Panorama
Baracke der Anne Frank abgebrannt
Westerbork
Der Besitzer glaube an Brandstiftung, berichtete am Montag die Zeitung «de Volkskrant». Bei der Polizei hiess es indes, die Ursache des starken Feuers am frühen Sonntagmorgen sei unklar. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden.
Die seit Jahrzehnten auf einem Bauernhof stehende Baracke befand sich früher im Lager Westerbork. Es wurde von den deutschen Besatzern während des Zweiten Weltkrieges als Zwischenstation für die Deportation von Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager genutzt.
Anne Frank, die posthum durch ihr in einem Amsterdamer Hinterhausversteck geschriebenes Tagebuch weltberühmt wurde, war im August 1944 mit ihrer Familie nach Westerbork gebracht worden. In der jetzt abgebrannten Baracke hatte die damals 15-jährige zusammen mit ihrer Schwester Margot und anderen jüdischen Menschen knapp vier Wochen lang Batterien montieren müssen.
Am 3. September 1944 wurde die in Frankfurt am Main geborene Anne Frank mit dem letzten von Westerbork zum Konzentrationslager Auschwitz abgehenden Zug deportiert. Sie starb im März 1945 im KZ Bergen-Belsen. Am vergangenen 12. Juni wäre Anne Frank 80 Jahre alt geworden.
»Grosser Verlust»
Der Direktor der Gedenkstätte Kamp Westerbork, Dirk Mulder, und die Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam beklagten die Vernichtung der historisch bedeutsamen Baracke als grossen Verlust. Erst vor zwei Wochen war angekündigt worden, dass das Gebäude nach jahrelangen vergeblichen Bemühungen endlich wieder an seinen Originalplatz im einstigen Lager Westerbork zurückkehren würde.
Nach dem Krieg war das Lager zunächst als Gefängnis für Nazi- Kollaborateure genutzt worden. Später diente es als Unterkunft für Einwanderer aus dem früheren niederländischen Kolonialgebiet auf den Molukken.
Anfang der 70er Jahre wurde Kamp Westerbork weitgehend aufgelöst. Die Baracke, in der Anne Frank arbeitete, wurde demontiert und als Scheune auf einen Bauernhof in der Gemeinde Veendam errichtet.
Erst Jahre später sei klar geworden, um welche Baracke es sich dabei handelte, erklärte Mulder. Der heutige Besitzer Jan Egges habe das Gebäude daraufhin der Westerbork-Gedenkstätte als Geschenk angeboten.
Dies sei jedoch jahrelang daran gescheitert, dass die Gemeinde Veendam dem Bauern die Genehmigung zur Errichtung einer Ersatzscheune verweigerte. Erst vor kurzem sei die Erlaubnis dafür doch noch erteilt worden.
Dass nun jemand die einstige Anne-Frank-Baracke in Brand gesetzt hat, sei für ihn «so gut wie sicher», erklärte Egges. «Es gab nichts in der Scheune, was ein Feuer hätte auslösen können. Keinen Strom, kein Heu, und es gab auch kein Gewitter.» (mbr/sda)
Erstellt: 20.07.2009, 12:38 Uhr
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