Hau den Blocher

Von Simone Matthieu. Aktualisiert am 03.12.2009

Sich öffentlich gegen Blocher und die SVP zu stellen, garantiert breite Aufmerksamkeit. Ein inzwischen altbekannter PR-Trick, dessen sich Schweizer Künstler immer wieder gern bedienen.

1/8 Ex-Miss-Schweiz Whitney Toyloy ist das jüngste Beispiel für eine Prominente, die sich mit der SVP («Die SVP ist die Union der Vollidioten») anlegt und dadurch die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Bild: Keystone

   

Wer verbal kräftig auf Alt-Bundesrat Christoph Blocher losgeht, wird postwendend zum Helden der Schlagzeilen, zum Medien-Kreuzritter für die vordergründig zur Schau getragene Anti-SVP-Gesinnung der Eidgenossen.

Wörter wie «Blocher», «SVP», «Idiot», «Fuck», «Faschismus», «widerlich» in einer Schlagzeile kombiniert, bringen Aufmerksamkeit und die Garantie, dass ein solchermassen angekündigter Artikel gelesen, ein solcher TV-Beitrag angesehen wird. Die Anti-Blocher-Front findet beim Zugemüteführen Bestätigung für die eigene Meinung. Und die Pro-Blocher-Fraktion kann sich genüsslich in der liebgewonnenen Empörung wälzen, dass ihr Anführer wieder einmal als Hassfigur herhalten muss.

Ein Gewinn für alle

Eine Win-Win-Situation: Die Medien machen gute Quote und der Blocher-Verunglimpfer wird – egal wie unbekannt er ist und wie unbedeutend seine Aussagen sind – zum Mann der Stunde. Oder zur Frau der Stunde, wie Ex-Miss-Schweiz Whitney Toyloy zurzeit beweist.

Die bereits etwas in Vergessenheit geratene Schönheitskönigin fand flugs zurück auf die Titelseiten. Weil sie in ihrem Facebook-Profil als Reaktion auf die Minarett-Initiative schrieb: «Die SVP ist die Union der Vollidioten».

Niemandem würde in den Sinn kommen, solch persönlichkeitsverletzende Äusserungen zu geisseln. Je flegelhafter der Ton einer Blocher- oder SVP-Attacke, desto grösser der Beifall. So kann denn auch Rapper Stress der Rechts-Partei ungehemmt «Bande von Faschos. Lutscht meinen Schwanz» entgegenschleudern. Und Thomas Hirschhorn im sicheren Pariser Exil ein Bein zum symbolischen Pinkeln über ein Bild von Blocher anheben.

Vorwurf der Anti-Blocher-Front wird zum Bumerang

Die Hirschhorn-Aktion hatte zwar zur Folge, dass der Ständerat der Pro Helvetia, der Stiftung zur finanziellen Unterstützung von Schweizer Kunst, die Beiträge kürzte. Hirschhorn selber wurde aber mehr oder weniger offen für seinen «Mut» gefeiert.

Bezeichnenderweise kommt Kritik an der derben Anti-SVP-Kunst aus den eigenen Reihen. Kutti MC, der Dichter und Denker unter den Rappern, hält die «Fuck Blocher»-Rufe für lächerlich, wie er gegenüber der «Weltwoche» sagt. Lächerlich findet Kutti MC auch die Meinung der Medien, hier wachse eine Jugend heran, die wieder politisch werde: «Da steckt wenig wirkliches Engagement dahinter. Wenn ein Künstler explizit politisch sein will, sollte er nicht bloss etwas bestätigen, was das Publikum ohnehin denkt. Er müsste zum Nachdenken anregen», so Kutti.

Dass Letzteres kaum je der Fall ist, dürfte nicht wirklich verwundern: Eine durchdachte SVP-Kritik mit Hand und Fuss zu verfassen, die auch dem künstlerischen Anspruch gerecht wird, ist doch einiges aufwändiger und schwieriger, als ein uninspiriertes «Fuck Blocher» in die Runde zu schreien. Die Anti-Blocher-Front legt damit an den Tag, was sie der SVP nur zu gerne vorwirft: ein unzimperliches und undifferenziertes Verhalten dem Gegner gegenüber. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.12.2009, 11:04 Uhr

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