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«Da waren die Schreie und dann eine furchtbare Stille»
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Der Campingplatz von Pelluhue liegt idyllisch unter Pinien direkt am Pazifik. Aber nach dem Erdbeben wussten die 40 Rentner, die dort Urlaub machten, sofort, dass sie keine Zeit zu verlieren hatten. Mit dem Bus wollten sie sich in Sicherheit bringen, weg vom Meer, weg von dem drohenden Tsunami. Sie schafften es nicht mehr. Die riesigen Flutwellen rissen den Bus mit, niemand überlebte.
Allein in Pelluhue zerstörte das Erdbeben der Stärke 8,8 am Samstag etwa 300 Häuser. Die meisten Bewohner waren sich der Tsunami-Gefahr durchaus bewusst: Die Fluchtrouten waren sogar ausgeschildert. «Wir liefen durch den Ort und riefen 'Kommt aus euren Häusern!'», berichtet Claudio Esfalona. Der 43-Jährige war zum Zeitpunkt des Bebens mit seiner Familie in seinem Haus in der Nähe des Campingplatzes. Von dort rannte er mit seiner Frau und den beiden vier und sechs Jahre alten Töchtern um sein Leben.
Drei Wellen seien gekommen, erzählt Esfalona, schon die ersten beiden etwa sechs Meter hoch, die dritte noch riesiger. «Wir hörten die Schreie von Kindern, Frauen, jedem», sagt Escalona. «Da waren die Schreie und dann eine furchtbare Stille.»
Eine Schneise der Verwüstung am Meer
Die Naturkatastrophe hat an der Küste eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. In Curanipe dient die Kirche als Leichenhalle. In Cauquenes beerdigten die Menschen ihre Angehörigen selbst, weil das Bestattungsinstitut keinen Strom hatte.
In Talcahuano versammelten sich Marioli Gatica und ihre Grossfamilie nach dem gewaltigen Erdbeben am Samstag vor dem Radio. Sie sassen in dem Holzhaus an der Küste auf dem Fussboden und hörten, wie die Feuerwehr die Bevölkerung aufrief, Ruhe zu bewahren und nicht nach draussen zu gehen. Von einem Tsunami hätten sie nichts geahnt, sagt Gatica – bis die Wassermassen mit unglaublichem Getöse ihr Haus trafen. «Eben sassen wir noch da, und im nächsten Moment sah ich das Wasser und Kabel und Möbel herumschwimmen.»
Ein Schiffscontainer als letzte Rettung
Zwei riesige Schiffscontainer krachten auf Gaticas Zuhause. Ein dritter blieb auf halbem Weg zwischen dem Haus und dem Meer liegen. Das rettete ihr das Leben, denn der Container verhinderte, dass sie vom Sog des Wassers mitgerissen und ins Meer gespült wurde. Ihre elfjährige Tochter konnte sich an einen Baum klammern. Fast alle Familienmitglieder überlebten, bis auf Gaticas 76-jährige Mutter.
Etwa vier Fünftel der 180'000 Einwohner von Talcahuano sind obdachlos geworden, wie Bürgermeister Gaston Saavedra sagt. Auch der Hafen und die Strassen seien zerstört.
«Im Radio hiess es, es werde keinen Tsunami geben»
Der chilenische Verteidigungsminister Francisco Vidal hat eingeräumt, es sei ein grosser Fehler gewesen, dass die Marine nicht sofort eine Tsunami-Warnung ausgegeben habe. Dafür retteten Hafenkapitäne wahrscheinlich hunderte Menschenleben, weil sie Alarm schlugen.
In der Ortschaft Dichato wurden ein paar Jugendliche zu Helden. Sie waren am Strand und sahen etwa eine Stunde nach dem Erdbeben auf einmal, wie sich das Wasser aus der Bucht zurückzog. Geistesgegenwärtig rannten sie daraufhin schreiend durch die Strassen, um die Menschen zu warnen. Polizisten mit Megaphonen taten es ihnen gleich.
Rogilio Reyes ist einer der vielen Menschen, der den Teenagern wahrscheinlich sein Leben zu verdanken hat. «Im Radio hiess es, es werde keinen Tsunami geben», erinnert er sich. Ein fataler Irrtum. Mindestens 49 Bewohner von Dichato gelten als vermisst, wie Bürgermeister Eduardo Aguilera sagt, und rund 800 Häuser wurden zerstört. (raa/ddp)
Erstellt: 02.03.2010, 13:50 Uhr
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