monieren, die Show sei langweilig und stets nach dem gleichen Strickmuster aufgezogen: Drei Catwalk-Durchläufe der Kandidatinnen, gemischt mit Filmporträts derselben sowie Auftritten von Musik-Formationen.

Zufall, dass heuer ein viertes Defilée in Cocktail-Kleidern als «grosse Neuheit» angepriesen wird? Es ist nämlich nicht nur die Zuschauer-Quote der Show, die abnimmt. Erstmals seit über zehn Jahren hat die aktuelle Miss Schweiz weniger verdient als ihre Vorgängerin. Auf dem Konto von Whitney Toyloy landeten mindestens 50'000 Franken weniger als auf dem von Amanda Ammann. Und das, obwohl Ammann als eine der unscheinbarsten Missen gilt und Toyloy nach ihrem guten Abschneiden an den Miss-Universe-Wahlen als weitere Rekord-Miss gehandelt wurde. Mit ihrem Beliebtheitsgrad hat das Einkommen der einzelnen Krönchen-Trägerinnen allerdings eher wenig zu tun. Eine Miss Schweiz generiert 70 bis 80 Prozent ihres Umsatzes aus Sponsorenverträgen, die bereits vor ihrer Wahl stehen.

Krise soll schuld sein

Die Miss-Schweiz-Organisation erklärt die Umsatz-Einbusse mit der schlechten Wirtschaftslage. Allerdings hat die «Franfurter Allgemeine Zeitung» erst vor zwei Monaten Ergebnisse präsentiert, nach denen in der Krise wieder mehr Unternehmen auf prominente Werbeträger setzen. Von den Testimonials versprächen sie sich schnelle Aufmerksamkeit, höheren Verkauf und sofort sichtbare Resultate. Demnach hätte die aktuelle Miss Schweiz eher mehr verdienen sollen als weniger.

Sind die Schweizer also einfach langsam Missen-müde? Eine erste Antwort auf diese Frage wird die Wahl-Nacht vom Samstag liefern. Bleibt die Quote erneut im Bereich von 600'000 müssten sich die Missen-Macher wohl ein bisschen mehr überlegen, als eine klitzekleine kosmetische Korrektur an der Show. Bloss ein weiteres Defilée dürfte kaum viel am Gesamteindruck des Anlasses ändern. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.09.2009, 12:21 Uhr

22

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

22 Kommentare

Rolf Heinmann

24.09.2009, 13:14 Uhr
Melden

Bald gibt es in der Schweiz mehr Missen als Nicht-Missen. Für jeden Käse gibt es bereits eine Miss-Wahl. Miss-Fareast, Miss-Russia Switzerland, Miss Schweiz und und und. Fehlt nur noch die Miss-Verständnis :-) Antworten


stefan beer

24.09.2009, 12:23 Uhr
Melden

Missen sind ja vor allem ein produkt der Medien um freien Platz in diversen Rubriken zu füllen. Bestes Beispiel Tele Züri: Zu jedem noch so blödem Thema wird einer Miss ein Mikrofon zur stellungsnahme hingehalten, dann fast tägliche Vorschauen zur Wahl, dann logischerweise im Talk Täglich, un zu guter letzt dann noch eine Homestory mit Frau Bossert. Antworten



Panorama

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Grandioses Berg-Erleben.

Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.