Dall verteidigt sich, die Frau schweigt

Marc Engler, der Anwalt von Karl Dall, weist die schweren Vergewaltigungsvorwürfe zurück. Er sagt, das angebliche Opfer habe bereits Udo Jürgens gestalkt.

Karl Dall bestreitet die Vorwürfe und geht in die Gegenoffensive: Die Journalistin soll ihn nach Geld gefragt haben.

Karl Dall bestreitet die Vorwürfe und geht in die Gegenoffensive: Die Journalistin soll ihn nach Geld gefragt haben. Bild: Keystone

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Karl Dall, der deutsche Bühnenkomödiant mit dem hängenden rechten Augenlid, soll eine Schweizer Journalistin vergewaltigt haben, schrieb die «Bild» heute. Die 43-jährige Solothurnerin wirft dem Deutschen vor, sich am 5. September an ihr vergriffen zu haben. Marc Engler, der Anwalt von Dall, bestreitet diese Vorwürfe.

Der Zürcher Strafverteidiger beschreibt den besagten Tag folgendermassen: Nachdem das mutmassliche Opfer im August ein Interview mit Dall per E-Mail geführt habe, wollten sie sich im Rahmen der Talkshow von Kurt Aeschbacher treffen. Dall sei dort zu Gast gewesen und habe während seines Zürcher Aufenthalts im Hotel Renaissance in Zürich West residiert – nur wenige Meter entfernt vom «Labor», dem Austragungsort der Talkshow.

«Kein Geschlechtsverkehr»

Die beiden trafen sich darauf in Dalls Zimmer: Erst sprachen sie miteinander – die freie Journalistin erzählte dem Deutschen von ihren Geldproblemen, 30’000 Franken Schulden habe sie gemäss Dalls Darstellung gehabt – dies geht aus einem Brief des 72-Jährigen an seine «Freunde und Nachbarn» hervor. Grund für die Schulden war gemäss dem offenen Brief ihre Spielsucht, die auch dazu führte, dass sie sich bei Schweizer Casinos sperren liess. Schliesslich fragte sie gemäss Engler den Entertainer, ob er ihr finanziell aushelfen könne. Dall verneinte diese Frage. Die Journalistin versuchte auch Dall zu küssen, dieser war überrascht, wies die Frau aber wieder zurück. «Es kam zu keinem Geschlechtsverkehr», sagt Dalls Anwalt, «sie versuchte ihn zu küssen, mehr passierte nicht.»

Das mutmassliche Opfer antwortet nicht auf Anfragen, ihr Anwalt Andreas Wehrle sagte lediglich: «Kein Kommentar.» Die 43-Jährige arbeitete in den letzten Jahren als freie Journalistin für verschiedene Blätter, dazu schrieb sie ein Buch, das von sexuellem Missbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen handelt. Der seit 1971 verheiratete Dall hingegen ist der breiten Öffentlichkeit bekannt: Er erlangte als Schauspieler Berühmtheit in Erotikkomödien wie «Dirndljagd auf Ibiza» und machte sich in den 80er-Jahren einen Namen als Talkshowgastgeber mit direktem und oftmals derbem Humor.

50 Anrufe pro Nacht

Engler zweifelt die Glaubwürdigkeit der Klägerin an. Grosse Teile ihrer Aussage widersprächen anderen Aussagen und Beweismitteln. «Wir gehen von einer falschen Anschuldigung aus.» Zudem habe die Journalistin die Klage erst zwei Monate nach der angeblichen Vergewaltigung erstattet. Die Klägerin habe die Familie Dall noch über Wochen mit Telefonanrufen belästigt und Nachrichten hinterlassen. Engler bestätigt, dass die Frau vor Jahren bereits Udo Jürgens «terrormässig» gestalkt habe – dies habe er im Laufe des Verfahrens in Erfahrung bringen können. 50 Anrufe pro Nacht sollen gemäss «20 Minuten» damals die Regel gewesen sein. Mit Jürgens persönlich haben der Verteidiger und Dall bisher nicht gesprochen. Angesichts der Faktenlage geht die Verteidigung von einer Einstellung des Verfahrens oder einem Freispruch aus.

Corinne Bouvard von der Oberstaatsanwaltschaft Zürich lässt derweil verlauten, Dall habe Anfang November vier Tage in Untersuchungshaft verbracht, sei dann aber wegen fehlender Verdunklungs- und Fluchtgefahr aus der Haft entlassen worden, das Verfahren läuft aber weiterhin. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.11.2013, 17:13 Uhr)

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