«100'000 Franken sind ein Grund, um jemanden zu verpfeifen»

Ist die Höhe des Kopfgelds im Fall Rupperswil angemessen? Können die Täter so gefasst werden? Dazu Kriminologe Markus Melzl.

Ehemaliger Kriminalkommissär und Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft: Markus Melzl.

Ehemaliger Kriminalkommissär und Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft: Markus Melzl. Bild: zvg

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Herr Melzl, 100'000 Franken Belohnung: Finden Sie diesen Betrag angemessen?
Es sind notabene vier Personen, die getötet worden sind. Ich finde es deshalb wichtig, dass man einen hohen Betrag in Aussicht stellt. Die Schwere der Tat bestimmt die Höhe der Belohnung. Und für den Kanton Aargau wäre dieser Betrag ja auch kein Beinbruch, wenn er ihn bezahlen müsste.

Ist es die höchste Belohnung, die je in der Schweiz ausgesetzt worden ist?
Ja, ich kann mich nicht erinnern, dass man hierzulande je ein solch hohes Kopfgeld ausgesetzt hat. In meiner aktiven Zeit bis 2012 hatten wir bei einem Tötungsdelikt die Schallgrenze von 10'000 Franken und auch das nicht oft. Abgesehen davon sind Belohnungen aus Erfahrung selten erfolgreich und werden in ganz wenigen Fällen auch wirklich ausgezahlt.

Wir müssen also davon ausgehen, dass das Vorgehen der Aargauer Polizei gar nichts bringt?
Ich glaube zumindest nicht, dass sich jemand aus der Nachbarschaft oder jemand mit Informationen erst jetzt meldet und vorher immer geschwiegen hat. Solche Belohnungen haben allerdings auch einen taktischen Aspekt: Man will bei Mitwissern, die aus dem gleichen Kreis wie die Täter kommen, für Nervosität sorgen. 100'000 Franken können schon ein Grund sein, um jemanden zu verpfeifen.

Hätte es auch andere Mittel gegeben, um die Täter zu fassen?
Eine Belohnung ist nur eines von vielen Mitteln. Die gefundenen DNA-Profile ergaben zwar keine Treffer in einer in- oder ausländischen Datenbank. Als Ermittler weiss man aber auch, dass in gewissen Ländern Daten erst verzögert in das Schengen-Informationssystem aufgenommen werden. Dort könnte also noch etwas kommen. Daneben laufen die kriminalpolizeilichen Ermittlungen normal weiter, man geht jedem Hinweis nach. Zudem können die Behörden immer wieder Schub in die Sache bringen, wenn sie wie jetzt mit neuen Erkenntnissen an die Öffentlichkeit gehen.

Die Ermittler scheinen aber im Dunkeln zu tappen. Was haben Sie für eine Täter-Theorie?
Das Ganze hat sich verkompliziert. Am Anfang habe auch ich gedacht, dass es irgendeinen familiären Bezug zwischen Täter und Opfern gibt. Jetzt geht man aber von einem Raubmord aus, was den Täterkreis immens vergrössert. Die Täter selbst mussten sich ja vorher fragen, ob es dort etwas zu holen gibt. Die Tatsache, dass eines der Opfer vor der Tat 10'000 Franken abhob, wirft die Frage auf, ob jemand wirklich bereit ist, für einen solch kleinen Betrag ein solch grosses Verbrechen zu begehen. Möglich ist aber auch, dass die Täter das falsche Opfer ausgewählt haben. Es gibt ganz viele offene Fragen, die anscheinend auch die Aargauer Polizei noch nicht abschliessend beurteilen kann. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 18.02.2016, 17:23 Uhr)

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