Panorama
Amokläufer: Männlich, Mittelschicht, Einzelgänger
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Studie
Die Studie «Amok und zielgerichtete Gewalttaten an Schulen in Deutschland» der Psychologen Jens Hoffmann und Karoline Roshdi und des Kriminologen und Sozialpädagogen Frank Robertz erscheint in der Aprilausgabe der Zeitschrift «Kriminalistik».
Die Autoren der Studie «Amok und zielgerichtete Gewalttaten an Schulen in Deutschland» werteten polizeiliche Ermittlungsakten und Gerichtsurteile von allen sieben bekannten Amokläufen in Deutschland von 1999 bis 2006 aus. Das geschah natürlich vor dem Amoklauf von Winnenden, der somit nicht berücksichtigt werden konnte. Es zeigen sich aber deutliche Übereinstimmungen zwischen dem 17-jährigen Tim K. und den früheren Tätern.
Die insgesamt sieben Gewalttäter waren zum Zeitpunkt ihrer Tat zwischen 14 und 22 Jahren alt, sie waren allesamt männlich und hatten die deutsche Staatsbürgerschaft. Alle bis auf einen lebten im Elternhaus, die Familien entstammten weitgehend der Mittelschicht. Vier von ihnen waren zum Zeitpunkt ihrer Gewalttat noch Schüler der betroffenen Schule, drei von ihnen hatten die Schule früher besucht. Insgesamt töteten sie 21 Menschen und verletzten 40. Vier der Gewalttäter brachten sich nach ihrer Tat um.
Immer kam es im Vorfeld der Tat zu Kränkungen
In allen Fällen habe es deutliche Risikomerkmale im Verhalten und in der Kommunikation der Täter im Vorfeld der Tat gegeben, erklärt Hoffmann. «Als Risikoindikatoren fanden wir in der Mehrzahl etwa Suizid-Äusserungen, oder die Jugendlichen erstellten Todeslisten.» Alle Täter kündigten demnach an, dass sie eine Waffe mit in die Schule bringen würden, oder zeigten diese vorher sogar anderen Schülern. «Ebenso sprachen nahezu alle Jugendlichen über ihre Racheabsicht oder gaben sogar bekannt, einen Amoklauf begehen zu wollen.»
Auffällig ist auch, dass es bei allen Tätern im Vorfeld der Gewalttat zu Kränkungen, sozialen Brüche oder Verlusterfahrungen kam, auf die fast alle von ihnen sehr empfindlich reagierten. Auch hatten alle Probleme in der Schule. Etwas mehr als die Hälfte der Täter wurde von ihrem Umfeld als Einzelgänger bezeichnet, die meisten isolierten sich vor der Tat noch weiter. Allerdings hatte die Mehrheit von ihnen Freizeitinteressen und war etwa in Vereinen aktiv. Nur etwas mehr als ein Viertel der Jugendlichen war vorher polizeilich auffällig.
Interesse für mediale Gewalt
Alle Täter interessierten sich der Studie zufolge für gewalthaltige Mediendarstellungen. Bei vier von ihnen gab es sogar eindeutig ein konkretes mediales Vorbild für die Tat - entweder eine Filmfigur oder ein realer Amokläufer. Ebenfalls vier von ihnen interessierten sich übermässig für Videospiele und verbrachten etwa grosse Teile der Freizeit damit.
Die Experten weisen darauf hin, dass bei vier Fällen sogar kurz vor der Tat in den Medien über eine ähnliche Gewalttat berichtet worden sei. «Es ist deshalb davon auszugehen, dass nach Amokläufen wie in Winnenden ein erhöhtes Risiko für weitere Taten dieser Art besteht», warnte Jens Hoffmann. (Mirjam Mohr/ap)
Erstellt: 12.03.2009, 18:37 Uhr



