Panorama
René Kuhn kann die Frauenschelte nicht lassen
Von Erwin Haas, Luzern. Aktualisiert am 28.04.2010 39 Kommentare
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Seine Tiraden gegen «linke Emanzen», «zerlumpte Vogelscheuchen» und das Schweizer «Gruselkabinett» von Frauen, die auf ihr Äusseres keinerlei Wert legten, haben René Kuhn letzten Sommer die politische Karriere gekostet. Selbst bei der SVP war der damalige Grossstadtrat und Präsident der Stadtluzerner Volkspartei mit seinen Verunglimpfungen in einem Blog nicht mehr erwünscht. Kuhn trat im August 2009 zurück und hängte seine 20-jährige politische Laufbahn an den Nagel.
Doch der Kampf gegen den Feminismus scheint dem 43-jährigen Informatiker, der mit seiner russischen Frau Oxana «glücklich verheiratet» ist und eine Tochter hat, ein Herzensanliegen zu sein. Im Januar hat er im Eigenverlag sein erstes Buch veröffentlicht: «Zurück zur Frau. Weg mit den Mannsweibern und Vogelscheuchen. Ein Tabubruch». Darin schrieb er auf mehr als 200 Seiten gegen «schlampige Ehefrauen», Sozialarbeiterinnen und Feministinnen an, die nach seiner Meinung nicht die Gleichberechtigung anstreben, sondern ihre Privilegierung auf Kosten der Männer. Zudem rechnete er mit der «Medienhetze» ab, die ihn zum Rücktritt zwang, und er liess seiner Verachtung für SVP-Kantonalpräsident Josef Kunz freien Lauf.
Gleichgesinnte gesucht
Seit neustem betreibt Kuhn nun eine neue Website namens Antifeminismus.ch und sucht – auch via Facebook – Gleichgesinnte, die ihm abschreckende Beispiele liefern. In Kategorien wie Familie, Gesellschaft, Beruf, Gewalt und Recht versucht er zu belegen, dass sich der Begriff Emanzipation längst zum «destruktiven Anspruchsverhalten gegenüber Männern, Gesellschaft und Staat» entwickelt habe.
Die Interessengemeinschaft IG Anti-Feminismus habe bereits über 100 Mitglieder, darunter 20 Frauen, schrieb Kuhn eine Woche nach dem Website-Start. Seinen Sympathisanten hat er Anonymität zugesichert. Das Gästebuch von Kuhns Website zeigt Dutzende von Zuschriften, aber nicht nur Zuspruch. Dieser fällt auffallend häufig sehr kurz und plakativ aus, im Sinne von «weiter so». Differenzierte Beiträge stammen von Kritikerinnen – wenn sie nicht ebenso kurz einfach schreiben, dies sei «das Dümmste», was sie je gesehen hätten.
SVP-Kantonalpräsident Kunz hat «Wichtigeres zu tun», als die Antifeminismus-Website anzuschauen. Auch seine Vorgängerin Yvette Estermann, die ihm 2009 nicht zuletzt wegen ihrer Frauenförderungsideen Platz machen musste, hat die Seite noch nicht besucht. Für Kuhns Haltung hat sie allerdings ein gewisses Verständnis. Für sie sei die Gleichstellung in der ehemaligen Tschechoslowakei, wo sie aufwuchs, kein Thema gewesen: «Ich durfte auf Bäume klettern, kann Nägel einschlagen und löten. In der Schweiz hingegen vermisse ich oft die Stärke der Frau. Viele verstehen sich als schwaches Opfer. Dabei ist die Frau biologisch das stärkere Geschlecht und braucht keine Quoten in Politik und Verwaltung.» Kuhn habe «aus der Not eine Tugend gemacht» und eine Marktlücke entdeckt. Das sei ihm nicht zu verübeln.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.04.2010, 22:30 Uhr
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