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Blitze sind für Flugzeuge eigentlich ungefährlich

Aktualisiert am 01.06.2009

Ein Blitzeinschlag, der als Ursache des Air-France-Absturzes über dem Atlantik vermutet wird, kann einem modernen Passagierjet eigentlich nichts anhaben.

Ungefährlicher Blitzeinschlag: Die Technik bleibt geschützt.

Ungefährlicher Blitzeinschlag: Die Technik bleibt geschützt.

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Ein Flugzeug sei wie ein Auto ein Faradayscher Käfig, erläutert der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, auf AP-Anfrage: «Der Blitz sucht sich den kürzesten Weg zum Boden und tritt irgendwo wieder aus dem Flugzeug aus.» Das heisst, die Elektrizität wird über Rumpf und Tragflächen abgeleitet und dringt nicht ins Innere.

Die Technik sei so geschützt, dass sie bei einem Blitzeinschlag fast nie beeinträchtigt werde, erklärte der Flugkapitän weiter. «In der Regel passiert da nichts.»

Gewitterfronten zu umfliegen

Da es an Bord je nach Flugzeugtyp bis zu drei unabhängig voneinander arbeitende elektrische Systeme gebe, sei ein Strom-Totalausfall höchst unwahrscheinlich. Zudem gebe es Notsysteme: Der Airbus A320 beispielsweise verfüge in einer Tragfläche über eine Turbine, die ausgeklappt werden und dann mit Hilfe des Strömungswindes Elektrizität erzeugen könne.

In einem Gewitter seien die Turbulenzen für ein Passagierflugzeug ein grösseres Problem als Blitze. Deshalb versuche der Pilot auch, Gewitterfronten zu umfliegen, sagte Handwerg weiter. Ihm sei kein Fall bei modernden Verkehrsflugzeugen bekannt, in dem ein Blitzeinschlag zu einem Absturz geführt habe.

«Doppelt und dreifach abgesichert»

«Dort im Südatlantik, wo die Air-France-Maschine vermisst wird, gibt es immer mehrere Gewitterzonen», erklärte Flugkapitän Georg Fongern, der auch Vorstandsmitglied der Weltpilotenvereinigung IFALPA ist. Da sollte man möglichst herumfliegen. «Gerät man aber doch mal rein und wird auch vom Blitz getroffen, führt das nicht automatisch zum Absturz.»

Er selbst sei schon mehrfach mit einer Maschine vom Blitz getroffen worden - ohne Folgen. «Da kann man später dann in der Hülle winzige Löcher erkennen, die nicht grösser sind als Bleistiftspitzen.» Grundsätzlich seien die Flugzeuge der dritten Generation «doppelt und dreifach abgesichert».

«Die Mechanismen bei den modernen Flugzeugen sind derart komplex, dass Spekulationen zur Unfallursache im aktuellen Fall völlig sinnlos sind», sagte Fongern.

Alle drei Jahre ein Blitzeinschlag

Laut Statistik schlägt etwa alle drei Jahren einmal ein Blitz in einen grossen Passagierjet ein. Kleine Maschinen im Regionalverkehr sind häufiger betroffen - etwa einmal pro Jahr -, da sie in geringeren Höhen unterwegs sind. Die Blitzeinschläge bleiben, von ein paar Dellen an der Flugzeugoberfläche einmal abgesehen, normalerweise ohne grössere Schäden.

In den vergangenen 50 Jahren gab es nur eine handvoll Fälle, in denen Blitzeinschläge eine Rolle bei Flugzeugunglücken gespielt haben könnten. Der folgenschwerste Zwischenfall ereignete sich am 8. Dezember 1963, als ein Blitz über dem Nordosten der USA in eine Boeing 707 der Pan American World Airways einschlug und die Treibstoffdämpfe in den Tanks entzündete.

Alle 81 Menschen an Bord kamen ums Leben. Die US-Flugsicherheitsbehörde ordnete umgehend an, dass an allen Zivilflugzeugen elektrische Entladungsvorrichtungen angebracht werden müssten.

Erinnerungen an Halifax

Oft spielten verschiedene Faktoren zusammen oder auch ganz banale Störungen führten zur Katastrophe, wie bei dem Unglück einer Swissair-Maschine 1998 bei Halifax vor der kanadischen Küste. Nach einem Kabelbrand war es zum totalen Stromausfall gekommen.

Keiner der 229 Menschen an Bord überlebte. «Damals hätte keiner zunächst gedacht, dass ein Kabelbrand die Ursache war», sagte der Pilot. Jetzt sei zu hoffen, dass die Air-France-Maschine im Atlantik überhaupt entdeckt werde. «Sonst bleibt die Ursache wohl immer ungeklärt.» (bru/ap)

Erstellt: 01.06.2009, 23:08 Uhr

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