Bilder vom Überfall auf Carlos' ehemalige Kampfsportschule

Der Basler Thaiboxer Paulo Balicha hatte ein Training seines Erzrivalen Shemsi Beqiri gestürmt – und den Angriff auf Film festgehalten. Nun liegen exklusive Standbilder des Überfalls vor.

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Mehrere martialisch maskierte Männer mit Baseballschlägern und Teleskop-Schlagstöcken umringen zwei Kämpfer, die minutenlang miteinander ringen und aufeinander einschlagen. Was aussieht wie aus einem billigen Action-Film, ist die erschreckende, harte Realität. Gut fünf Monate nachdem eine brutale Abrechnung in der Basler Kickbox-Szene für Aufsehen gesorgt hat (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete), tauchen nun die ersten Bilder vom Überfall auf, die der Basler Zeitung (BAZ) exklusiv vorliegen. Die Kampfschule gehört Shemsi Beqiri (27), 10-facher Weltmeister im Thaiboxen, verurteilter Gewalttäter und ehemaliger Trainer des schweizweit für Schlagzeilen sorgenden Carlos.

Die Fotos sind offensichtlich Standbilder aus dem Video, welches einer der Angreifer aufgezeichnet und dann am Tatort zurückgelassen hat, als die Situation endgültig eskalierte. Angeführt wurde die maskierte Schlägertruppe vom ehemaligen Thaibox-Weltmeister Paulo Balicha. Das Ziel: eine Abrechnung mit seinem ehemaligen Schüler und jetzigen Erzrivalen Shemsi Beqiri. Zusammen mit rund 20 Begleitern stürmte Balicha am 24. Feb­ruar abends in ein Training.

Schlagringe erkennbar

Was dann geschah, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Mehrere Anwesende sagten übereinstimmend aus, dass sie von den bewaffneten Begleitern mit Schlägen an die Seite der Halle getrieben wurden. Gleichzeitig sei Balicha mit Schlagringen bewaffnet auf Beqiri losgegangen. Als dieser nach einem längeren Kampf die Oberhand gewonnen habe, hätten die Begleiter von Balicha eingegriffen. Dabei sei die Situation endgültig eskaliert. Zurück blieben mehrere Verletzte, teils mit Knochenbrüchen – darunter auch Beqiri. Balicha stellte sich noch am gleichen Abend der Polizei und musste ebenfalls ins Spital gebracht werden.

Die jetzt aufgetauchten Bilder stützen diese Aussagen grossteils. So sieht man zwei junge Frauen, welche zusammengekauert in einer Ecke sitzen, während die beiden Kontrahenten miteinander ringen. Auch Kollegen und ein Bruder von Beqiri müssen tatenlos zusehen.

Aus einem Standbild wird klar: Das Video ist fast sieben Minuten lang. Dies dürfte eine gewisse Rolle spielen in Bezug auf die Vorwürfe der Nötigung und der Freiheitsberaubung. Ein weiteres belastendes Indiz: Auf mehreren weiteren Bildern, die der BaZ vorliegen, kann man an Balichas bandagierten Händen allem Anschein nach zwei Schlagringe erkennen. Diese sind einerseits laut Waffengesetz verboten, andererseits macht es vor Gericht einen massiven Unterschied, ob der Angriff damit oder «nur» mit den Fäusten erfolgt ist.

Balicha selber hatte sich vergangene Woche in der Schweiz am Sonntag erstmals zu Wort gemeldet und dabei unter anderem bestritten, dass er beim Kampf Schlagringe getragen habe. Ausserdem widersprach er Beqiri, welcher in der Woche nach der Tat im Interview mit der BaZ gesagt hatte: «Balicha wollte mich eigenhändig umbringen.»

Der 37-jährige Portugiese, der gestern wie auch Beqiri für die BaZ nicht erreichbar war, betont dagegen, dass es ihm um einen fairen Zweikampf gegangen sei. Sein Verteidiger spricht von einem «Kampf zwischen zwei Platzhirschen – nicht mehr».

Allerdings vermitteln die Fotos nur ein unvollständiges Bild. Und es gibt auch entlastende Momente: Es sind weder Stich- noch Schusswaffen zu sehen, von denen Anwesende berichtet haben. Unklar bleibt, ob das Video, das bei den Akten der Staatsanwaltschaft liegt, Aufschluss geben kann. Denn wenn das Video als Trophäe geplant war, mussten die Täter damit rechnen, dass es früher oder später öffentlich werden dürfte.

Verfahren fortgeschritten

Das Verfahren ist offenbar mittlerweile so weit fortgeschritten, dass die wichtigen Eckpunkte und Aussagen vorliegen. Darauf lässt einerseits die Tatsache schliessen, dass Balicha Mitte Mai nach fast drei Monaten Untersuchungshaft wieder auf freien Fuss gesetzt wurde. Andererseits hat die Baselbieter Staatsanwaltschaft mittlerweile ein Schweigegebot für Beqiri wieder aufgehoben. Verdunkelungsgefahr besteht also offenbar keine mehr.

Unklar ist nach wie vor, wie viele der maskierten Mittäter bereits identifiziert werden konnten. Auch sie müssen mit einer Anklage rechnen. (Basler Zeitung)

(Erstellt: 22.07.2014, 08:18 Uhr)

Infobox


Die Rivalität zwischen Balicha und Beqiri hält schon länger an. (Video: YoutTube/TeleBasel)

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