Crystal, Ecstasy, Thai-Pillen: Polizeichef war Drogendealer

Der Chef der Regionalpolizei Zofingen, der aus Frauenfeld stammt, soll Drogenhandel betrieben und auch selbst Drogen konsumiert haben. Das Bezirksamt Lenzburg hat eine Strafuntersuchung eröffnet.

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Der Chef der Regionalpolizei Zofingen steht im Verdacht, grössere Mengen synthetischer Drogen gehandelt zu haben, wie das Bezirksamt Lenzburg mitteilt. Der 36-Jährige hat den Handel und den Konsum der Drogen in einer ersten Einvernahme gestanden.

Auf die Spur des Zofinger Polizeichefs brachte das Bezirksamt ein ehemaliger Lenzburger Polizist. Dieser habe sich in den vergangenen zwei Wochen auffällig verhalten, sagte Ueli Bruder, Stellvertreter des Bezirksamtmanns, auf Anfrage. Dem 33-Jährigen wird ebenfalls Drogenkonsum zur Last gelegt.

Er soll keinen Handel betrieben haben, aber ein Abnehmer des Zofinger Polizeichefs gewesen sein. Der ehemalige Polizist befindet sich nicht in Untersuchungshaft. Den Konsum von Drogen hat der 33- Jährige gegenüber dem Bezirksamt Lenzburg gestanden.

Ob noch weitere Polizisten in die Drogendelikte verwickelt sind, gab Bruder nicht bekannt. Man stehe am Anfang der Untersuchung und habe noch keinen Überblick. Das Bezirksamt geht jedoch davon aus, dass es weitere Abnehmer gibt.

«Crystal», Ecstasy und «Thai-Pillen» gefunden

Bei einer Hausdurchsuchung beim Chef der Zofinger Regionalpolizei wurden Ecstasy, sogenanntes «Crystal» sowie kleinere Mengen Metamphetamin gefunden. Diese Substanz ist in der Szene als «Thai- Pillen» bekannt. Zudem stellten die Polizisten das Tiernarkosemittel Ketamin sicher.

Der in Untersuchungshaft genommene Verdächtige ist seit gut einem Jahr Chef der Regionalpolizei Zofingen. Er ist ein Quereinsteiger. Zuvor hatte er im Bundesamt für Polizei (fedpol) als Informatiker gearbeitet. Zurzeit besucht er noch einen Führungslehrgang.

Zofingen stellt Polizeichef frei

Die Stadt Zofingen reagierte postwendend auf die Vorwürfe. Der zuständige Stadtrat Herbert H. Scholl stellte den Chef der Regionalpolizei per sofort frei. Sein Stellvertreter Stefan Wettstein übernimmt vorerst die Leitung der Regionalpolizei.

Er sei «völlig überrascht» gewesen, sagte Scholl auf Anfrage der SDA. Er besuchte die Regionalpolizei am Morgen und führte Gespräche. Das weitere Vorgehen mit dem Chef der Regionalpolizei will der Stadtrat erst festlegen, wenn das Ergebnis der Strafuntersuchung vorliegt.

Es ist nicht der erste abrupte Abgang eines Zofinger Polizeichefs. Im Januar 2008 wurde dem damaligen Chef mit sofortiger Wirkung gekündigt. Der Stadtrat begründete die Entlassung mit unterschiedlichen Auffassungen über die Führung der Regionalpolizei. (sam/ap)

Erstellt: 11.08.2009, 14:11 Uhr

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