Fauler Zauber in der Unternehmensberatung

Der Berner Illusionist Gabriel Palacios benutzt Zaubertricks, um Aufträge als Unternehmensberater zu akquirieren. Das stösst der Illusionisten-Gilde sauer auf.

Ein Zauberer, der die Konkurrenz ärgert: Gabriel Palacios sagt, er könne Menschen lesen und beeinflussen.

Ein Zauberer, der die Konkurrenz ärgert: Gabriel Palacios sagt, er könne Menschen lesen und beeinflussen. Bild: PD

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Die TV-Show «The Next Uri Geller» war 2009 Gabriel Palacios’ Einstand in der Welt des Showbusiness. Zusammen mit einem Partner präsentierte der Zauberkünstler sogenannten Mentalismus. Der Berner spürte mit verbundenen Augen, welche Position sein Partner eingenommen hatte, und stellte sie nach. Die beiden schieden früh aus, und auch Palacios’ weiterem Weg im Showbusiness war nicht der erhoffte Erfolg beschieden.

Nun hat der 23-Jährige umgesattelt. Im Mai 2012 gründete er die Firma Palacios Relations, deren Angebot breit gefächert ist. Palacios macht Hypnosetherapien (laut seiner Website sind sie auf Monate ausgebucht), bietet Hypnoseausbildungen an, «coacht Manager, Professoren und Ärzte», «referiert für internationale Grosskonzerne» und hilft Firmen im Rahmen von Seminaren und Coachings auf mentaler Ebene «bei Verkaufsförderungsmassnahmen». Palacios über sich selbst: «Meine Begabung liegt primär darin, den Menschen zu lesen, zu erkennen, positiv zu beeinflussen und nahezu Wunder bewirken zu können.»

Menschen beeinflussen

Zwei solcher Fast-Wunder präsentierte Palacios am Berner Marketingtag Ende November. Vor rund 500 Marketingkadern erklärte er im Rahmen seines Vortrags «Mut zur Unvernunft – mit Intuition zum Erfolg», dass es möglich sei, Menschen zu lesen und zu beeinflussen. Im Gespräch mit Moderatorin Andrea Jansen bezeichnete er seine Methode als «wissenschaftlich und mit Quellen und Theorien unterlegt». Zur Demonstration seiner Fähigkeiten griff Palacios gemäss Zaubererkollegen dann zu Tricks. So behauptete er, einem Probanden ansehen zu können, mit welcher Zahl nach oben dieser einen Würfel in der Hand verstecke. Einen anderen Probanden liess er verschiedene Cumulus- und Halbtaxkarten aus einem Portemonnaie nehmen. Palacios nannte dann, ohne hingesehen zu haben, in welcher Reihenfolge der Mann die Karten aus dem Portemonnaie genommen hatte.

«Dabei halfen ihm jedoch nicht wie behauptet Intuition und mentale Fähigkeiten, sondern profane Sender, welche die Position des Würfels und der Karten im Portemonnaie an ihn übermittelten. Das sind verbreitete Tools, die man im Internet bestellen kann», sagt der Präsident des Klubs Zürcher Magier, Luciano Gerosa. Palacios bestreitet Gerosas Vorwürfe. Zwar habe er sich für die Bühne abgesichert, jedoch nicht mit Elektronik, sondern Ablenkungsvarianten.

Zaubertrick bei Aeschbacher

In der Sendung «Aeschbacher» bewies Palacios seine mentalen Kräfte mit einem Zaubertrick, den er nicht bestreitet. So bog er eine Münze – für die Kamera sichtbar – mechanisch, bevor er sie Moderator Kurt Aeschbacher in die Faust drückte, wo sie sich dank angeblicher Gedankenkraft erst verbog. Sein Ziel sei gewesen, die Zuschauer auf «ihre mentalen Kräfte in Trance zu sensibilisieren». Der Trick sei nötig gewesen, da für eine derartige Tranceeinführung zu wenig Zeit zur Verfügung stand. «Ich habe das mit der Münze lediglich auf Aeschbachers Wunsch hin gemacht, ich arbeite jetzt nur noch auf Basis von Hypnose, Mentalismus und Suggestionen.»

Im angestrebten Branchenwechsel von der Zauberei zur Unternehmensberatung auf Basis von Mentalismus und Hypnose sucht Palacios nicht nur an den Berner Marketingtagen die Nähe zur Geschäftswelt. Er nutzte auch das Swiss Marketing Institute (SMI). Die von Branchenkennern als seriös bezeichnete Schule bietet vor allem den nötigen Vorkurs für die Prüfung zum eidgenössischen Marketingfachmann an. Daneben können auch einzelne Seminare gebucht werden, so seit kurzem auch eines mit Palacios unter dem Titel «Unterbewusste Kommunikation – die Macht des Ausdrucks».

Mit dem Segen des Swiss Marketing Institutes

Die Partnerschaft zwischen dem SMI und Palacios macht den Eindruck einer Zweckehe. Palacios, der unzählige Medienauftritte absolviert hat, tingelt derzeit mit seinem Bestseller «Ich sehe dich» durch die Talkshows der Regionalsender. Das SMI sponsert ihm zusätzlich einen wöchentlichen Auftritt im Berner Radiosender Capital FM. So profitiert das SMI von Palacios’ Bekanntheit und Palacios vom seriösen Image des SMI.

Wenig erfreut über Palacios’ Seitenwechsel sind seine ehemaligen Zauberkollegen. «Wenn jemand Zaubertricks verwendet, um damit andere Zwecke als die reine Verblüffung eines Publikums zu verfolgen, oder vorgibt, er verfüge über echte magische Fähigkeiten, dann distanzieren wir uns klar von diesen Personen», sagt Martin Bögli vom Magischen Club Bern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.01.2013, 10:41 Uhr

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