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Bachmann will nun doch nicht Schweizerin sein
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 11.05.2012 158 Kommentare
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So spielt das Leben: An einem Tag ist man Schweizer, am nächsten lieber nicht. Nachdem Michele Bachmann bekannt gegeben hatte, die eidgenössische Staatsbürgerschaft erworben zu haben, wollte Bachmann gestern lieber doch nicht Heidi sein. In einem Brief an das Schweizer Konsulat in Chicago bat sie um den «Entzug meiner Schweizer Doppelstaatsbürgerschaft». Äh, hm, oh well.
Die 55-jährige Bachmann, die sich erfolglos für die republikanische Präsidentschaftskandidatur beworben hatte, verwies darauf, dass ihr die Staatsbürgerschaft nach Schweizer Recht automatisch mit der Eheschliessung mit ihrem aus der Schweiz stammenden Mann im Jahr 1978 übertragen worden sei.
Ihr Mann Marcus ist Sohn von Schweizer Einwanderern. Nach Auskunft des Thurgauer Amts für Zivilstandswesen hatte Marcus Bachmann erst vor kurzem sein Schweizer Bürgerrecht formell beansprucht. Er ist Bürger von Wigoltingen im Thurgau. Damit erhielt auch seine Frau formell das Schweizer Bürgerrecht. Dies sei am 19. März dieses Jahres geschehen, hiess es. Michele Bachmann hätte damit einen Schweizer Pass beantragen können. Den Thurgauer Behörden war nicht bekannt, weshalb Marcus Bachmann erst jetzt formell das Bürgerrecht beanspruchte und die Eheschliessung registrieren liess.
Eine Sprecherin der Abgeordneten von Minnesota hatte jedoch kürzlich erklärt, einige der fünf Kinder der Bachmanns hätten den Wunsch geäussert, die Schweizer Staatsangehörigkeit anzunehmen und damit Doppelbürger zu werden. Daraufhin hätten alle Familienmitglieder zusammen die Anfrage an die Schweizer Behörden gestellt.
Stolze Amerikanerin
Nun also die überraschende Wende von Bachmann: Als Begründung führte die republikanische Ikone an, sie wolle «absolut klarstellen, dass ich in Amerika geboren wurde und stolze Amerikanerin bin». Wäre ja noch schöner gewesen, nicht wahr, wenn Frau Bachmann sich mit der Staatsbürgerschaft einer Nation geschmückt hätte, wo der Sozialismus in Form einer universalen Krankenversicherung grassiert und damit genau das eingetreten ist, was Bachmann zu Hause verhindern möchte.
«Ich habe mich immer und zu 100 Prozent der amerikanischen Verfassung und den Vereinigten Staaten von Amerika verpflichtet gefühlt», schreibt Bachmann weiter. Wer möchte es nicht glauben?
Doppelstaatsbürgerschaft ist schlechte Idee
Womöglich half beim hastigen Rückzug vom roten Pass, dass Bachmann mitten in einem Wahlkampf um die Wiederwahl in das Washingtoner Repräsentantenhaus steckt und ihr demokratischer Gegenkandidat so nebenbei erwähnte, er habe selbstverständlich nur einen Pass, nämlich einen blauen. Dabei hätte Bachmann, die allenthalben in Obama-Land Sozialismus und Gottlosigkeit wittert, in der Schweiz durchaus auch Erquickliches gefunden: Die dortigen Latinos heissen Deutsche, sind allerdings nie illegal im Land, weshalb Bachmann nicht auf ihre sofortige Abschiebung hätte drängen müssen.
Andererseits aber hätte der ewige Bankenzwist die Kongressabgeordnete vielleicht gezwungen, Stellung zu beziehen – entweder gegen die Schweiz, derer sie doch gerade erst teilhaftig geworden war, oder – noch schlimmer! – gegen das eigentliche Vaterland, dem sie sich womöglich durch eine Ergebenheitsgeste an das Schweizer Bankgeheimnis unwiderruflich entfremdet hätte. Insgesamt ist eine Doppelstaatsbürgerschaft für einen amerikanischen Politico eine rundherum schlechte Idee, droht doch die Spaltung der Loyalität.
Da Amerika nach republikanischer Lesart ganz und gar einmalig, die Schweiz hingegen recht ordinär ist – bekanntlich konnte die Mayflower des fehlenden Schweizer Meereszugangs wegen dort nicht anlegen! –, hat Michele Bachmann sich gerade noch rechtzeitig besonnen: Blau ist besser als rot, diese Farbe der Sozis. Damit verliert der Schweizer Konservatismus freilich eine extrem entflammte und streitbare Frau, die so manchen Augiasstall in Bern ausgemistet hätte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.05.2012, 06:39 Uhr
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