600 Menschen flüchten vor Vulkan

Aktualisiert am 21.03.2010

Nach einem Ausbruch im Süden Islands mussten viele Anwohner ihre Häuser verlassen.

1/6 Warten auf den grossen Ausbruch
Eine Sicht auf den isländischen Vulkan Eyjafjallajökull am 22. März 2010.

   

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Quelle: Reuters

Der Ausbruch eines Gletschervulkans in Island hat am Sonntag mehr als 600 Anwohner zum Verlassen ihrer Häuser gezwungen. Nach Angaben der isländischen Behörden brach der Vulkan im Gebiet des Eyjafjalla-Gletschers im Süden der Atlantikinsel am frühen Morgen aus.

Verletzt wurde niemand. Die Behörden riefen jedoch wegen der Gefahr von Überschwemmungen durch abschmelzendes Gletschereis für die Region den Notstand aus.

«Wir hatten gar keine Zeit, Angst zu haben»

Der Evakuierungsplan sei sicherheitshalber in Kraft getreten, sagte Sigurgeir Gudmundsson von der isländischen Zivilschutzbehörde. Nach Angaben der Polizei wurden die Strassen gesperrt, die hohe Sicherheitsstufe für das Gebiet sollte vorerst aufrechterhalten bleiben.

In Island sind Vulkanausbrüche nichts Ungewöhnliches, die Anwohner bewahrten daher die Ruhe. «Wir hatten gar keine Zeit, Angst zu bekommen, und auch alle anderen waren ruhig», sagte die 51- jährige Landwirtin Dorhildur Bjarnadottir.

Wegen der kleineren Erdbeben in der Umgebung in den vergangenen Wochen habe sie sich bereits auf einen Vulkanausbruch vorbereitet. «Das Schlimmste war, unsere Tiere zurückzulassen», sagte Bjarnadottirs Mann.

Zwischen zwei Gletschern

Der Vulkanausbruch begann nach Angaben der Behörden gegen 1 Uhr (MEZ). Im Gletschergebiet stieg Rauch auf, laut Augenzeugen war der Himmel durch den Ascheregen verhangen. Drei Flughäfen, darunter der internationale Flughafen Keflavik, wurden vorübergehend vorsorglich geschlossen.

Sämtliche Flüge von und nach Island wurden gestoppt oder umgeleitet. Wie eine Sprecherin der Flughafenbehörde mitteilte, wurden die internationalen Flüge am Mittag wieder aufgenommen, während die inländischen Verbindungen gestrichen blieben.

Der Vulkan brach zwischen zwei Gletschern, dem Eyjafjallajökull und dem Myrdalsjökull, aus. «Zum Glück war der Ausbruch nicht genau unter einem Gletscher», sagte der Geophysikprofessor und Beirat des Zivilschutzes, Magnus Tumi Gudmundsson.

Noch lange nicht vorbei

Trotzdem mahnte er weiter zur Vorsicht, der Ausbruch könne in zwei Tagen oder auch erst in zwei Jahren vollständig abgeklungen sein. Die Umgebung des Vulkans, rund 125 Kilometer östlich der Hauptstadt Reykjavik, ist nur spärlich besiedelt.

Das Rote Kreuz richtete eine Notfall-Hotline ein und eröffnete in den Städten Hella, Hvolsvollur und Vik Aufnahmestationen für die betroffenen Anwohner. Der letzte Vulkanausbruch im Gebiet des Eyjafjallajökull geht auf das Jahr 1823 zurück.

Land der Vulkane

Island ist durch vulkanische Aktivitäten entstanden. Der bekannteste und aktivste Vulkan ist der Hekla. Er war zuletzt vor zehn Jahren ausgebrochen und hatte dabei mehr als zehn Kilometer hoch Lava ausgestossen.

Von insgesamt 140 isländischen Vulkanen sind 30 noch aktiv. Tote gab es zuletzt 1783, als beim einzigen Ausbruch des Laki 9000 Menschen ums Leben kamen. 1996 sorgte der Ausbruch des Vulkans Bardabungu unter dem Vatnajökull, dem grössten Gletscher Europas, für eine gigantische Überschwemmung durch Schmelzwasser.

(cpm/sda)

Erstellt: 21.03.2010, 18:20 Uhr

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