Brandanschlag auf «Hamburger Morgenpost»

Unbekannte warfen Steine und einen Brandsatz durchs Fenster. Die «Hamburger Morgenpost» hatte nach dem Terror in Paris die Mohammed-Karikaturen nachgedruckt.

Video: Reuters

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Auf das Gebäude der «Hamburger Morgenpost» ist in der Nacht zum Sonntag ein Brandanschlag verübt worden. Unbekannte warfen nach ersten Erkenntnissen der Polizei von einem Hinterhof aus Steine und einen Brandsatz in das Archiv der Zeitung. Einige Akten verbrannten, Menschen kamen nicht zu Schaden.

Zwei Männer, die sich im Umfeld verdächtig verhalten hätten, seien festgenommen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Die Männer - beide über 30 Jahre - würden vernommen. Nähere Angaben machte die Sprecherin zunächst nicht.

Die «Morgenpost» hatte nach dem Terroranschlag in Paris Karikaturen des Satiremagazins «Charlie Hebdo» vom Propheten Mohammed auf ihrer Titelseite nachgedruckt. Es gebe derzeit keine Fakten darüber, dass der Anschlag damit in Verbindung stehe, sagte die Polizeisprecherin. «Es gibt noch keine Erkenntnisse, keine Bekennerschreiben oder andere Hinweise.» Der Staatsschutz habe Ermittlungen aufgenommen.

Redaktion schockiert

Die Redaktion der «Hamburger Morgenpost» zeigte sich «schockiert» über den Brandanschlag. «Dass so etwas in einer weltoffenen und liberalen Stadt wie Hamburg passiert, erschüttert uns», schrieb Chefredaktor Frank Niggemeier in einer Stellungnahme.

Inwieweit der Anschlag mit der Berichterstattung der Zeitung zusammenhänge, müssten jetzt die Ermittlungen der Polizei klären. Nach Angaben der Chefredaktion wurde am Sonntag ganz normal an der neuen Ausgabe für Montag gearbeitet.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen verurteilte den Brandanschlag. «Gewalt darf in Deutschland kein Mittel der Auseinandersetzung mit missliebigen Meinungen oder Veröffentlichungen werden», erklärte Geschäftsführer Christian Mihr.

Pressefreiheit sei «ein nicht verhandelbares Grundrecht». Die Landespressekonferenz Hamburg bezeichnete den Brandanschlag laut «Hamburger Morgenpost» als «feigen und hinterhältigen Terrorakt gegen die Pressefreiheit».

Solidaritäts-Bekundungen

Zahlreiche Menschen bekundeten via Facebook und Twitter ihre Solidarität mit der Zeitung. So twitterte etwa der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs: «was für eine schandtat! vielen dank an die mopo für ihre klare haltung! jetzt zusammenstehen! gemeinsam sind wir stark!»

Die Hamburger Grünen-Chefin Katharina Fegebank schrieb: «Was ist bloss mit der Welt los? Brandanschlag auf @mopo. Kann es nicht glauben. Bleibt stark!» Die Zeitung selbst dankte im Internet den Menschen für ihre «Rückendeckung».

Im Hinterhof des Verlagsgeländes lag am Sonntagvormittag ein grosser Haufen verkohlter Akten und Zeitungsausgaben. Ein Glaser hatte die zerstörte Scheibe zugeklebt. An der Vorderseite war von den Spuren des Anschlags hingegen nichts zu sehen. (rar/AFP/sda)

Erstellt: 11.01.2015, 07:17 Uhr

Bombendrohung in Belgien

Nach der Veröffentlichung von «Charlie Hebdo»-Karikaturen ist die Redaktion der belgischen Tageszeitung «Le Soir» am Sonntag wegen einer Bombendrohung evakuiert worden. Die Büros des französischsprachigen Blattes in Brüssel seien nach einem anonymen Anruf geräumt worden, sagte Politikredakteur Maroun Labaki der Nachrichtenagentur Belga. Die Strasse rund um das Gebäude wurde abgesperrt. Auch die Druckerei des französischsprachigen Blattes in Nivelles südlich der belgischen Hauptstadt wurde evakuiert.

Der Anrufer habe damit gedroht, dass eine Bombe «in eurer Redaktion hochgeht», schrieb die «Le Soir»-Journalistin Martine Dubuisson im Online-Dienst Twitter. «Le Soir» hatte nach dem Anschlag auf «Charlie Hebdo» wie viele andere europäische Zeitungen Karikaturen des französischen Satire-Magazins veröffentlicht, darunter auch Zeichnungen, die den Propheten Mohammed zeigen. (AFP)

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