Sollte man in solchen Fällen vielleicht besser lügen?

Dass sich ausgerechnet BAG-Botschafter Beat Schlatter nicht gegen Schweinegrippe impfen lässt, löste einen grossen Wirbel aus. Welche Konsequenzen das alles hat, erklärt der Komiker.

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Beat Schlatter, Botschafter des Bundesamt für Gesundheit, empfiehlt den TV-Zuschauern, sich gegen Grippe impfen zu lassen.


Stellungnahme des BAG

«Wichtig ist, dass sich all jene, die zu einer Risikogruppe gehören, gegen das H1N1-Virus impfen lassen. Ob Herr Schlatter zu einer Risikogruppe gehört, können wir nicht beurteilen. Grundsätzlich gilt: Wer nicht krank werden will, kann sich impfen lassen.

Letztlich ist es aber ein persönlicher und individueller Entscheid. Das gilt auch für Herrn Schlatter.

Herr Schlatter hat sich nach Beratung mit seinem Hausarzt aus medizinischen Gründen gegen die Impfung entschieden hat. Die Details gehören zu seiner Privatsphäre. Er ist aber keinesfalls gegen eine Impfung und empfiehlt Bekannten und Freunden, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und mit einer Fachperson darüber zu sprechen.»

Herr Schlatter. Sie werben für die Schweinegrippe-Impfung, lassen sich aber selber nicht impfen. Warum das?
Zuerst einmal: Ich bin kein Impfgegner. Da ich mich seit längerem mit dem Thema Schweinegrippe auseinandersetze, war ich einer der ersten, der beim Hausarzt wegen einer Impfung anfragte. Mein Arzt riet mir ab, weil der Impfstoff sich eventuell mit einer Behandlung, die ich Anfang Jahr machen musste, nicht vertragen könnte.

Ist es nicht unbedacht für Sie als Werbefigur des Bundesamts für Gesundheit, in der Öffentlichkeit zu sagen, dass Sie sich nicht impfen lassen.
Ich hab mir im Nachhinein tatsächlich überlegt: Sollte man in solchen Fällen vielleicht besser lügen?

Zu welchem Schluss kamen Sie?
Ich hätte via Zeitung die ganze Nation belogen. Das ist gegen meine Prinzipien.

Wie konnte es denn überhaupt dazu kommen, dass Ihr Nicht-Impfen zum Medienthema wird?
Ich habe das in einem Gespräch mit einem Journalisten beiläufig erwähnt, wusste aber nicht, dass man daraus gleich einen solchen Artikel machen würde. Ich war total perplex. Es lief immer so gut mit dem BAG, meine Werbespots kamen gut an, ich bekam Dankesbriefe - und nun wird das alles wegen einem unnötigen kleinen Seich aufs Spiel gesetzt.

Es gibt nichts Älteres als die Schlagzeile von gestern, sagt man. So gesehen brauchen Sie sich nicht dermassen über diese Geschichte aufzuregen.
Sehen Sie, als ich mit der Schweinegrippe-Kampagne begann, sagte ich mir, ich will eine Schlagzeile nie lesen: ‹Schlatter hat die Schweinegrippe›. Deshalb habe ich alles getan, um das zu verhindern. Ich finde es aus diesem Grund nicht in Ordnung, mir vorzuwerfen, dass ich mich nicht impfen lasse. Ich bin der Erste, der sich impfen lassen würde. Ich liess es auf Anraten meines Hausarztes bleiben. Ich befolge aber sonst alle Richtlinien des BAG, um eine Ausbreitung der Schweinegrippe zu verhindern wie Händewaschen, richtiges Schneuzen und so weiter.

Hat das Ganze Konsequenzen für Ihre Zusammenarbeit mit dem BAG?
Die waren natürlich verärgert über die Geschichte. Zum Glück arbeiten dort Profis, die wissen, wie man in einem solchen Fall handelt.

Jetzt ist wieder alles in Butter?
Ja, es ist alles ok. Von mir aus gesehen hat sich nichts an der Zusammenarbeit geändert. Ich bin einfach froh, hat das BAG gleich reagiert und sofort eine Stellungnahme verfasst, in der man sich klar hinter mich stellt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 10.12.2009, 15:31 Uhr

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18 KOMMENTARE

albert bänziger

18.12.2009, 06:56 Uhr

ich werde mich nicht mehr impfen nach dieser panik mache


Peter Gutknecht

10.12.2009, 17:27 Uhr

ob das ein raffinierter PR-Schachzug sei, da das BAG plötzlich wegen der Nebenwirkungen besorgt ist ?


Lukas Schaer

10.12.2009, 14:59 Uhr

Egal was sein Arzt sagt: Es ist schon total peinlich und unglaubwürdig, wenn der Mensch der den Leuten jeden Abend und wohl für gutes Geld erklärt wie man sich verhalten soll, sich selber nicht an diese Empfehlungen hält. Händewaschen und Schneuzen ohne meine Mitmenschen vollzusabern hab ich auch ohne Schlater-Werbung bisher einigermassen hingekriegt...


Marco Lardi

10.12.2009, 14:29 Uhr

Apropos Schweinegrippe, wo ist eigentlich diese Schweinegrippe geblieben?


Liselotte Weber

10.12.2009, 14:19 Uhr

erstens habe ich mich schon von anfang an daran gestört, dass ausgerechnet ein komiker uns die doch ernste botschaft in zusammenhang mit der schweingrippe, deren gefahren, der nützlichen vorsorge und der impfempfehlung schmackhaft machen sollte. dass sich dieser komiker nun zudem, angeblich aus gesundheitlichen gründen, als nicht-impfgeeignet erweist ist doch geradezu grotesk, ober gar komisch !


Joanna Johnson

10.12.2009, 14:16 Uhr

Ich finde es gut und richtig, dass Herr Schlatter nicht gelogen hat. Ich bin der Meinung es ist wichtig, den Rat des Hausarztes zu befolgen, wenn er Aufgrund von Vorbehandlungen oder bestehnden Krankheiten/ Beschwerden von einer Impfung abrät. Der Arzt wird schon wissen warum!


Ronny rüegger

10.12.2009, 14:11 Uhr

... und ich habe immer gedacht Georg Clooney trinkt nur Nespresso oder Roger Federer rasiert sich nur mit Gilette oder Martina Hingis kocht nur mit V-Zug oder Steffi Graf isst nur beim Italiener, und, und, und....


Chatelain Fred

10.12.2009, 14:00 Uhr

Nur eine kleine Frage: Muss ein Schauspieler, der einen Mörder spielt, zwangsläufig einen Mord begehen, um die Rolle gut spielen zu können?


Daniel Wigger

10.12.2009, 13:52 Uhr

Beat Schlatter ist doch nur ein Schauspieler, er muss nicht für die Überzeugungen eintreten, die er darstellt. Oder meinen sie, Dr House sei in Wirklichkeit so zynisch wie im Film?


oliver keller

10.12.2009, 13:43 Uhr

Ich verstehe Beat Schlatter nur zu gut...schliesslich wäscht er sich die Hände immer gut mit Söifi. Isch im Fall kein Witz!


Roger Jost

10.12.2009, 13:43 Uhr

Beat Schlatter ist sowieso ein Witzfigur, dass er sich für so eine lächerliche Kampagne einspannen liess. Er hat bei mir dadurch jeden Kredit verspielt. Immerhin hat er den Schwachsinn, den er im Spot erzählt, wohl doch nicht geglaubt und auf eine Impfung verzichtet.


Meinrad Jnglin

10.12.2009, 13:30 Uhr

danke herr schlatter, dass sie so offen und ehrlich sind. ich gratuliere ihnen zu ihrer haltung und zu der guten arbeit als grippe-botschafter. es ist ja privatsache, ob man sich impfen lässt. doch in ihrem fall interessiert das die bevölkerung, weil sie ja für die grippe-impfung werben. aber wenn der hausarzt ihnen persönlich abrät und sie dies befolgen, dann zeigt das verantwortungsbewusstsein.


Patrick Ryf

10.12.2009, 13:22 Uhr

Lügen wie zum Beispiel bei 911, der Schweinegrippe, der Klimaerwährmung usw. Lügen ist beim Wahrheitsministerium Programm. Mit dieser Frage haben die Medienschaffenden genau diese Ihre Lügenkultur selber entlarvt. Wir sind nicht Alle so blöd wie Ihr denkt. Darum hätte man den Artikel gleich mit einem Ausrufezeichen versehen können. Die Glaubwürdigkeit ist eh schon zerstört. Ignoranz ist Stärke!!!


Teofilo Folengo

10.12.2009, 13:17 Uhr

Ich frage mich , was das wohl für eine Behandlung sein sollte, die sich nicht mit der Impfung verträgt... Eine Vermutung habe ich (als Arzt) schon - aber sie ist für Herrn Schlatter nicht gerade schmeichelhaft und ich kann gut verstehen, warum er sie nicht offenlegt. Für den Rest der Bevölkerung gibt es keine Kontraindikationen ausser Allergie auf Hühnereiweiss und Guillaine-Barre Syndrom.


Peter Allegrini

10.12.2009, 12:20 Uhr

Sollte man in solchen Fällen vielleicht besser die Impfeinwilligung in den Vertrag schreiben?


Daniel Nipkow

10.12.2009, 12:08 Uhr

Das BAG macht sich mit der Verpflichtung eines Botschafters unglaubwürdig, weil sich dieser aus persönlichen Gründen nicht in umfassendem Sinn mit der Impfkampagne identifizieren kann. Peinlich.


Hans Abächerli

10.12.2009, 12:01 Uhr

Wahrscheinlich ist es eine Illusion zu hoffen, dass die Sensationsreporter erst mal die ganze Geschichte anhören, BEVOR sie Schlagzeilen verfassen.....!


Helena Müller

10.12.2009, 11:54 Uhr

Bravo Beat Schlatter. Aus welchem Grund auch immer du dich nicht impfst - sicher tust du deiner Gesundheit einen Gefallen. Vielleicht hältst du dich jedoch das nächste Mal fern von fragwürdigen Kampagnen und Panikmache. Es gibt Sinnvolleres, um Geld zu verdienen.



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