Panorama
Moritz Leuenberger tröstet Mister Schweiz
Nimmt den Mister Schweiz in Schutz: Medien-Minister Moritz Leuenberger.
Unser Medien- und Verkehrs-Minister scheint sich sehr für die Schweizer Schönheits-Königinnen und -Könige zu interessieren.
Nachdem er letztes Jahr in seinem Internet-Blog die Miss-Wahlen als «leuchtendes Beispiel für Bundesratswahlen» empfohlen hatte, rühmt er nun den amtierenden Mister Schweiz André Reithebuch.
Der Glarner steht öffentlich zu seiner Leseschwäche (Illetrismus) und hat damit eine landesweite Diskussion ausgelöst. Die meisten Menschen in westlichen Nationen wie der Schweiz schämen sich, wenn sie nicht gut lesen und schreiben können – das wird bei jedermann und jederfrau vorausgesetzt.
Viel Lob für Reithebuchs Mut
Reithebuchs Geständnis hat zwiespältige Reaktionen hervorgerufen. Die einen loben seinen Mut, dieses Tabuthema anzusprechen. Andere wettern, der Handwerker blamiere damit seine Lehrer und fragen, ob Lesen und Schreiben nicht zu den Grundeigenschaften eines Mister Schweiz gehören müsse.
Nun schaltet sich Moritz Leuenberger ein und nimmt Reithebuch auf seinem Online-Tagebuch in Schutz: «Heute will ich dem amtierenden Mister Schweiz Trost spenden», so Leuenberger. «Was ist denn das für eine elitäre Empörung, die da gepflegt wird, er sei lesefaul oder er könne nicht gut lesen. Ist es nicht traurig, dass diese Leseschwäche verborgen werden muss, weil sie als Makel verstanden wird?» Genau das treibe eine Spirale an mit der Folge, dass sich die Leseschwäche verschlimmere und der Betroffene zu immer raffinierteren Verschleierungstaktiken greifen müsse, so der Bundesrat.
«Seit wann wählen wir einen Mister und eine Miss Schweiz, weil er oder sie Lese- oder gar Literaturhelden wären? Sie werden doch gewählt, weil sie gut aussehen und gut repräsentieren können», stellt Leuenberger klar.
Leuenberger solidarisiert sich mit dem Mister Schweiz
Lob erhält auch der «Dachverband Lesen und Schreiben Schweiz», der sich dem neuen Mister Schweiz annimmt, um die Erwachsenenbildung zu fördern. «Das zeigt, was es bewirken kann, wenn eine öffentliche Person zu ihren Eigenarten steht. Einen Mister Schweiz mit einer so grossen politischen Wirkung hat es wohl noch gar nie gegeben», ist Leuenberger überzeugt. Am Ende seines Eintrags solidarisiert er sich gar mit Reithebuch: «Wenn er diesen Blog nicht lesen will oder kann, verstehe ich ihn gut. Ich tue mich manchmal auch schwer mit Lesen.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.06.2009, 13:31 Uhr
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